Reisepass weg! Und nun?
Am schönen Koffer von Hardware liegt's nicht, wenn der Frust groß ist.

Reisepass weg! Und nun?

Urlaub, die schönste Zeit des Jahres – aber nicht für alle. Denn immer wieder gibt es Urlauber, die enttäuscht die Heimreise antreten. Schlechtes Essen, unhygienische Zustände im Zimmer und unfreundliches Personal können Gründe dafür sein.

Was aber, wenn man gar nicht erst wieder nach Hause zu kommen droht? Wem seine Reisedokumente abhanden gekommen sind, hat am Flughafen wenig zu lachen. Aber: Erstmal Ruhe bewahren und sich dann mit klarem Kopf um das Projekt Heimkehr kümmern. Vorher muss man aber erst mal abreisen können.

Komm ich mit meinem Reisepass überhaupt noch weg?

Wenn das Reiseziel feststeht, sollte man einen kurzen Blick in die benötigten Reisedokumente werfen. Sind diese nicht mehr über die komplette Dauer gültig, wird es schwierig. Besonders bei ESTA-Verfahren, wie zur Einreise in die USA benötigt, schauen die Behörden ganz genau hin – und neue Dokumente zu beantragen, dauert seine Zeit. Also lieber zuerst checken, ob man überhaupt noch ausreisen kann.

Wurden Reisepass, Personalausweis oder Führerschein bereits einmal als gestohlen gemeldet (und sind anschließend wieder aufgetaucht), lohnt es sich bei der zuständigen Polizeibehörde nachzufragen, ob die Dokumente noch zur Fahndung ausgeschrieben sind. Ist dem nämlich so, gibt es bei der Passkontrolle am Zielflughafen ein böses Erwachen: Die Reisedokumente werden im Normalfall ersatzlos eingezogen und man muss sich selbstständig um Ersatz kümmern, um wieder nach Hause zu kommen.

Wie bereite ich mich am besten vor?

Egal, ob verloren oder eingezogen: Wer im Ausland nicht auf einmal „staatenlos“ dastehen möchte, sollte immer ein Ersatzdokument oder zumindest Kopien des Reisepasses oder Personalausweises bei sich haben. Manchem unerschrockenen Abenteurer mag das zwar etwas übervorsichtig erscheinen, jedoch erleichtert es den Behörden im Ausland die Arbeit ungemein, wenn sie wissen, wen sie da eigentlich vor sich haben.

Dass man diese Ersatzdokumente nicht im selben Gepäckstück wie den Reisepass lagert, versteht sich von selbst. Und auch seinen Pass kann man besonders schützen: Zwar kann ein Reisepassetui eventuell nicht verhindern, dass der Pass mal verloren geht, aber zumindest schirmt die Hülle gegen Beschädigungen ab – und bei besonders gesicherten Etuis sind die gespeicherten Daten auf dem Reisepass vor digitalen Langfingern geschützt.

Wurde man Opfer eines Diebstahls und der Pass geklaut, bitte immer zuerst den Weg zur nächstgelegenen Polizeistation suchen. Der Vorfall muss gemeldet werden, damit das Ausweisdokument zur Fahndung ausgeschrieben werden kann. Den offiziellen Verlustbericht, den die Beamten in jedem Fall aufsetzen sollten (notfalls nachfragen), braucht die Behörde, die den Ersatz für den Reisepass ausstellt.

Woher bekomme ich meinen Ersatzausweis?

Ist der Pass einmal weg, kommt man um einen Besuch bei der deutschen Vertretung im jeweiligen Land nicht herum. Wer darauf vorbereitet sein möchte, kann sich vor der Abreise sicherheitshalber die Adresse notieren – und Telefonnummern und E-Mail-Adressen ins Handy oder Smartphone speichern. Allerdings: Die Erreichbarkeit der Botschaft ist von Land zu Land verschieden. Wenn es schnell gehen muss, besser auf E-Mails verzichten und selbst bei der Niederlassung vorbeischauen. Dazu muss man allerdings das Glück haben, dass diese auch in der näheren Umgebung situiert ist.

In Hauptreiseländern ist dort normalerweise ein Bereitschaftsdienst im Einsatz. Aber auch in weniger bereisten Ländern lohnt sich ein Besuch. An den Gebäuden der Auslandsvertretungen können wichtige Telefonnummern der zuständigen Mitarbeiter stehen, die so schnell nicht im Internet zu finden sind. Die Adressen sämtlicher Vertretungen gibt es in der Liste der Auslandsvertretungen des Auswärtigen Amtes, inklusive Telefonnummern und E-Mailadressen. Wer einfach nur die Webseite einer bestimmten Botschaft sucht, sollte sich diese Aufstellung ansehen.

Die meisten konsularischen Vertretungen dürfen Ersatzdokumente ausstellen. Und auch hier gilt: Die Behörden können schneller und effektiver arbeiten, wenn sie Kopien der nicht mehr vorhandenen Ausweisdokumente zur Verfügung haben. Einen Fleißbonus heimsen die Pechvögel ein, die auf jeder Reise ein paar biometrische Passbilder dabei haben. Denn ohne die gibt es auch keinen Ersatz für den Reisepass.

Mit dem „Reiseausweis als Passersatz zur Rückkehr in die Bundesrepublik Deutschland“ steht der Ausreise nichts mehr im Wege. Wie der Name schon erahnen lässt, ist der Ersatz nur kurze Zeit gültig und nur für die Rückreise gedacht. Eine Weiterreise in andere Länder ist nicht drin. Hierfür müsste das Konsulat einen befristeten vorläufigen Reisepass ausstellen. Für den müsste man sich auf eine längere Wartezeit einstellen.

Kfz-Papiere, Führerschein und Personalausweis hingegen können nur auf Ämtern in der Heimat beantragt und ausgestellt werden. Hier muss man sich also auf den einen oder anderen Behördengang einstellen. Und wenn man erst mal wieder zu Hause ist, will man so schnell vielleicht auch gar nicht mehr weg. Denn zu Hause ist es ja bekanntlich noch immer am schönsten.