Kommen bald Stehplätze im Flugzeug?
Sich die Beine in den Bauch stehen, muss man vielleicht auch bald auf Flugreisen.

Kommen bald Stehplätze im Flugzeug?

Wie schafft man es, noch mehr Menschen in ein einzelnes Flugzeug zu bekommen und dabei noch viel Geld zu sparen? Na klar, durch Stehplätze. Was sich über viele Jahre wie ein ganz schlechter Scherz anhörte, könnte sehr bald schon Realität für viele Flugreisende werden.

Der italienische Flugausstatter Aviointeriors stellte unlängst seine neuste Entwicklung namens „Skyrider 2.0“ vor. Dabei handelt es sich um Vorrichtungen, die auf den ersten Blick Flugzeugsitzen ziemlich ähnlich sehen, bei denen die Sitzfläche jedoch so abgeschrägt ist, dass man darauf nicht normal sitzen, sondern eben nur stehen kann (ein Bild vom „Skyrider 2.0“ gibt es hier).

Mehr Profit für Fluggesellschaften, weniger Komfort für Reisende

Besonders bequem sieht die Erfindung mit dem Sattel zwar nicht aus und auch ein ausklappbarer Tisch für jeden Passagier würde dann der Vergangenheit angehören, dafür dürfte die Neuerung viel Geld in die Kassen der Fluggesellschaften spülen – und genau darum geht es bei der Entwicklung ja schlussendlich. Laut Hersteller könnten so bis zu 20 Prozent mehr Passagiere mit einem einzigen Flug transportiert werden.

Dadurch würden sich die Kosten pro Flug für die Airlines selbstverständlich reduzieren – genau wie der Komfort für den Reisenden: Nur noch 58,4 Zentimeter Beinfreiheit bieten die „Skyrider 2.0“. Zum Vergleich: Bei Ryanair sind es bei einem Economy-Class-Flug derzeit 76,2 Zentimeter und 78,5 bei der Lufthansa. Somit dürfte eine zukünftige Flugreise noch näher an die Metapher von der Sardine in der Konservendose heranrücken. Ein Lichtblick: Immerhin wurden die Armlehnen bei dem System noch nicht wegrationalisiert.

Bald keine rechtlichen Hürden mehr für Stehplätze?

Ob Reisende von den sinkenden Preisen profitieren würden, ist noch nicht absehbar. Auch nicht die Umsetzung der Idee selbst, die davon noch etwas entfernt ist – wobei Stehplätze im Flugzeug beispielsweise in den USA nicht verboten wären.

Dem Geschäftsführer von Ryanair, Michael O’Leary, dürften die neuen Entwürfe gefallen: Er wollte bereits 2012 mit Stehplätzen im Flieger experimentieren. Und jetzt kommt’s: Diese hätten mit einfachen Haltegriffen, wie man sie beispielsweise in der Londoner U-Bahn findet, ausgestattet sein sollen. Eine Luftfahrtbehörde machte dem Versuch allerdings einen Strich durch die Rechnung und verbot den Test. Wie es mit dem „Skyrider 2.0“ aussieht, ist noch nicht bekannt. O’Leary dachte schon öfter öffentlichkeitswirksam über Einsparungen bei Ryanair nach. So hatte er vor einigen Jahren schon einmal die Idee vorgebracht, die Toilettennutzung auf Flügen kostenpflichtig zu machen. Ein guter Grund, immer etwas Kleingeld bei sich zu haben.

Stehplätze nur auf kurzen Flügen

Eingesetzt werden sollen die Platzsparer auch nur auf Kurzstrecken mit einer Flugzeit von bis zu zwei Stunden. Wer sich dann tatsächlich auf einen derartigen Flug begeben muss, kann sich ja wenigstens mit dem Gedanken trösten, dass bei Reisegepäck auch in Zukunft der zur Verfügung stehende Platz eher zunehmen (wie bei den Reisegepäckprofis von Hardware) als abnehmen wird – und das ist zum Glück kein schlechter Scherz.