Von der Holzklasse in die Business-Class
Darf's ein wenig mehr Komfort sein?

Von der Holzklasse in die Business-Class

Economy-Class zu fliegen ist auch nicht mehr das, was es einmal war: Um noch mehr Reisende in ein Flugzeug zu pferchen, gehen einige Airlines gerne dazu über, die Abstände zwischen den Sitzen und somit die Beinfreiheit noch weiter einzuschränken – was gerade für überdurchschnittlich große Menschen zum Problem wird. Alles halb so wild, wenn der Flug nur ein, zwei Stunden geht, denkt da jetzt sicher so mancher. Was aber, wenn nicht?

Business-Class fliegen, das wär’s! Die lockt mit vielen Annehmlichkeiten – und dazu gehört mehr als nur Beinfreiheit. Kostet dafür natürlich auch mehr. Es gibt aber auch Wege aufzusteigen, ohne mehr bezahlen zu müssen. Vielleicht hilft ja einer der folgenden Tipps dabei.

  • Reisen Sie alleine?
    Klingt logisch: Ein einzelner Platz ist schneller mal frei als eine ganze Sitzreihe. Wer alleine unterwegs ist, erhöht seine Chancen auf ein Upgrade ungemein. Eine Garantie ist das zwar nicht, aber fragen kostet ja bekanntlich nichts. Darum ruhig auch selbst am Schalter aktiv werden. Ein Trost für in der Gruppe Reisende: sollte man nicht in die höhere Klasse gesetzt werden, kann man sich wenigstens gegenseitig bemitleiden.
  • Fine Feathers make fine Birds
    Auch wenn’s in der Jogginghose viel bequemer ist: Kleider machen Leute. Darum kommt man auch nicht im jedem Outfit in die höhere Klasse. Man muss zwar nicht unbedingt im Frack erscheinen, aber ein Casual-Business-Dress macht schon mehr her als Flip-Flops und Bermuda-Shorts. Und auch wenn die Klamotten nicht gerade den meisten Komfort bieten, reist man dafür eventuell bald in gemütlicherer Umgebung.
  • Es muss nicht immer Kaviar sein
    Ein kostenloses Upgrade in die Business-Class ist zwar verlockend, wahrscheinlicher wird es aber, wenn man etwas tiefer stapelt. Einige Airlines wie Air France, British Airways oder Qantas bieten mittlerweile Premium-Economy-Plätze an. Sozusagen eine Klasse zwischen Economy- und Business-Class, in der man bei höflicher Nachfrage eher unterkommt als wenn man nur nach den begehrtesten Plätzen fragt. Hier werden einem zwar nicht alle Annehmlichkeiten der höchsten Klasse zuteil, dafür kann man sich über mehr Beinfreiheit, größere Bildschirme und ein erweitertes Speisen- und Getränkeangebot freuen.

  • Die Mär vom frühen Vogel
    An der Frage, ob man seine Chancen fürs Upgrade erhöht, wenn man als Erster beim Check-in steht oder das Feld doch lieber von hinten aufrollen sollte, scheiden sich die Reise-Geister. Viele glauben zwar, dass die guten Restplätze zuletzt vergeben werden, der Autor dieser Zeilen hat aber auch schon das Gegenteil erlebt. Den unumstößlich richtigen Zeitpunkt fürs Upgrade gibt es wohl eher nicht.
  • Bei Airlines richtig punkten
    Der wohl erfolgreichste Weg zum Upgrade ist mit Sicherheit der über die Bonus-Meilen-Programme der Fluggesellschaften. Die gibt es von fast jeder Airline selbst und über Vielfliegerprogramme wie Star Alliance oder One World, in denen sich mehrere Gesellschaften zusammengeschlossen haben. Wer hier ordentlich Meilen auf sein Konto packt, empfiehlt sich als Stammkunde ja geradezu für ein Upgrade. Dazu muss man nicht mal ständig fliegen: Bei Meilen-Programmen wie Miles & More bekommt man die Meilen auch wenn man Dienstleitungen von Partnern in Anspruch nimmt. Das kann die Buchung eines Hotelzimmers sein oder schlicht der Gang zur Tankstelle – was sich dann gerade für Gelegenheitsflieger anbietet. Auch über Kreditkarten von Airlines kann man schnell viele Punkte sammeln. Allerdings sollte man bei diesen Programmen immer nur auf eine Fluggesellschaft setzen, um dort so viele Meilen wie möglich zu sammeln – streuen bringt nichts.
  • Hier stimmt doch was nicht
    Zwar nicht die feine englische Art, aber wer sich wegen Defekten am zugeteilten Platz beschwert, bekommt häufig einen neuen Sitz zugeteilt. Und wenn nur noch welche in der Business-Class frei sind, landet man eben dort. Passende Kleidung und freundliches Nachfragen vorausgesetzt. Gründe können schon eine kaputte Kopfhörerbuchse oder ein nicht funktionierender Monitor sein – was aber bitte nicht als Aufruf zum Vandalismus zu verstehen ist. Übrigens: Schreiende Babys sind zwar keine Defekte, zählen aber auch zu den Gründen, aus welchen man nach einem anderen Platz fragen kann.
  • Alles auf Upgrade
    Eine gute Verhandlungsposition auf einen besseren Platz bringen überbuchte Flüge. Reisende, die auf ihren Platz verzichten und sich für einen späteren Flug entscheiden, werden oft mit einem Reisegutschein entschädigt. Wer bei einem solchen Angebot nicht sofort zuschlägt und taktiert, dass nochmals nachgefragt wird, kann dann oft mit einer höheren Wiedergutmachung und einem Upgrade rechnen – oder auch komplett leer ausgehen, falls sich jemand anders erbarmt. Nichts für schwache Nerven und darum auch eher eine Strategie für Zocker.
  • Selbst ist die Glücksfee
    Wem alle vorherigen Tipps zu theoretisch und zu sehr von der Gunst des Personals am Check-in abhängig sind, der muss selbst Fortuna spielen – und sein Portemonnaie öffnen. Fluggesellschaften sehen es natürlich nicht gern, wenn teure Business-Class-Plätze frei bleiben – sie gewinnen aber auch nichts, wenn die umsonst weitergegeben werden. Bei Plusgrade können Reisende deshalb ein Upgrade-Angebot für ihren nächsten Flug abgeben. Hier entscheidet man selbst, wie viel einem die großzügigere Beinfreiheit und der bessere Service wert sind. Ob die Airline den Zuschlag erteilt, erfährt man dann einige Tage vor Antritt der Reise – und auch hier können Bonus-Meilen manchmal das Zünglein an der Waage sein.

Und wie oft funktioniert das?

Wäre zwar interessant zu wissen, aber belastbare Zahlen, wie oft diese Tipps zu einem Upgrade verhelfen, gibt es leider nicht. Vielmehr ist man ein bisschen auf das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, angewiesen – oder muss eben das Angebot an die Airline passen. Dennoch: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt. Probieren kann man’s ja mal. Wir wünschen viel Glück.