Schmerz, lass nach – Erste Hilfe bei Sonnenbrand
Sollte sich ein Sonnenbrand abzeichnen, sofort raus aus der Sonne und viel trinken, kühlen und cremen.

Schmerz, lass nach – Erste Hilfe bei Sonnenbrand

Erster Tag im Urlaub. Das Warten auf Sonne, Strand und Meer ist geschafft. Jetzt steht der Erholung nichts mehr im Weg – es sei denn, man übertreibt’s mit dem Sonnenbad. Dann ist die Urlaubslaune nämlich ganz schnell dahin. Aber nicht nur die Sonne in wärmeren Gefilden ist tückisch. Einen Sonnenbrand kann man sich ganz leicht auch zu Hause holen – und das vergisst einem die Haut nicht. Wie man ihm am besten aus dem Weg geht und was man machen kann, wenn er zugeschlagen hat, steht hier.

Vorsorgen, aber wie?

Dem Dermatitis solaris, wie der Sonnenbrand im medizinischen Jargon heißt, kann man leicht vorbeugen. Regel Nummer Eins: nicht leichtsinnig werden – vor allem, wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist, denn die müssen besonders geschützt werden, aber dazu später mehr.

Haut, die jahrelang UV-Strahlen ausgesetzt ist, altert laut Experten schneller und bekommt häufiger Falten und Altersflecken. UV-Strahlen werden in A (die sind für die Falten zuständig), B und C eingeteilt. Die UV-B-Strahlen sind für verbrannte Hautstellen verantwortlich – vor ihnen gilt es sich zu schützen. Denn jeder Sonnenbrand wird im „Gedächtnis“ unserer Haut gespeichert und erhöht über die Jahre das Hautkrebsrisiko. Darum sollte man generell die Sonne meiden, wenn sie um die Mittagszeit im Zenit steht, und sich zwischen 12 Uhr und 17 Uhr im Schatten aufhalten – das ist aber noch kein Garant gegen Sonnenbrand, denn ungefähr 50 Prozent der Sonnenstrahlung erreichen uns auch dort. Darum wird man auch im Schatten knackig braun – zwar langsamer, dafür aber auch schonender. Ein bewölkter Himmel schützt übrigens auch nicht ausreichend. Eincremen, Sonnenbrille und Kopfbedeckung sind deshalb Pflicht.

Welche Sonnencreme verwendet werden sollte, hängt davon ab, wie schnell wir braun werden wollen und nicht zuletzt auch von unseren Hauttypen. Diese werden in sechs Kategorien unterteilt: Mit Hauttyp I (sehr helle Haut, oft mit Sommersprossen und hellblondem oder rötlichem Haar) sollte man sich ohne Sonnenschutz nicht länger als acht Minuten in der prallen Sonne aufhalten. Bei Hauttyp VI (dunkelbraune bis schwarze Hautfarbe, mit schwarzem Haar) sind es maximal 90 Minuten. Schutz braucht dennoch jeder Hauttyp. Hellhäutige Menschen sollten einen Sonnenschutzfaktor zwischen 30 und 50 wählen. Laut dieser Studie kann ein zu hoher Lichtschutzfaktor die natürliche Abwehrreaktion der Haut aber auch drosseln. Darum am besten vorher in der Apotheke beraten lassen, welcher Schutz für welche Haut am besten ist. Die Wahl des Faktors hängt auch von der Urlaubsregion ab. Grundsätzlich gilt: Je näher am Äquator, desto höher sollte der Sonnenschutzfaktor ausfallen. Sand und Wasser auf der Haut können den Sonnenschutz beeinträchtigen. Nach dem Sandburgenbau oder Schwimmen also unbedingt gründlich abreiben oder abtrocknen und erneut Creme auftragen.

Stellt sich nur die Frage, ob Spray oder Creme? Stiftung Warentest empfiehlt nach ihrem Test die klassische Sonnenmilch. Die vom Vorjahr kann man auch getrost mit in den Urlaub nehmen. Wichtig ist nur, dass das Verfallsdatum noch nicht überschritten und die Creme übers Jahr kühl gelagert wurde.

