Leere am Gepäckband – was tun, wenn der Koffer fehlt?
So kann sich das Warten am Gepäckband anfühlen – der Reisebegleiter von Leonhard Heyden diente glücklicherweise als Handgepäck.

Leere am Gepäckband – was tun, wenn der Koffer fehlt?

Es ist die Urangst eines jeden Reisenden: Nach langem Flug endlich glücklich gelandet, steht man am Gepäckband – und das dreht sich und dreht sich und dreht sich … Man wird immer einsamer, die meisten Passagiere sind mit ihrem Gepäck längst verschwunden. Irgendwann stoppt das Band, nichts geht mehr. Und wo verdammt noch mal ist der Koffer?!

Da ist es wenig tröstlich, dass sich laut SITA Baggage Report 2019 (Société Internationale de Télécommunication Aéronautic) im Kalenderjahr 2018 der Verlust von Reisegepäck weiter positiv entwickelt hat. Statistisch sind „nur“ 5,69 Gepäckstücke pro 1.000 Flugpassagiere verloren gegangen. Im Umkehrschluss wurden weltweit nach Schätzungen im Jahr 2018 aber auch 24,8 Millionen Gepäckstücke als vermisst gemeldet. Glaubt man der Statistik, stehen also nach einem durchschnittlichen Flug mit 200 Passagieren nach der Landung ein bis zwei Reisende ohne Koffer da. Davon fallen 5 Prozent der Gepäckstücke in die Rubrik verloren oder verschwunden, 18 Prozent wurden zerstört oder gestohlen, 77 Prozent kamen verspätet an.

Europa ist Spitzenreiter im Gepäck verlieren

Erstaunlich: In Europa sieht es besonders schlecht aus (7,29 Gepäckstücke pro 1.000 Passagiere), auf den Flughäfen in Asien (1,77 Gepäckstücke) und Nordamerika (2,85 Gepäckstücke) ist man offensichtlich besser organisiert. Trotz der schlechten Zahlen in Europa fielen die Flughäfen München, Zürich und Kopenhagen positiv bei ihrer Gepäckbilanz auf.

Besonders hoch ist das Risiko des Gepäckverlusts bei Umsteigeflügen und an großen, internationalen Flughäfen wie New York JFK, Paris CDG oder London Heathrow mit zahlreichen Weiterflügen. 2018 gehörte knapp die Hälfte aller fehlgeleiteten Gepäckstücke in die Kategorie Anschlussflüge. Gefolgt von Fehlern bei der Beladung (16 Prozent) und Verwechslungen am Gepäckschalter, fehlerhafter Ticketerstellung oder Ungereimtheiten bei der Sicherheitskontrolle (16 Prozent).

Erste Hilfe vom Reiseveranstalter

Geht das Reisegepäck auf dem Hinflug verloren, kann sich der Reisende in geringem Umfang das Notwendigste als Ersatz besorgen – etwa Zahnbürste oder Unterwäsche. Die Fluggesellschaften erstatten hier in der Regel den Aufwand, die Unterschiede bei dem, was entschädigt wird, sind allerdings groß. Manche Airlines übernehmen die Kosten für Toilettenartikel bis zu einem gewissen Betrag komplett – Textilien aber nur zur Hälfte. Andere Anbieter übernehmen beides komplett. Und wieder andere entschädigen pro Wartetag mit einem gewissen Betrag – oft um die 50 Euro.

Da der Vorschuss je nach Buchungsklasse zwischen 20 Euro und 200 Euro betragen kann, sind Urlauber gut beraten, nur das Wichtigste zu kaufen – und in jedem Fall die Rechnung aufzubewahren. Wird der Koffer noch am Anreisetag ins Quartier nachgeliefert, kann ein Notfalleinkauf nicht in Rechnung gestellt werden.

Was Pauschalurlauber erwarten dürfen

Bei Pauschalreisen steht dem Urlauber vom Reiseveranstalter zusätzlich pro Reisetag eine Minderung des Reisepreises zu. Es gibt hier keine genauen Zahlen. Verbraucherschützer halten jedoch bis zu 25 Prozent Preisminderung pro Tag für angemessen – da der Ärger bei fehlendem Gepäck den Wert der Reise doch erheblich einschränkt.

