Wo pilgern sie denn?
Die Basilika di San Francesco in Assisi

Wo pilgern sie denn?

Ich bin dann mal weg! Ja, das wünscht sich manch einer von uns tagtäglich. Aber nicht jeder von uns kann es sich eben leisten und dies in die Tat umzusetzen wie Hape Kerkeling – was macht der Kerl eigentlich gerade?! –, der sich anno 2001 als verarmter Pilger auf den Jakobsweg begab, um ein Buch darüber zu schreiben und dies dann mehr als drei Millionen Mal zu verkaufen.

Streng genommen gibt es den einen Jakobsweg gar nicht, sondern viele Jakobswege, die zum Beispiel durch Deutschland, Frankreich, die Schweiz, Österreich oder Italien führen. Eindeutiger wird es dann erst in Spanien, wo alle Wege in Santiago de Compostela enden. Dort gibt es übrigens auch einen Flughafen, für die ganz eiligen Pilger, vor allem aber ist dort der Überlieferung nach das Grab des Apostels Jakobus.

Santiago de Compostela

Italien ist auch immer eine Reise wert

Weitere Apostel liegen in Rom rum, wobei man immer „der Legende nach“ sagen sollte. Aber selbst wenn man nicht zu Petrus und Paulus pilgern wollte: Allein schon der Vatikan ist ja eine Reise wert, auch wenn man keine Audienz beim Papst hat. Nach dem Petersdom ist Loreto der zweitwichtigste Wallfahrtsort in Italien. Hier soll der, ähm, Legende nach das Haus von Maria stehen, das von Engeln dorthin getragen wurde, als Nazareth an den Islam fiel. Und wenn man schon mal in Italien ist: In Assisi kann man sich die Portiuncula anschauen – die Kapelle, in der Franz von Assisi im Kreis seiner Gefährten starb. Das wenigstens ist verbrieft.

Basilika von Loreto

Wer war schon mal in Guadalupe?

Der größte Wallfahrtsort der Erde, also der mit angeblich jährlich 20 Millionen Pilgern meistbesuchte, liegt aber in Übersee: in Guadalupe am Stadtrand von Mexiko-Stadt. Dort soll anno 1531 einem Indio die Mutter Gottes erschienen sein. Der Bischof glaubte dies und ließ eine Kapelle errichten, in der bis heute das Gnadenbild Unsere Liebe Frau von Guadalupe zu sehen ist. Der bedeutendste Wallfahrtsort aber ist natürlich nach wie vor … Jerusalem! Für die Christen ist der Ort als Kreuzigungsstätte und Grab von Jesus von Bedeutung, für Juden ist es ohnehin die Heilige Stadt und für Muslime gilt sie als Ort der Himmelfahrt Mohammeds.

Basilika in Mexiko Stadt. Unsere Liebe Frau von Guadalupe.

Gnadenbilder noch und nöcher

Doch zurück nach Europa, wo es auch noch ein paar berühmte Wallfahrtsorte gibt: Im polnischen Tschenstochau, auch Częstochowa, wird die Schwarze Madonna verehrt, ebenfalls ein Gnadenbild. Im französischen Lourdes soll die Gottesmutter Maria im Jahr 1858 einem 14-jährigen Mädchen erschienen sein. Im portugiesischen Fatima soll Maria am 13. Mai 1917 drei Hirtenjungen begegnet sein und befohlen haben, an jedem 13. eines Monats wiederzukommen. Trotz Stillschweigen bekamen andere davon mit, um sogleich am 13. Juni nach der Erscheinung zu schauen.

In den Folgemonaten kamen immer mehr Schaulustige, so dass die Erscheinung für den 13. Oktober ein Wunder ankündigte. Tatsächlich soll sich die Sonne wie ein Feuerrad gedreht haben. Am 13. Mai 1930 erklärte dies der Bischof für glaubwürdig – seitdem ist die Verehrung Unserer Lieben Frau von Fátima gestattet.

Lourdes

Aber man muss gar nicht so weit reisen, um besondere Stätten zu suchen. Auch in Deutschland gibt es eine ganze Reihe von Wallfahrtsorten: von A wie Altötting in Bayern (Gnadenkapelle zur Schwarzen Muttergottes) bis Z wie Zell in Rheinland-Pfalz, wo der Heilige Philipp für Kinderwünsche zuständig ist. Für Profaneres ist dort übrigens der Schwarze Herrgott zuständig – so heißt eine Weinbergslage im Zellertal.