Shop­ping­mall Flughafen
Shopping am Flughafen? Gut, wenn im Koffer noch Platz ist! (Trolley: Hardware)

Shop­ping­mall Flughafen

In seinem „langen, dunklen Fünfuhrtee der Seele“ witzelte schon Douglas Adams: „Es ist kein Zufall, dass der Ausdruck ‚schön wie ein Flughafen‘ – in keiner bekannten Sprache vorkommt.“ Natürlich fand er auch ein paar Erklärungen dafür. Zum Beispiel sind die Menschen schlecht drauf, weil Gepäck verloren gegangen ist, während andere frustriert und orientierungslos auf der Suche nach ihrem Gate durch den Flughafen irren – von einem Wust an Schildern verwirrt, der einen überall hinleitet, nur nicht zum Ziel.

Was hätte er wohl zu den heutigen, modernen Shoppingwelten gesagt, neben denen sich aus Versehen noch Landebahnen befinden? Flughäfen wurden primär für den Zweck entworfen und gebaut, Menschen vom Taxi über den Check-In und das Gate in das richtige Flugzeug zu leiten, wie beispielsweise beim 1974 eröffneten Flughafen Berlin-Tegel mustergültig zu erleben ist.

Ganz anders gestaltet sich das bei modernen Flughäfen. Vom rein funktionalen Flugverkehrsknotenpunkt wuchsen diese – in der Vergangenheit zuerst um kleine Duty-free-Zonen erweitert – schnell an zu den heute riesigen Shoppingwelten mit praktischer Landebahn nebenan. Allein im noch nicht neueröffneten Hauptstadtflughafen sind mehr als 150 Geschäfte auf 20.000 Quadratmetern geplant. Fast die Hälfte dieser Fläche befindet sich zentral im Hauptterminal in der Sicherheitszone. Jeder abfliegende Passagier muss durch diesen Bereich. In Frankfurt sind es schon heute 300 Geschäfte und Gastronomiebetriebe, die auf 38.000 Quadratmetern an 365 Tagen den Flughafen zu einer kleinen, parallelen Innenstadt machen (Zum Vergleich: Berlins Shopping-Mall „Alexa“ und Stuttgarts „Milaneo“ haben jeweils 43.000 qm Verkaufsfläche verteilt auf mehrere Stockwerke).

Es gibt dort allerdings nicht, wie man erwarten mag, noch schnell die letzten Souvenirs für die Lieben daheim zu erwerben, sondern alles was der Geldbeutel hergibt und das Luxusherz begehrt. Denn die wichtigste Zielgruppe dieser Shoppingmeilen mit aeronautischer Verkehrsanbindung sind die finanzstarken Global Shopper aus China, Russland und dem arabischen Raum, die das Zeitfenster vor dem Abflug oder dem Umstieg für ein Luxus-Schnäppchen nutzen. Über zwei Drittel davon treffen mehr als zwei Stunden vorher am Flughafen ein, um noch schnell ein paar tausend Euro für exklusive Mode, Parfums, Schmuck, Uhren, Handtaschen und Schuhe auszugeben.

Während man als Gelegenheitsflieger im Urlaubsvorfreude-Feeling noch verzweifelt sein Gate sucht, weiß der Vielflieger aus Erfahrung: Rechts vorbei an den Parfumläden, dann scharflinks an der exklusiven Mode und den Schuhläden entlang und mitten durch die Uhren- und Handtaschengasse. Pardon, natürlich nur ein kleiner Jokus. Aber die vorgegebenen Laufwege durch die neuen Einkaufsterminals zum Gate sind tatsächlich durchkalkuliert bis ins letzte Detail. Und das zahlt sich aus. Die Kommerzialisierung der Konsumtempel mit Aeroplanzustieg führt dazu, dass einige davon inzwischen mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen aus Laden- und Mieteinnahmen erwirtschaften. Hinzu kommen als weitere Einkünfte noch Werbeeinnahmen aus Plakatwänden, Parkgebühren und natürlich Start- und Landegebühren.

Vielleicht sollte man häufiger den Koffer packen und mit dem Zug , Bus oder Auto verreisen. Einfach hinaus in die Welt. Denn um mit Douglas Adams zu schließen: „Ziellos zu reisen ist immer noch besser, als hier anzukommen.“