So verreist es sich am schönsten
Gepäck schleppen ist auf jeder Reise nervig – aber mit einem praktischen und schönen Trolley viel erträglicher (Trolley: Hardware).

So verreist es sich am schönsten

Reisen kann man auf viele Arten: allein, im Kopf, mit der Familie oder in der Rentner-, pardon, Best-Ager-Truppe. Man kann spontan, kurz oder lang, im Vollsuff (ahoi, Mallorca-Bomber!) oder gaaanz nüchtern verreisen. Aber wie reist man am schönsten und am sichersten? Was das eine angeht, muss man eben doch der Statistik glauben, die man nicht selbst gefälscht hat und allen Panikattacken zum Trotz sagen: im Flieger. Laut Statistischem Bundesamt verunglückten innerhalb von vier Jahren auf einer Milliarde zurückgelegter Kilometer im Flugzeug 0,3 Menschen, im Zug 2,7 und im Auto 276. Umgerechnet könnte man 14.000 Jahre unfallfrei fliegen. Das kommt uns lange genug vor. Allerdings macht der Bahnlobbyverband Allianz pro Schiene eine eigene Rechnung auf, wonach die Eisenbahn „das sicherste Verkehrsmittel für die Alltagsmobilität“ sei. Und auch der Busverband hat jahrelang behauptet, dass man im Bus am sichersten unterwegs sei.

Aber jetzt lassen wir die kleinkrämerische Rechnerei mal sein und fragen lieber nach der schönsten Art des Reisens. Sich zum x-ten Mal von Stewardessen, die auch nicht mehr das sind, was sie mal waren, Schwimmwesten und Atemmasken vorführen lassen, die man sowieso nie braucht? Sich lauwarmen Lasagnepappe (manchmal gibt’s nicht mal die) und abgestandenen Tomatensaft (den man oft extra zahlen muss) über die schönen Ausgehklamotten kippen und vor lauter Bordverkaufblockade in den Gängen zwischen Abflug und Landung nicht auf die Toilette können? Eingeschlafene Füße bis zum Hals und ständig zu kalt oder zu heiß, wenn nicht sogar beides gleichzeitig?

Okay, das kann einem auch in diesen Fünf-Sterne-Reisebussen drohen. Und selbst die Klimaanlagen in den neuen ICEs bestehen nicht jeden Härtetest, aber – Achtung, festhalten! – wir lieben Zugreisen! Trotz allem, was wir hier noch gar nicht gesagt haben.

Also trotz der ewigen Verspätungen, die aber gefühlt überbewertet sind. Blickt man auf die Pünktlichkeitsentwicklung der Deutschen Bahn, so haben sich in 2017 die Pünktlichkeitswerte gegenüber dem Vorjahr zwar leicht verschlechtert (auch wegen G20-Gipfel, dem gesperrten Rheintalkorridor und Herbststürmen, heißt es), insgesamt waren aber im Personenverkehr zu 94,1 % der Züge so gut wie pünktlich, das heißt weniger als 6 Minuten im Nahverkehr und weniger als 16 Minuten im Fenrverkehr zu spät. Und wem das nicht hilft, dem hilft vielleicht der Verspätungsalarm aufs Handy, der zum Beispiel sagt: EC 114 nach Dortmund in Stuttgart ca. + 170, Grund: Notarzteinsatz am Gleis. Tolle Sache.

Wir lieben Zugreisen trotz Handyalarm und Kindergeschrei im Abteil, dafür gibt es ja ausgewiesene Ruhezonen – für Kinder ohne Handys. Und wir lieben Zugreisen trotz des dreimaligen Gepäckgeschleifs – bei einmaligem Umsteigen –, weil wir ja mit Trolley samt Anschlussgurt geradezu auf solche Last-Minute-Herausforderungen am Bahnsteig beziehungsweise Einstieg im falschen Zugende warten. Mit so einem Trolley zum Beispiel.

Vor allem aber lieben wir Zugreisen, weil wir stundenlang nicht wissen, wie wir der äußerst attraktiven Person drei Reihen weiter vorne am ungeschicktesten anrempeln sollen, um mit ihr ins Gespräch zu kommen: „Entschuldigen Sie, sind Sie immer so alleine unterwegs?“ Und weil wir ganz heimlich und spontan dort aussteigen können, wo auch sie aussteigt. Und weil wir das ja doch nicht machen, können wir uns wenigstens mit Aus-dem-Fenster-Gucken trösten, wo auf der Schnellbahntrasse gerade der vierte Tunnel in Folge zu sehen ist. Wir lieben Zugreisen, weil wir am Erlöschen des roten Lichts genau berechnen können, wie lange wir jetzt besser nicht auf die Toilette gehen. Und wir lieben Zugreisen wegen der schönen angelsächsischen Durchsoochen.

Unser größter Traum aber ist eine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn: in sieben Tagen von Moskau nach Peking – ohne Aufenthalt und nicht als dreiwöchige Erlebnisreise für Weicheier. Da gibt es sogar noch Raucherecken und vielleicht auch diese Ne-pas-se-pencher-au-dehors-Schilder, falls sich die Fenster öffnen lassen.

Ja, okay, Zugreisen war früher auch mal schöner – aber es ist heute immer noch schöner als Fliegen, manchmal.