Kommt ein Revival der Kofferaufkleber?
Braucht man oder eben auch nicht: Kofferaufkleber. Wichtiger ist immerhin das Reisegepäck selbst (Trolley: Hardware).

Kommt ein Revival der Kofferaufkleber?

Wann auch immer Menschen sich an einem Gepäckband eines Airports drängeln, um schnell, schnell ihre Koffer rauszufischen: einen mit Aufklebern, neudeutsch Stickern, wird man kaum in der kreisenden Masse der Gepäckstücke ausmachen. Kein Hinweis, nirgends, auf die Hot Spots, die schon bereist wurden. Keine Ansicht nobler Grand Hotels, keine verheißungsvollen Landschaftspanoramen. Warum eigentlich?

Früher war zwar nicht alles besser, aber doch vieles schöner, oder? Ihre besten Zeiten jedenfalls haben die Kofferaufkleber hinter sich. Als ihre Hochzeit gelten die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, die erste ernste Kofferaufkleberkrise kam dann in den 30er Jahren auf. Ihre ursprüngliche Funktion, im Hotelbetrieb die Gepäckstücke von Gästen unterscheidbar zu machen, hatten sie bereits im 19. Jahrhundert eingebüßt. Es blieb zunächst der fragwürdige Sinn einer weiteren Unterscheidung: „Ich“, signalisierte der Kofferbesitzer mit den vielen Kofferaufklebern, „ich war schon überall dort, wo du nicht warst.“ Oder noch besser bei Aufklebern wirklich erlesener Grand Hotels gekoppelt mit der gesteigerten Botschaft: „Und vor allem dort, wo du nie hinkommen wirst.“ Abgrenzung also, die dann mit dem Massentourismus auch nicht mehr so richtig gelingen wollte.

Auch im Hardrock Café gewesen?

Sicher wird man Kofferaufkleber, nachdem wohl bald die letzten Exemplare verschwunden sein werden, als besonders milde Form eines touristischen Posings in Erinnerung behalten. Und sie genau deswegen vielleicht auch mehr und mehr vermissen. Denn was sind schon ein paar kleine Sticker im Vergleich zu anderen Formen der globetrottenden Zurschaustellung? T-Shirts zum Beispiel mit Bekenntnissen zur heiß geliebten Urlaubsdestination, ob Bali oder Ballermann – Hauptsache Hardrock Café? Zweifellos sind diese Leibchen, die mit ihren Trägern durch die heiligen Stätten des Tourismus wandeln, eine viel größere Plage.

Ein anderes Mittel zur Selbstdarstellung und Behauptung sind heutzutage natürlich Selfies am Strand, in Restaurants und anderen places to be, die über die sozialen Netzwerke verbreitet werden mit der unmissverständlichen Botschaft: „Ätschbätsch! Ich bin hier und lass es mir aber mal so was von richtig gut gehen, derweil du Trottel daheim am Schreibtisch nach Luft schnappst.“

Mit All-inclusive-Bändchen zurück im Alltag

Auch wenn der Tourismus inzwischen demokratisiert ist und wahre Exklusivität nur noch selten zu finden ist: Es kann halt nicht jeder immer und überall sein, weswegen weiterhin regelmäßig Neidalarm ausgelöst wird. So wie anno dunnemals mit den Kofferaufklebern, die einfach mehr Stil hatten als mit rosafarbenen All-inclusive-Bändchen am Armgelenk durch den Alltag zu trotten. Deswegen: Her mit den neuen Kofferaufklebern! Manche schämen sich ja schließlich auch nicht, den Hintern ihres Autos mit einem Sylt- oder Bodensee-Bepper zu tätowieren.

Wem sein schicker Trolley dann aber doch zu schade ist, um ihn mit einer Jugendherberge-Wanne-Eickel-Kleber zu stigmatisieren, nur um eine Verwechslungsgefahr zu vermeiden: Es gibt inzwischen ja so viele frische Farben und Dessins, mit denen man ganz ohne weiteren Zierrat aus der Masse heraussticht. Have a look here! Und dann gute Reise, wohin auch immer.