Wie der Bundestag das Reiserecht reformiert

Wie der Bundestag das Reiserecht reformiert

Die gute Nachricht zuerst: Musste man bisher Reisemängel innerhalb eines Monats beim Veranstalter geltend machen – wie noch hier erklärt – haben Urlauber künftig zwei Jahre Zeit für ihre Ersatzansprüche. Dank der effizienten Umsetzung einer EU-Richtlinie im Bundestag kann man in Zukunft fristgerecht unterm Weihnachtsbaum klagen – sollten Groll und Enttäuschung über den schlimmen Sommerurlaub vom Vorjahr noch immer nicht abgeklungen sein. Ein Hoch auf den Verbraucherschutz!

Das war es dann aber auch mit den guten Neuigkeiten. Allerdings sollen auch die vielen Verschlechterungen nicht verschwiegen werden, die der Bundestag beschlossen hat und die Verbraucherzentralen empören.

Höhere Kosten

Alles wird immer teurer. Konnten Reiseveranstalter bis dato aus dieser Binsenweisheit heraus den Buchungspreis bis 20 Tage vor Reisebeginn um bis zu fünf Prozent erhöhen, sind es zukünftig acht Prozent. Ohne kostenloses Rücktrittsrecht für den Reisenden, versteht sich. Gestiegene Kerosinpreise, geänderte Wechselkurse, irgendwas ist ja immer. Der Verbraucher kann seinerseits auch auf Preissenkung plädieren, wenn sich die Kosten verringern. Allerdings steht er dann in der Nachweispflicht. In der Praxis also eher schwer umzusetzen.

Weniger Schutz bei Tagesreisen

Geht ein Reiseveranstalter in die Insolvenz, geht der Verbraucher zukünftig leer aus, wenn er eine Tagesreise (weniger als 24 Stunden und ohne Übernachtung) unter 500 € gebucht hat. Galt bisher das Pauschalreiserecht, müssen sich Veranstalter zukünftig nur noch bei Reisen ab einem Wert über 500 € absichern und auch nur bei diesen für Reisemängeln haften.

Übrigens ist daran die EU-Richtlinie gar nicht Schuld – sie lässt ausdrücklich mehr Spielraum zu. Der verbraucherschutzfreundliche deutsche Standard wurde freiwillig aufgegeben.

Verklag doch im Ausland

Auch für gemietete Ferienhäuser und -wohnungen in der Fremde gilt nicht mehr das bisherige Pauschalreiserecht. Wer unseriöse Anbieter dran bekommen oder Mängel geltend machen möchte, dem bleibt der Rechtsweg im Ausland. Dieser Schutzrechtverzicht ist ebenso ohne Not geschehen und nicht durch die EU-Richtlinie vorgeschrieben.

Getrennte Rechnung

Noch mehr schlechte Nachrichten gefällig? Aber gerne doch. Wer beim selben (Online-)Anbieter einen Flug, den Mietwagen sowie das Hotel getrennt binnen 24 Stunden bucht, hat damit weiterhin keine Pauschalreise und genießt ebenso wenig den damit einhergehenden Schutz – wenn der Anbieter dafür getrennte Rechnungen schreibt.

In den Urlaub statt aus der Haut fahren

Es bleibt aber etwas Zeit, die Koffer zu packen und nochmal schnell unter den alten Bedingungen zu verreisen. Das Gesetz tritt erst zum 1. Juli 2018 in Kraft.