Raus aus den Bettenburgen – Urlaub bei Einheimischen
Raus aus den Bettenburgen und rein ins authentische Leben: Urlaub bei Insidern macht's möglich.

Raus aus den Bettenburgen – Urlaub bei Einheimischen

Was haben London, Barcelona und Paris gemeinsam? Richtig: viel Flair, viele Touristen und viele teure Hotelzimmer. Aber in die anonymen Bettenburgen will ja auch keiner mehr. Pauschaltourismus ist ohnehin öde. Heute gieren Reisende nach unvergesslichen Abenteuern, interkulturellen Erlebnissen und versteckten Insidertipps. In Städtereisen erprobte Globetrotter wissen nämlich genau, dass es die beste Paella nie an Hotspots, sondern nur in der verwinkeltesten Gasse der Stadt gibt.

Internetportale wie Airbnb, 9flats oder Wimdu wissen das für sich zu nutzen. Die Idee: bei Einheimischen übernachten – um so möglichst alles, was es in einer Stadt zu erleben gibt, auszukosten. Private Zimmer zu Spottpreisen – Lokalkolorit gibt’s als Bonus on top. Und das Geschäft boomt: der Branchenriese Airbnb bietet Übernachtungsmöglichkeiten in weltweit 81.000 Städten in mehr als 190 Ländern. Das spielt der konventionellen Tourismusbranche alles andere als in die Karten. Zudem bieten die Onlineportale etwas, was Hotels nicht bieten können: hohe Flexibilität und Zimmer an Orten, wo nie ein Hotel stehen wird.

Wohnungsnot und Instagram-Tourismus

Während abenteuerlustige Touristen ihre Instagram-Accounts mit ausgefallenen Urlaubsbildern versteckter Orte füttern, beobachten Stadtverwaltungen von Metropolen den Boom mit Sorge: Die Wohnungsnot greift um sich. Berlin begegnete der Zweckentfremdung von Wohnraum darum mit einer Genehmigungspflicht. Wer seine leerstehende Wohnung zur entgeltlichen Fremdenbeherbergung anbietet, wird vom zuständigen Bezirksamt zur Kasse gebeten – wenn er überhaupt eine Genehmigung erhält. Der Erfolg ist bisher mäßig, denn noch immer sind viele Airbnb-Wohnungen nicht als solche registriert. Ähnlich reagierten Städte wie Stuttgart, Freiburg oder Konstanz, um mehr bezahlbaren Wohnraum für Bürger zu sichern.

Wilde Partys, geheime Kameras und ungebetene Gäste

In gewissen Fällen müssen Stadtverwaltungen allerdings sicher gar nicht mehr aktiv werden: Einige Kunden der Onlineportale erlebten mehr Abenteuer, als es ihnen wahrscheinlich lieb war: So fanden Vermieter ihr Inventar nach zerstörerischen Partys schon in Trümmern wieder, oder Mieter wurden von versteckten Kameras heimlich gefilmt – und zogen anschließend vor Gericht. Besonders Gruseliges hörte man aus Frankreich: Hier fand eine Mieterin, die ein traditionelles Landhaus für ihre Geburtstagsparty angemietet hatte, eine verwesende Leiche im Garten des Vermieters.

Solche Vorfälle und der große Boom um die Anbieter rauben der eigentlich tollen Idee ein Stück weit ihre Hippness und ihren Charme. Die Early-Adopters haben ohnehin sicher schon neue Reiseideen gefunden – vielleicht Blind Booking? Airbnb-Mitbegründer und CTO Nathan Blecharczyk denkt deshalb schon mal weiter: aus der derzeitigen Zimmervermittlung sollen ganz persönliche und authentische Urlaubserlebnisse auch außerhalb der vier gemieteten Wände werden. Was das genau bedeutet, lässt er aber noch offen.

Für alle, die doch lieber ein preiswertes Hotel suchen: Einen Überblick über Hotelpreise gibt dieser Preisindex. Und wohin sich Städtetrips besonders lohnen, steht hier.