Bei Kindern gelten andere Regeln

Achtung: Mit Kleinkindern oder Babys, die einen Sonnenbrand erleiden, sofort einen Arzt aufsuchen. Für die Kleinen ist ein Sonnenbrand weitaus unangenehmer und kann schnell gefährlich werden. Darum immer darauf achten, dass sich Kinder nicht zu lange ungeschützt in der Sonne aufhalten, einen Sonnenhut tragen, immer genug trinken und ständig gut eingecremt sind. Sollten sie sich trotzdem einen Sonnenbrand holen, vorsichtig beim Kühlen sein, da Kinder schneller auskühlen als Erwachsene. Auf keinen Fall eigenmächtig zu Medikamenten greifen. Kinderärzte können die Situation besser bewerten und geben wertvolle Tipps.

Erste Hilfe im Notfall

Die ersten Symptome eines Sonnenbrands treten normal erst zwischen vier und acht Stunden nach dem Sonnenbad auf – und von da an geht’s erst richtig los. Sonnenbaden ist vorerst mal gestrichen. Die Haut braucht jetzt Zeit, um sich zu regenerieren. Dazu muss man sich zwar keinen Stubenarrest verordnen, aber die betroffenen Stellen auf jeden Fall abdecken. Die meiste Kleidung schirmt UV-Strahlen weitgehend ab. Die schlimmste Phase erreicht der Sonnenbrand erst nach 12 bis 36 Stunden. Bis dahin kann man aber einiges gegen das Spannen und Brennen der Haut unternehmen.

Ausreichend trinken ist sehr wichtig. Wasser, Saftschorlen oder isotonische Getränke geben dem Körper verlorene Flüssigkeit zurück. Eine erfrischende Dusche verschafft erste Linderung. Dabei mit lauwarmem Wasser beginnen und stufenweise kälter drehen – besonders, wenn der Körper von der Sonne noch aufgeheizt ist. Vorsicht ist vor allem bei Menschen mit Herz-und Kreislauferkrankungen geboten. Nach der Brause stellt sich die Frage, ob man auf spezielle Produkte aus der Apotheke zurückgreift oder ob mal lieber mit Hausmitteln arbeitet. Fangen wir mal mit Letzteren an.

  • Feuchte Leintücher auf der Haut beruhigen und kühlen. Joghurt auftragen lindert den Schmerz. Speisequark oder Topfen kühlt den Sonnenbrand, pflegt die Haut mit Milchfett und stabilisiert das Hautbild durch Milchsäuren. Quark und Joghurt immer mit Kompressen bedecken, um ein Antrocknen zu vermeiden. Sonst reagiert die Haut mit Reizungen. Nach etwa zehn Minuten mit lauwarmem Wasser abspülen.
  • Limetten- oder Zitronensaft erzielt den gleichen Effekt wie Joghurt und desinfiziert zusätzlich – ist allerdings nur für kleinere Hautpartien geeignet.
  • Apfelessig regeneriert den Säureschutzmantel der Haut – und lässt sich leicht mit einem Wattebausch auftragen. Achtung: Nie auf offenen Stellen verwenden.
  • Gereizte Haut kann mit in isotonischer Kochsalzlösung getränkten Tüchern behandelt werden. Das versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und Salz.
  • Falls zur Hand, die Haut mit einer Tinktur aus Eichenrinde bestreichen oder die Rötung mit fermentierten Grünteeblättern belegen. Das vermindert die Zellschädigung und lindert die Reizung durch Gerbstoffe.
  • Für unterwegs: 3-4 Tropfen Lavendelöl mit Mineralwasser mischen und in einen Zerstäuber füllen. Auf die Haut gesprayt wirkt die Mixtur antibakteriell und besänftigt die Haut.

Apotheken, Supermärkte oder Reformhäuser halten natürlich auch einige Produkte bereit, die bei Sonnenbrand helfen können. Wichtig ist, dass man bei Reparaturgels aus dem Kosmetikregal auf Details achtet.

