Luxuriös Reisen? Im Bus!
Ein Vorteil von Luxus-Busreisen: Man muss sich nicht von seinem Hardware Trolley trennen. (Foto: gbk – Gütegemeinschaft Buskomfort e.V.)

Luxuriös Reisen? Im Bus!

Mit 5 Sternen auf Achse zu sein, ist noch ein Insidertipp.

Um den auf Hochglanz polierten Bus zu besichtigen, warten rund 50 Menschen geduldig in der Schlange – trotz duftender Bratwürste und leckerer Kuchen an den Ständen drumherum. Die Schlange wächst und wächst. Nicht nur vor diesem Bus. Gleich fünf der schwarzen Riesen mit silbergrauer Beschriftung hat ein Busunternehmen an diesem Sonntag auf dem Marktplatz einer schwäbischen Kleinstadt aufgefahren.

Wie Bordbegleiter im Flugzeug tragen alle Mitarbeiter freundlich lächelnde Gesichter und eine geschniegelte Uniform, vom Fahrer bis zur Servicekraft. Die Jungs zieht es magnetisch auf den Fahrersitz in einem Cockpit voller Bildschirme und Schalter, das gesetztere Publikum tastet fast ehrfürchtig über breite Ledersitze, schreitet gedämpft über den dicken Teppichboden und hat kaum Zeit für einen Blick durch die getönten Panoramascheiben nach draußen. Stilles Gemurmel wie im Museum. Wer öfter reist, sitzt sofort selbstbewusst Probe, testet die Sitzverstellung, den Monitor fürs individuelle TV-Programm, USB-Anschluss und Steckdose. Kein Geschiebe auf dem Gang zwischen den Plätzen, denn eine Stuhlreihe fehlt, serienmäßig. 2 plus 1 Sitzreihen sind Standard in der Oberklasse, darüber ein vollverglastes Dach.

Nicht erst seit Billigangebote der Bahn Konkurrenz machen sollen, kämpft die Branche gegen ein schwaches Image. Busfahren war lange als Reisen zweiter Wahl abgestempelt. Doch einige Unternehmen sind das Risiko eingegangen, haben aufwändig investiert – und werden jetzt mit steigender Nachfrage und zufriedenen Kunden belohnt. Mehr als eine halbe Million Euro kostet ein Fahrzeug der höchsten Kategorie, rund 660 tragen in Deutschland das RAL-Siegel mit 4 oder 5 Sternen. Der TÜV-Süd überprüft jedes Model in Sachen Beinfreiheit, Liegeposition der Rückenlehne, Stauraum für das Handgepäck, Klimaanlage, Bordküche, Lautsprecher, Nachtbeleuchtung und viele Punkte mehr, selbstverständlich auch die Toilette, Sauberkeit und Sicherheit des Fahrzeugs. Ob ein Anbieter der Gütegemeinschaft Buskomfort e.V. angehört, lässt sich auf der Internetseite Buskomfort.de schnell überprüfen.

Platz da: Luxusbusse werden oftmals mit 2 + 1 Sitzreihen bestuhlt – so entsteht ein großzügiger Eindruck wie früher über den Wolken, vor der Billigflieger-Ära (Weekender: Leonhard Heyden).

Doch die Fahrzeuge sind nur die eine Seite. Die andere ist der angebotene Service. Der beginnt in der Regel an der Haustür. Die Reisenden werden samt Gepäck daheim abgeholt, die Wartezeit bis zur eigentlichen Abfahrt mit Getränken und Snacks verkürzt. Je nach gebuchtem Paket muss man sich um nichts selbst kümmern – außer darum, sich zu entspannen. Die größte Überraschung ist oft der Preis, denn schon ab 550 € kann man sich im Super Class Bus beispielsweise fünf Tage durch Norditalien kutschieren lassen; übernachtet wird im 4 Sterne-Hotel, die Reiseleitung ist immer mit an Bord.

Wie gut es sich im Bus aushalten lässt, zeigt die Statistik: Mehr als 14 Milliarden Euro Umsatz wurden im vergangenen Jahr gemacht, mehr als die Hälfte der Reisen (länger als fünf Tage) haben ins Ausland geführt. Eine Firma aus dem Breisgau hat die Fernreise bis auf die Spitze getrieben: Im 5-Sterne-Bus in neun Monaten durch 26 Länder! Diese einmalige Aktion hat nicht nur das Unternehmen in die Schlagzeilen gebracht, sondern auch andere von der Idee überzeugt, Busreisen spürbar aufzuwerten.

Soweit und solange wollen allerdings die wenigsten Besucher unterwegs sein, wenn sie den Bus nach der Besichtigung verlassen. Sie zieht es über den Marktplatz hin zum improvisierten Reisebüro. Und dort stellen sich wieder geduldig in eine lange Schlange.