In der Regel muss ein Gepäckverlust innerhalb von 21 Tagen angezeigt werden. Beschädigungen müssen innerhalb von sieben Tagen schriftlich gemeldet werden, sonst verfällt der Anspruch auf Schadenersatz. Bei Gepäckverlust sollte man sofort zum Lost & Found-Schalter des Flughafens gehen und eine Suchanzeige aufgeben. Denn sobald man den Flughafen verlässt, liegt die Beweislast beim Passagier. Darum bei einer Anzeige unbedingt eine Kopie behalten, sonst fehlt der Nachweis. Pauschalreisende wenden sich am besten an den Reiseveranstalter.

Entschädigung gibt’s auch ohne Pauschalreise

Grundsätzlich gilt, dass bei Direktreisen die Fluggesellschaften zuständig sind. Kommt das Gepäck von Fluggästen ohne Pauschalreise am Zielflughafen verspätet, beschädigt, zerstört oder erst gar nicht an, haftet nach dem Montrealer Übereinkommen die Fluggesellschaft. Die Haftungshöchstgrenze für Reisegepäck beträgt dabei 1.131 Sonderziehungsrechte – das entspricht momentan etwas mehr als 1.300 Euro. Diese Summe gilt allerdings pro Person und nicht pro Gepäckstück – und nur in Ländern, in denen dem Montrealer Übereinkommen zugestimmt wurde. Dazu zählen unter anderen alle EU-Staaten, die USA und Japan.

Weitere Infos zur Preisminderung bei Reisemängeln hat der ADAC in seiner Reisepreisminderungstabelle zusammengestellt. Rund 1.300 Euro sind nicht viel! Man muss also immer überlegen, wie viel man in den Urlaub mitnehmen will. Bargeld, Dokumente, Schmuck oder andere Wertsachen werden nicht ersetzt und gehören deswegen ins Handgepäck. Ein paar Packtipps gibt es hier.

Das Risiko eines Gepäckverlustes minimieren

Auch wenn man auf gut Glück den Fluggesellschaften ausgeliefert ist, kann man doch etwas tun, um das Risiko eines Gepäckverlustes zumindest ein bisschen zu minimieren. Also: Beim Einchecken den Gepäckabschnitt kontrollieren. Ist der richtige Ziel- und Umsteigeflughafen angegeben? Gerade hier liegt eine der häufigsten Ursachen von Verwechslungen. Besonders wichtig ist der persönliche Kofferanhänger. Darauf sollte der Name, beim Hinflug die Zieladresse (Hotel, Unterkunft) und beim Rückflug die Heimatsadresse angegeben sein. Es ist auch sinnvoll, in einem gesonderten Schreiben zu notieren, wem der Koffer gehört und wo der Reisende wohnt. Dieser Zettel gehört in den Koffer und leistet große Hilfe, falls der außen angebrachten Anhänger einmal abgerissen ist.

Und noch etwas: Alte Banderolen können zu bösen Verwechslungen führen, also weg damit vor der nächsten Reise, sonst ist der Scanner wegen doppelter Angaben verwirrt und notiert „Ziel unbekannt“. Das führt in eine Sackgasse von schwierigen Ermittlungen.

Ein wenig ist es beim am Gepäckbandstehen wie beim Roulette. Es gibt immer Gewinner und Verlierer. Und sollt’ es mal rien ne va plus heißen, nicht verzagen. Denn es gibt immer jemanden, den es noch härter trifft – wie beispielsweise Frank Elstner. Dessen Koffer ging auf einem Flug innerhalb Deutschlands verloren – und das, obwohl der Moderator nicht einmal umsteigen musste. Er suchte Hilfe über den Twitterkanal der Fluggesellschaft und trat damit ungewollt eine Lawine an Tweets los. Eine Antwort darauf, wie dieser kuriose Vorfall passieren konnte und ob er seinen Koffer je wieder zurückerhalten hat, blieb die Airline schuldig. Wir drücken die Daumen!