Wer hat den besten Zimmerpreis?
Ein guter Trolley – hier von Hardware – ist genauso wichtig wie ein gutes Zimmer.

Wer hat den besten Zimmerpreis?

Ach, das waren noch Zeiten, als man nur das Fremdenverkehrsamt anrufen musste, nach freien Unterkünften fragen, sich ein paar Namen und Nummern aufschreiben, um sie dann nach und nach telefonisch abzuklappern, sich Notizen über die unterschiedlichen Preise zu machen und irgendwann eine Entscheidung zu treffen. Häufig dann, wenn das Lieblingsangebot schon wieder weg war … Eines Tages wurde dann das Internet erfunden und kam auf der Homepage des Urlaubsorts in der Tourismusecke diese Buchungs-Else ins Spiel, die man mit ein paar Daten fütterte. Dafür bekam man eine Ergebnisliste mit Hotels und Pensionen, die noch zu haben sind. Und heute? Gibt man auf Booking.com, HRS oder Expedia sein Reiseziel ein und bekommt lauter Angebote mit Bestpreisgarantie. Bis vor kurzem zumindest. Tolle Sache, oder?

Nicht unbedingt. Denn als ein gewisser Andreas Mundt vor ein paar Jahren seinen Familienurlaub am Chiemsee spontan eine Nacht verlängern wollte, sollte das Zimmer auf einmal 5 Euro mehr kosten, obwohl das Hotel nahezu leer war. An der Rezeption hieß es, die niedrigsten Preise könne es nur über das Online-Hotelportal HRS geben. Das sei vertraglich so geregelt.

Niedrigere Preise werden unterbunden

Nun hätte sich dieser Herr Mundt über die paar Euro mehr einfach ärgern und das nächste Mal seinen Urlaub woanders buchen können. Da aber Andreas Mundt Präsident des Bundeskartellamts ist, setzte er eine Abteilung darauf an, ob es sich dabei nicht um eine mögliche Wettbewerbswidrigkeit handelt. Seitdem hagelt es Abmahnungen gegen HRS, Booking.com und Expedia und wurden nach und nach Verfahren gegen die drei großen Buchungsportale eröffnet. HRS muss seit Jahren auf die Best-Preis-Klausel verzichten, Booking.com soll das auch, hat aber Berufung vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt, auch mit Expedia gibt es ein ewiges juristisches Hin und Her. Grundsätzlich heißt es: „Bestpreisklauseln sind nur auf den ersten Blick von Vorteil für die Verbraucher. Tatsächlich werden dadurch zulasten der Verbraucher niedrigere Preise schlicht unterbunden“, sagt Mundt, der das ja am eigenen Leib erfahren hat.

Das Preisdiktat ist eben nicht nur schlecht für Mitbewerber, die nicht unterbieten können, sondern für die Hotels selbst, die nicht flexibel reagieren und bei geringer Nachfrage eigenständig runtergehen können, weil ihnen das vertraglich verboten ist. Überhaupt zahlt der Verbraucher am Ende drauf, denn in den „Bestpreisen“ stecken ja auch die Provisionen für die Portale drin, die je nach Deal zwischen 15 und 25 Prozent betragen. Dadurch sind die Kosten von vornherein schon mal höher als sie es eigentlich sein müssten. Problematisch für die Hotels ist, dass sie heutzutage oft auf die Portale als Vermittler angewiesen sind. Und um in deren Trefferlisten weiter oben zu landen, müssen sie zusätzlich zahlen.

Stornierung leicht gemacht

Aus Sicht des Gastes muss aber nicht alles schlecht an den Deals zwischen den Portalen und den Hotels sein, gehören doch auch günstige Stornierungskonditionen dazu. Je nach Angebot ist es sogar möglich, ein Zimmer noch bis 18 Uhr am Anreisetag kostenlos zu canceln. Das muss man nicht gezielt ausnutzen, kann aber bei einem wirklich ernsten Verhinderungsgrund wie Krankheit oder Stress im Job sehr hilfreich sein. Und was den Bestpreis angeht: HRS, dem dies vom Bundeskartellamt als erstes verboten worden war, wirbt inzwischen mit den „Exklusivpreis Konditionen“, die mindestens 10 % günstiger als bei anderen internetbasierten Anbietern sind und verspricht, wenn dem nicht so ist, eine Erstattung von 20 Euro pro Nacht und Zimmer. Allerdings müssen dazu identische Konditionen im Umlauf sein, die sich schon durch einen Begrüßungssekt auf dem Zimmer unterscheiden können. So oder so empfiehlt es sich also, intensiv zu vergleichen – oder wie in der guten alten Zeit zum Hörer zu greifen und direkt Kontakt mit dem Hotel aufzunehmen.