Tommy stay at home!
Zwei Geldbörsen, ein Motiv für gemeinsamen Urlaub: Oxmox für England, Golden Head für Deutschland

Tommy stay at home!

Reisen bildet nicht nur, sondern dient auch der Völkerverständigung. Wer je auf Mallorca einen Abend zwischen britischen Kampftrinkern verbracht hat, kann ein Lied davon singen. Und demnächst kann er noch das eine oder andere weitere Lied davon singen. Denn es ist so: Weil die sicheren Reiseziele rund ums Mittelmeer weniger geworden sind, wie hier zu lesen ist, wird es in manchen Ferienregionen gemütlicher, um nicht zu sagen enger. Jetzt ändert der Veranstalter Thomas Cook seine Strategie, damit die restlichen Betten besser ausgelastet sind. Heißt: Ab sofort teilen sich Deutsche und Briten dieselben Hotels, was man bislang aus unerklärlichen Gründen eher vermieden hat. Was Mallorca angeht: Der Ballermann war fest in deutscher Hand, die Briten tobten sich vermehrt in Magaluf aus. Nun also kann endlich gemeinsam gefeiert werden.

Wie erklärte das der Thomas-Cook-Chef Peter Frankhauser dem Wirtschaftsdienst Bloomberg? „Wir haben das Gerücht widerlegt, dass Deutsche nur mit Deutschen und Briten nur mit Briten zusammen sein wollen.“ Theoretisch zumindest. Basis für dieses neue Gerücht ist das Ergebnis einer Umfrage, die Thomas Cook in Auftrag gegeben hat. 18.000 Kunden in Großbritannien, Deutschland, Belgien und Skandinavien wurden befragt, 90 % davon gaben an, keine Probleme zu haben, mit anderen Nationalitäten Urlaub zu machen. Naja, die Russen hat mal wieder keiner gefragt.

Handtuchkrieg und Schlangenlinien am Büffet

Also keine Probleme mit käseweißen Deutschen, die morgens um sechs mit ihren Handtüchern die besten Liegeplätze am Pool reservieren. Und keine Probleme mit krebsroten Briten, die schon mittags so volltrunken sind, dass sie entgegen ihrer guten Erziehung am Büffet nicht mehr gerade Schlange stehen können.

So viel zu den Klischees und Vorurteilen, an denen natürlich weniger als gar nichts dran ist. Warum dann Thomas Cook darauf achten will, dass in einem Hotel keine Nationalität überwiegt und als Puffer noch ein paar freundliche Skandinavier dazu quartieren will, bleibt rätselhaft. Zumal – wer die Alkoholpreise in Skandinavien kennt, weiß, zu was all inclusive im Urlaub führen kann. Skål!

Sick holiday – eine miese Masche der Briten

Apropos Alkohol: „sick holidays“ ist ein berüchtigter Begriff mit speziellen Anbietern im Internet, die hohen Schadensersatz versprechen. Eine Lücke im britischen Verbraucherrecht erlaubt es nämlich, bis zu drei Jahre nach einer Reise zu behaupten, man sei im Hotel krank geworden. Natürlich nicht wegen einer Alkohol-, sondern zum Beispiel einer Fischvergiftung. 50 Millionen Euro gingen den Mallorquinern 2016 wegen Schadensersatzforderungen angeblich durch die Lappen. Um das zu kompensieren, könnten im Sinne der Völkerverständigung entweder die Preise für alle erhöht werden – oder man sperrt die Briten von der Lieblingsinsel der Deutschen aus, woran auch schon ernsthaft gedacht wurde. Vielleicht ist die Thomas-Cook-Strategie so zu verstehen, dass die Deutschen einfach nach und nach die Hotels der Briten erobern – und nicht umgekehrt.

Aber manche Probleme erledigen sich von selbst. Die Briten wollen bekanntlich den harten Brexit – können sie haben! Wenn wir uns an den „Daily Mirror“ erinnern, der zur Fußball-EM in England auf dem Titel Panzer auffahren ließ und schrieb „For you Fritz the Euro is over!“ – gewonnen haben das Halbfinale die Deutschen übrigens im Elfmeterschießen –, dann kann man in vielleicht zwei Jahren sagen: „For you Tommy the holidays are over!“ Zumindest die in der Europäischen Union. Aber in Großbritannien soll’s ja auch ganz schön sein und nie regnen – wenn es nebelig ist, um mal einen alten Asterix-Witz abzuwandeln.