So teuer können stornierte Reisen werden
Der Irrglaube, dass man bei abgesagten Reisen nichts zahlen muss, wenn man keine Leistung in Anspruch nimmt, kann ganz schön teuer werden.

So teuer können stornierte Reisen werden

Liegt es daran, dass man über Online-Buchungsportale oft bis 18 Uhr am Anreisetag kostenlos stornieren kann? Oder an dem Glauben, dass man doch eigentlich nichts zahlen muss, wenn man keine Leistung in Anspruch nimmt? Oder an dem Gefühl, dass man als Gast immer im Recht ist? Jedenfalls: Als Kunde hält man die Stornobedingungen bei Übernachtungen oder gar ganzen Reisepaketen für völlig überzogen. Denn meist werden kräftige Gebühren verlangt, wenn man ein Angebot nicht wahrnehmen kann. Leider zu recht.

Es gibt eine gesetzliche Regelung, in der es den Begriff „Stornierung“ zwar nicht gibt, aber die besagt, dass bei Hotel- oder Ferienhausbuchungen das Mietrecht anzuwenden sei. Damit ist man an einen Vertrag gebunden, der eine Reservierung verbindlich macht, egal ob sie nun schriftlich, per E-Mail, SMS oder mündlich erfolgte. Es kommt grundsätzlich ein sogenannter Hotelaufnahmevertrag oder Beherbergungsvertrag zustande. Demnach ist der Gast verpflichtet, die Übernachtungskosten zu zahlen – selbst wenn er nicht übernachtet.

Nun sind aber viele Hotels nicht so doof, ihre (potenziellen) Gäste abzuschrecken und kommen ihnen in ihren Vertragsbedingungen entgegen. Darin steht häufig, je zeitiger storniert wird, desto glimpflicher kommt der verhinderte Gast davon. Das können zum Beispiel vier Wochen vorher aber immer noch 50 % und zwei Wochen vorher schon 70 % des Preises sein. Je näher die Absage an den Übernachtungstermin rückt, desto teurer wird der nicht angetretene Spaß, meist sind es dann 80 bis 90 %, die als Stornokosten anfallen. 100 % des Zimmerpreises als Stornokosten sind aber zumindest bei Hotels nicht zulässig, wie Verbraucherschützer schon mehrere Ketten erfolgreich abgemahnt haben.

20 bis 40 % bleiben einem erspart

Die 10 bis 20 %, die man auch bei kurzfristiger (oder Nicht-)Absage nicht zahlen muss, werden in der Hotelbranche „ersparte Aufwendungen“ bezeichnet. Wenn das Zimmer also nicht gereinigt werden muss, kein Strom verbraucht und nichts verzehrt wird, kann man auch nichts dafür verlangen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband empfiehlt seinen Mitgliedern bei Übernachtungen mit Frühstück 20 %, mit Halbpension 30 % und bei Vollpension 40 % pauschal abzuziehen. Umgekehrt aus Gastperspektive heißt das also, dass man „nur“ 80, 70 oder 60 % des Preises zahlen muss. Die Gründe der Verhinderung interessieren den Gastgeber übrigens nicht. Wenn er sein Zimmer aber anderweitig los wird (zu besonderen Anstrengungen ist er allerdings nicht verpflichtet), dann muss der nicht Angereiste natürlich auch nichts zahlen. Aber aus der Ferne ist es nicht immer leicht zu verfolgen, ob das Zimmer nun leer bleibt oder nicht…

So versteht man auch den Sinn von Reiserücktrittsversicherungen, die umso sinnvoller sind, je größer die Reise ist. Allerdings ist man damit nicht immer auf der sicheren Seite – selbst wenn man die Reise aus gesundheitlichen Gründen nicht antreten kann. Die Empfehlung lautet: den Schadensfall so schnell wie möglich der Versicherung melden und lieber nicht bis zum bitteren Ende pokern. Zögert man zu lange mit der Stornierung und sagt erst kurz vor Reisebeginn ab, muss die Versicherung nur anteilig zahlen – die Höhe der Stornokosten, die bei Beginn der Erkrankung fällig gewesen wären. Und da die wie gesagt schnell und heftig steigen können …

Auf die Aussage des Arztes kommt es an

Konkret: Wenn der Arzt zum Abwarten rät, ist das gut für den Reisenden, der dann doch nicht reisen kann – aber auch kaum Storno zahlen muss. Wenn der Arzt aber umgekehrt bei der Diagnose nicht sagen kann, ob das überhaupt noch was wird mit der Reise, ist das schlecht, wie ein Urteil des Amtsgerichts Hamburg-St. Georg zeigt. Eine Frau hatte eine Schiffsreise für Mitte Oktober gebucht, Ende Juli ließ sich ihr Mann am Knöchel operieren, dann entzündete sich die Wunde. Nach einem Krankenhausaufenthalt schien sie besser zu heilen, es verschlimmerte sich aber wieder – und erst zwei Tage nach geplantem Reisebeginn wurde der Mann entlassen. Die Frau stornierte zwar zwei Wochen zuvor, hätte dies aber laut Gericht schon Anfang August tun müssen. Die Versicherung zahlte also nur den Anteil, der bei einer Stornierung bis Ende August angefallen wäre.

Aber noch mal kurz zurück zu Hotelzimmern: Da man mit der Reservierung einen Vertrag eingeht, ist auch der Gastgeber zu Schadenersatz verpflichtet, wenn er das Zimmer nicht zur Verfügung stellen kann; bei Überbuchung zum Beispiel. Mehr noch, muss er auch die Mehrkosten übernehmen – sei es für ein Upgrade oder fürs Taxi in ein anderes Hotel. Und natürlich kann der Gast seinen Vertrag vor Ort kündigen (oder später Mietminderungen fordern), wenn es zu Beeinträchtigungen oder gar Gesundheitsgefährdungen durch schlechte Beheizung oder Belüftung, Ungeziefer oder Schimmelbefall kommt. Mehr Gutes für den Gast können wir zum Thema Stornierung leider nicht sagen – außer immer genau danach zu schauen, auf was man sich eigentlich einlässt.