Kontaktbörse Urlaubsstrand – Vorsicht bei Urlaubsflirts
Eine Tasche für alle Fälle. Von Leonhard Heyden.

Kontaktbörse Urlaubsstrand – Vorsicht bei Urlaubsflirts

Die „Bild“-Zeitung nimmt’s mal wieder ganz genau. „Fast jeder Zweite geht im Urlaub fremd!“, titelte sie 2013. Echt? Doch so viele? Nichts gegen einen kleinen Urlaubsflirt, aus dem in der Regel sowieso nichts wird, aber jeder Zweite geht bis zum Äußersten? Bei genauerer Betrachtung handelt es sich allerdings um eine Befragung von 6.400 Mitgliedern des Seitensprungportals firstaffair. Das ist ungefähr so, wie wenn man Vegetarier nach ihrer Ernährung im Urlaub befragen und dann sagen würde: Niemand isst im Urlaub Fleisch! Höchstens ein bisschen Fisch …

Naja, immerhin kann man so erfahren, wo denn die Chancen auf eine Urlaubsaffäre am größten sein sollen: in Spanien (23 %) und in der Karibik (15 %). Objekt der Begierde ist aber weniger der Skilehrer – nicht nur, weil es ihn in Spanien oder in der Karibik selten gibt, sondern auch weil Animateure oder Surflehrer gar nicht so sehr im Fokus stünden. Es sind vielmehr andere Urlauber: bei 53 % der Männer und 41 % der Frauen. Nur 11 % sollen Einheimische im Visier haben – wie sich dann die restlichen Prozente zusammensetzen, wissen wir nicht.

In Australien geht gar nichts

Kommen wir aber nun zu ernstzunehmenden Umfragen: 57 % der Frauen bevorzugen Einheimische und 41 % der Männer andere Urlauber – berichtete die „Neue Presse“ 2014 das Ergebnis einer Umfrage unter 2.000 Mitgliedern des Seitensprungportals firstaffair. Ja wie jetzt?! Ganz schön flatterhaft diese Erstaffärer! Egal. Jedenfalls am besten ginge was auf Mallorca (26 %), 11 % sind für Thailand, 9 % geben der Ostsee eine Chance, Australien nicht einmal 1 % – ist ja auch ganz schön weit weg für einen kleinen Seitensprung.

Okay, setzen wir noch einmal anders an: Am besten flirten lässt es sich in Italien (32 %), gefolgt von Spanien (27 %). Dann wird’s schon einstellig mit Frankreich (7 %), Griechenland (5 %) und Schweden (4 %). Ganz traurig sieht’s in Portugal, der Schweiz und Irland aus mit je nur 1 %. Das sagen jetzt allerdings nicht notorische Fremdgeher, sondern Leute, von denen 73 % noch nie eine Urlaubsromanze hatten. Das ist nämlich das Ergebnis einer Umfrage unter 1.900 Singles der Online-Partnervermittlung Parship.

Wir sehen: Solche Umfragen helfen nicht wirklich weiter. Nicht einmal die der Reisepreisvergleichssuchmaschine momondo. Demnach sind die Norweger (33 %) besonders heiß auf Urlaubsromanzen, gefolgt von Italienern (32 %) und Russen (31 %). Befragt wurden 12.000 Leute in 12 Ländern, aufgeteilt nach Geschlecht, Alter, Bildungsstand und Region – aber offensichtlich nicht Familienstand. Also verliebt, verlobt, verheiratet oder gar ledig?

15 % sind im Urlaub schon mal fremdgegangen

Back to reality: Seriöse Erhebungen, sofern es sie bei dieser Thematik überhaupt gibt, sagen, dass vielleicht 15 %, eher weniger, im Urlaub schon einmal fremdgegangen sind. Egal ob sie nun als Paar oder allein unterwegs waren. 50 % spielten nur mit dem Gedanken eines Seitensprungs – weil ohnehin jedes zweite Paar bereut, mit dem Partner weggefahren zu sein und jede dritte Scheidung nach dem Urlaub eingereicht wird. So stand es im Online-Portal t-online.

Manche Medien sind sich auch nicht zu doof, ernsthafte Flirttipps mit auf die Reise zu geben. Also etwa:

  • Ein paar Brocken in der Landessprache des Flirtpartners lernen
  • Sich spendabel zeigen
  • Immer schön langsam angehen lassen
  • Wenn’s doch schneller geht: Kondome benutzen
  • Geheimnisse bewahren (je nach Ernst der Lage Name, Telefonnummer, Heimatadresse für sich behalten)
  • Keine peinlichen Fotos machen
  • Kein Sex am Strand

Bloß kein Sex on the Beach

Ja, traurig, aber wahr: Sex on the Beach kann man zwar schön an der Hotelbar haben, wobei Pfirsichlikör nicht jedermanns Geschmack ist, aber ein- bis zweideutige sexuelle Handlungen am Strand sind nirgends besonders ratsam. Nicht einmal dort, wo es gar keine Strände gibt, denn das ist überall mindestens eine Erregung öffentlichen Ärgernisses, wenn nicht sogar richtig, richtig strafbar. Kann in Benidorm bis 75.000 Euro oder in Dänemark bis zu vier Jahre oder in Rumänien gar sieben Jahre Haft kosten. Was haben wir noch im Angebot? Frankreich bis zu 15.000 Euro und ein Jahr Haft, Griechenland bis zu zwei Jahre. Nur im kühlen Norwegen, Finnland und Kanada ist man cooler und spricht nur Verwarnungen aus. Aber wer hat bei dem Ganzjahrestemperaturdurchschnitt dort schon Lust auf Outdoor-Sex? Übrigens: Auch in Deutschland kann bis zu einem Jahr Knast drohen, wobei halt wie in vielen Ländern gilt: Es kommt so gut wie nie zu Verurteilungen, weil: Wo kein Richter, da kein Henker. Schrieb zumindest der halbwegs seriöse „Focus“.

Skilehrer selbst in der Türkei

Dort stand vor nicht allzu langer Zeit eine wohl gar nicht so untypische Geschichte, die auch zu dem Rat führt: keine Heiratsanträge annehmen. Da machte also eine Britin, 41, Urlaub in der Türkei und freute sich darüber, dass sich der neun Jahre jüngere Hotelmanager brennend für sie interessierte. Er wich ihr den Rest des Urlaubs nicht mehr von der Seite. Die Britin flog daraufhin regelmäßig in die Türkei, bekam nach einem Jahr einen Heiratsantrag, bis sie feststellte, dass sich der Hotelmanager in sozialen Netzwerken vermehrt mit Britinnen befreundete. Auf dem Tripadvisor-Portal schwärmten in den Erfahrungsberichten zum Hotel auch einige von ihrem Verlobten … bei dem es sich immer um diesen einen Hotelmanager handelte. Also auch nur so ein Skilehrer in der Türkei. Besonders peinlich war es für die Britin, ihre Familie über den Grund der Trennung zu unterrichten.

Man sieht: Die meisten Urlaubsromanzen sollte man besser nicht zu ernst nehmen und im Zweifelsfall lieber verschweigen. Nicht nur dem Partner.