  • After-Sun-Repair-Gels sollten kein oder wenig Fett, keine Duftzusätze, dafür aber viel Feuchtigkeit enthalten. Sind Produkte mit Aloe Vera angereichert, beschleunigt das die Regenration der Haut.
  • Gels mir Arnika fördern die Durchblutung und unterstützen eine rasche Wundheilung.
  • Erste Linderung verschaffen After-Sun-Lotionen, Zinköl oder Beinwell-Salben.
  • In der Apotheke erhält man kühlende Schaum- und Cremegels mit Hydrocortison, die schnell Erleichterung verschaffen.
  • Thermalsprays oder -gels reichern die Haut mit Spurenelementen und Mineralstoffen an und geben ihr so zurück, was die Sonne ihr genommen hat.

Einen Sonnenbrand auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen. Die Haut braucht bis zu sechs Wochen, um dieses Martyrium zu verkraften. Diese Zeit sollte man ihr auf jeden Fall geben – und natürlich auch die bestmögliche Unterstützung.

Mythen, die ganz schön schmerzhaft werden können

Es gibt noch immer viele Menschen, die vor ihrem Sommerurlaub ein Solarium besuchen, um sich eine Grundbräune zu holen. Die Zeit und das Geld kann man sich sparen. Der Eigenschutz der Haut wird durch Solarienbräune nicht gesteigert, da diese mit UV-A-Strahlen arbeiten. Diese lassen die Haut höchstens schneller altern. Die Bräune hilft nicht gegen die sonnenbrandverursachenden UV-B-Strahlen. Gleiches gilt für Selbstbräuner, denn diese Färben lediglich die oberen Hautschichten ein. Ein Schutz ist dadurch nicht gegeben.

Viel hilft viel – das gilt nicht beim Sonnenbaden. Wer sich extra dick mit Sonnencreme einschmiert, darf nicht davon ausgehen, dass er deshalb besser geschützt ist. Der Lichtschutzfaktor bleibt gleich und sollte alle zwei Stunden aufgefrischt werden – und nach dem Sonnenbad sollte die Haut mit After-Sun-Produkten behandelt werden. Denn wer meint, dass die lediglich aus Geldmacherei verkauft werden, liegt in diesem Punkt falsch. Die Haut verliert in der Sonne viel Feuchtigkeit. Diese gilt es zurückzugeben. Dennoch beachten: beim Sonnenbaden nicht übertreiben. Es gibt bisher keine fundierten Beweise, dass Sonnencreme vor Hautkrebs schützen kann.

Viele Menschen gehen auch davon aus, dass gerötete Haut später braun wird. Die roten Stellen sind nicht die Vorstufe zu einer goldenen Bräune, sondern eine Entzündung der Haut. Denn: Bedeutet Bräune, dass sich der Körper einen Schutz gegen die Sonne aufbaut, ist eine Rötung hingegen ein Zeichen für eine Schädigung der äußeren Hautzellen. Also raus aus der Sonne – am besten schon bevor eine Rötung auftritt.

Im Zweifelsfall einen Arzt aufsuchen

Sollten sich folgende Symptome einstellen, auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen:

  • starke Rötung und starke Schmerzen
  • Kopfschmerzen und ein steifer Nacken
  • Blasenbildung auf der Haut (Blasen nie eigenmächtig öffnen – Infektionsgefahr!)

Diese Anzeichen hingegen sprechen für einen Sonnenstich:

  • Übelkeit und Schüttelfrost
  • Schwindel und Orientierungslosigkeit
  • auch der Sonnenstich kann von Kopfschmerzen begleitet werden

Aber so weit muss es nicht kommen. Wer sich nicht übernimmt mit dem Sonnenbad, seinen Hauttyp kennt (und vor allem respektiert) und ein paar einfache Regeln befolgt, kann einem Sonnenbrand gut aus dem Weg gehen. Und es gibt ja sicher Schöneres, was man sich aus dem Urlaub mit nach Hause bringen kann.