Wegen Überfüllung geschlossen
Wir müssen draußen bleiben: Wenn Touristenattraktionen zu No-Go-Areas werden.

Wegen Überfüllung geschlossen

Was verboten ist, reizt am meisten. Das kennt wohl jeder aus seiner Kindheit. Wenn es sich um verbotene Orte handelt und diese auch noch besonders schön sind, steigert das die Lust, eine Reise dorthin zu unternehmen, ungemein. Das trieb in der Vergangenheit die Besucherzahlen mancherorts auf ein derart hohes Niveau, dass ein für Mensch und Natur erträgliches Maß überstiegen wurde und Städte und Regionen reagieren mussten. Andere Orte sind gar schon immer ein No-Go für Touristen – mitunter wohl aus diesem Grund. Hier haben wir ein paar der aufregenden Orte zusammengetragen.

Venedig

Eines der derzeit prominentesten Beispiele ist wohl Venedig. La Serenissima („Die Durchlauchtigste“) hat seit Jahren mit steigenden Besucherzahlen zu kämpfen. Das bereitete der Stadtverwaltung derartige Sorgen, dass in diesem Jahr am traditionell sehr beliebten 1.-Mai-Wochenende zum ersten Mal Drehkreuze und Zugangssperren installiert wurden. Bei zu großem Andrang durften nur noch Einwohner durch. Die Insel Poveglia in der Lagune von Venedig hingegen ist auch für Einwohner kein Thema. Die ehemalige Quarantäne-Station kann seit vielen Jahren nur noch von Booten aus besichtigt werden.

Maya Bay

Leonardo DiCaprio begab sich einst im Kinostreifen „The Beach“ an diesen Strand. Seither konnte sich das Idyll kaum mehr vor Besuchern – und Müll – retten. Anfang 2018 wurde der Strand der Insel Ko Phi Phi Leh für Touristen geschlossen. So soll das Korallensterben eingedämmt werden. Die Regenerationsphase währt allerdings nicht mehr lange. Bereits am 30. September soll der Strand wieder für Besucher geöffnet werden.

Höhle von Lascaux

In dieser Höhle im Südwesten Frankreichs fanden Forscher einst Felsmalereien, die zu den ältesten bekannten Kunstwerken der Menschheitsgeschichte zählen. Um diese zu schützen, wurde die Höhle 1963 für den Publikumsverkehr geschlossen. Damit Touristen trotzdem noch die Möglichkeit haben, die eindrucksvollen Malereien zu besichtigen, wurde mit Lascaux 2 im Jahr 1983 eine exakte Kopie der Höhle erstellt. Außerdem gibt es mit Lascaux 3 eine Wanderausstellung mit Repliken der Kunstwerke sowie mit dem 2016 eröffneten Lascaux 4 eine weitere Möglichkeit, Kopien der Kunstwerke in Augenschein zu nehmen.

Ni’ihau

Auf der „verbotenen Insel“ Ni’ihau, die zur Inselgruppe von Hawaii gehört, wohnen 160 Menschen, die auch heute noch ihre traditionelle Kultur leben und jeglichen Kontakt zur Außenwelt und technischen Hilfsmitteln ablehnen. Das ist möglich, da sich die Insel in Privatbesitz befindet und sich so von den touristisch erschlossenen anderen Inseln Hawaiis abhebt. Zwar kann man Kleingruppentouren an einen Strand der Insel buchen, jedoch für nicht mehr als 5 Personen. Das Landesinnere bleibt für Touristen allerdings auch dann noch tabu.

Kailash

Auf Pilgerpfaden umrundet wurde der tibetische Berg im Himalaya schon unzählige Male. Bestiegen hat das 6.714 Meter hohe Heiligtum für Buddhisten und Hindus offiziell allerdings noch niemand. Reinhold Messner wurde eine Besteigung 1985 zwar gestattet, er lehnte diese aber ab.

Das Sellajoch und Cinque Terre

Motorradfahrer lieben’s kurvig – vor allem auf der Straße. Ein Grund, warum der Alpenpass in den Dolomiten so beliebt unter Bikern ist. Um die Umwelt in der beliebten Urlaubsregion zu schützen, darf während der Sommermonate nur noch eine begrenzte Zahl an Autos und Motorrädern das Sellajoch zwischen Gröden bei Wolkenstein in Südtirol und dem Fassatal bei Canazei im Trentino befahren. Auch die Wanderpfade zwischen den malerischen Dörfern in Cinque Terre in Ligurien dürfen nur noch mit vorreserviertem Ticket begangen werden. Denn das Bild der farbenprächtigen Häuser an den Klippen über dem Meer wurde derart oft über Reisemagazine und soziale Medien verbreitet, dass allein in 2015 über zweieinhalb Millionen Menschen das Dorf besuchten.

Gönnen wir also der Welt eine kleine Verschnaufpause und bleiben beim nächsten Mal vielleicht einfach daheim. Da ist’s ja bekanntlich auch am schönsten. Wer noch ein paar gute Gründe für den Urlaub auf Balkonien braucht, findet sie hier. Andererseits ist unsere Welt jedoch viel zu schön, um nicht entdeckt zu werden, darum sollte man sie natürlich entdecken – und zwar am besten mit einem Bewusstsein für Land und Leute und guten, haltbaren Koffern.