Mit dem Reisegepäck die Welt retten
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Mit dem Reisegepäck die Welt retten

„Und wohin geht’s bei dir dieses Jahr in den Urlaub?“ Die Frage, die beim gemütlichen Plausch wie eine harmlose Smalltalk-Floskel klingt, wird heuer schnell zur Debatte über No-go-Areas und politischen Aktivismus durch die Wahl des korrekten Reiseziels. Paris, Nizza, Brüssel, Berlin und die Türkei stehen wegen der Terrorgefahr noch schlechter im Kurs.

Bei Letzterer jedoch ist auch das Verhalten der Regierung ein viel diskutiertes Thema. Der einfache Gedanke der politischen Tourismusverweigerer dahinter: Durch den Verzicht dort hinzureisen, bricht der Tourismussektor wirtschaftlich ein. Durch weniger Steuereinnahmen wird genug Druck ausgeübt, damit das Volk jemanden anderen wählt bei der nächsten Wahl. Dann wird alles bestimmt anders und garantiert auch viel, viel besser. Wohin aber soll es dann gehen?

Egal ob Mailand oder Madrid – Hauptsache politisch korrekt verreist.

Natürlich, Ungarn steht ganz oben neben der Türkei auf der Liste der nicht mehr zu bereisenden Staaten, die durch den Boykott der Touristen Demokratie lernen sollen. Polen? Das gleiche Spiel, nur andere rechtskonservative Akteure. Und auch in Russland wird der Präsident vom Volk gewählt, der aktuell politisch korrekterweise so gar nicht geht. Außerdem haben die Russen sich die Krim einverleibt und führen Krieg in Syrien. Böse, böse, böse!

Also doch eher Westeuropa? Klar, die Niederlande und Dänemark fallen selbstverständlich als Hort erfolgreicher Rechtspopulisten weg. Spanien, Portugal und Italien hingegen sind total überlaufen und überrannt von den Ausweichtouristen.

Da ist man doch glatt reif für die Insel. Geht aber auch nicht, weil Brexit! Wenn die Briten weg wollen und nichts mehr mit uns zutun haben wollen, sollen sie doch. Püh! Dann schauen wir da aber auch nicht mehr vorbei.

Man spricht Deutsch

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ Also Schweiz, Österreich und Deutschland? Rechtsruck in Austria, Rechtsruck bei den Eidgenossen und zumindest in den neuen Bundesländern massiver Rechtsruck – dann will man doch lieber eine Fernreise.

Aber weil in den USA jetzt Trump an der Macht ist und China noch ein paar kleine Probleme mit der Einhaltung der Menschenrechte hat, fällt auch das Schweifen in die Ferne aus. Selbst bei exotischen Reisezielen wie Mexiko und Kolumbien lehnt der politisch korrekte Reisende ab: „Wegen der Drogenkartelle.“ Und solange das mit den Frauenrechten nicht besser wird, sind auch die Araber und Perser unbesuchbar.

Als politisch korrekteste Zuflucht bleibt Balkonien. Einzig die Familie muss geschlossen mitziehen – einfach mal die Welt retten und gemeinsam den Balkon bepflanzen. Wenn es da mal nicht zum Putsch kommt.