Urlaub? Och nö!
An manchen Urlaubstagen der einzige Lichtblick: sonniges Reisegepäck (Trolley: Hardware).

Urlaub? Och nö!

Zur richtigen Zeit am falschen Ort

Traditionell ist das Thema Urlaub mit einer hingebungsvollen Lust am Verreisen verbunden, die übers Jahr gesehen den erheblichen Teil der zur Verfügung stehenden Freizeit beschlagnahmt. Schließlich müssen sich die mühsam erarbeiteten Tage oder Wochen maximal rentabel gestalten. Das bedeutet hohen planerischen Aufwand sowie exakte Vor- und zeitintensive Nachbereitung. Ob Pärchen- oder Familienurlaub: Die Jagd nach dem Preis-Leistungs-optimierten Angebot hat schon so manchen kuscheligen Sofaabend zerstört und in ansonsten harmonischen Familienstrukturen unsachliche Diskussionen entfacht. Denn so vereint alle im Bestreben sind, den Urlaub nicht in den eigenen vier Wänden zu verbringen, so sehr unterscheiden sie sich in der Definition der Umgebung, in der sie sich stattdessen zu erholen gedenken.

Auch das Arbeitsleben bleibt von der drohenden Vakanz nicht unbeeinträchtigt – muss doch, nachdem sich die potenziell gemeinsam Urlaubenden untereinander auf den Machbarkeitszeitraum geeinigt haben, die Terminierung im Kollegenkreis durchgesetzt werden. Harmoniesüchtige versuchen im Anschluss, das bis zum Tag X drohende Arbeitsvolumen prophylaktisch zu bewältigen und schlittern im Burnout-Modus in die Ferien. Hedonistischere Charaktere ignorieren die vorwurfsvollen Blicke der künftigen Vertretung und widmen sich hingebungsvoll Checklisten, die verhindern sollen, was nicht zu verhindern ist.

Urlaub_nein_2
Ans Meer oder in die Berge? Action oder Relaxen? Gemeinsamer Urlaub ist Stress. Schon im Vorfeld.

Denn ist die Stornierungsfrist verstrichen und der Abreisetag unwiderruflich angebrochen, stellt sich spätestens nach den ersten Kilometern heraus, an was man eben alles nicht gedacht hat. Der Unmut, der innerhalb der Reisegruppe aufkommt, verstärkt sich, wenn die nächstmögliche Gelegenheit genutzt wird, die fehlenden überlebensnotwendigen Dinge zu besorgen. Allerdings nur, weil noch nicht klar ist, welche Differenzen sich in den Folgetagen auftun. Dass die Anzahl der Trennungen und Scheidungen nach gemeinsamen Urlauben hochschnellt, wissen ja auch diejenigen, die unverdrossen jedes Jahr wieder zusammen verreisen – vermutlich jedes Mal mit neuen Partnern.

Urlaub_nein_3
Auf Autobahnen und Bundesstraßen: Standing Ovations fürs Daheimbleiben.

Verlaufen die Urlaubstage wider Erwarten harmonisch, ist entweder einer der Beteiligten heimlich unglücklich oder alle. So erschließt sich der – zugegebenermaßen nicht ganz neutralen – Betrachterin weder der Sinn eines penibel durchgetakteten Urlaubstages noch der des demonstrativen Nichtstuns an fremden Gewässern. Stress und ein schlechtes Gewissen sind auch zuhause machbar – mit deutlich klimaneutralerem Fußabdruck und ohne pseudo-korrekten Flugkilometer-Ablasshandel oder stehenden Ovationen auf der A8.

Und das kürzlich als wohlmeinenden Wink mit dem Drehkreuz erhaltene Präsent – ein hübscher, kleiner knallgelber Rollkoffer – lässt sich auch wunderbar auf innerstädtischen Shoppingtouren einsetzen. Oder bei einem Ausflug ins Day-Spa.