Einmal Madeira und nicht mehr zurück
Der dritte Checkout im Hotel – mit einem Trolley von Hardware noch schöner!

Einmal Madeira und nicht mehr zurück

Blumeninsel, schwimmender Garten im Atlantik, Insel des ewigen Frühlings oder wie lieblich Madeira sonst noch genannt wird: stimmt ja auch. Aber eben nur auch. Denn wer mal dort gewesen ist und die von Rentnern und Briten, schlimmstenfalls von britischen Rentnern ausgetretenen Pfade in den botanischen Anlagen verlassen hat, der weiß: Dieses portugiesische Stückchen Erde kann auch ganz schön rau sein. Im Landes-, äh, Inselinneren mit seiner grünen Hölle, seinen Urwäldern, seinen Wasserfällen und bis zu 2000 Meter hohen Bergen.

Der höchste Wasserfall in Maderia, der Risco.

Auch nicht schlecht: Ganz im Nordwesten ziemlich genau auf der anderen Seite der putzigen Hauptstadt Funchal, in Porto Moniz, rollen die Atlantikbrecher dermaßen an Land beziehungsweise auf die Felsen, dass einem Hören und Sehen vergeht, so laut und windig ist es da.

Cristiano Ronaldo: einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt

Apropos Wind – den gibt es auch auf der Ostseite rund um Santa Cruz zur Genüge. Blöderweise liegt da der Flughafen. Der zählte mal zu den gefährlichsten der Welt, weil die Landebahn ursprünglich nur 1.600 Meter lang war. Inzwischen ist sie mit aufwendigen Stützbauten ins Meer auf 2.777 Meter verlängert – trotzdem ist der Aeroporto Internacional da Madeira Cristiano Ronaldo immer noch schwer zu bezwingen. Nicht, weil er seit kurzem nach dem gefährlichsten Fußballer benannt ist, den die Insel, Europa, die Welt und das ganze Universum je gesehen hat – in Funchal gibt es übrigens auch ein CR7-Museum. Nein, wegen der Winde halt. Und der strammen Rechtskurve vor der Steilküste bei unberechenbaren Scherwinden unmittelbar vor der Landung, die nur Piloten mit Sonderlizenz erlaubt ist.

Die Spannung steigt – bis der Flug gecancelt ist.

Delay, Delay, Delay … Cancelled!

Und so kam es, dass wir nach unserem jüngsten, aber nicht ersten und bestimmt auch nicht letzten Madeiraurlaub morgens um 10 Uhr im Bereich vor dem Boarding saßen. Die Stewardess stand schon am Schalter, und dann kam eine Ansage nach der anderen, in denen in verschiedenen Sprachen immer wieder das Wort „Delay“ in Kombination mit Tuifly, Easy Jet, TAP Portugal und noch einigen Fluggesellschaften mehr zu hören war. Das Problem: Es konnten keine Maschinen starten, weil wegen der Sturmböen keine Maschinen landen konnten. Es waren also keine Maschinen da. Die Verzögerungen verzögerten sich im Stundentakt bis zur nächsten Durchsage. Das heißt, weil so viele Flüge betroffen waren, handelte es sich um eine einzige Dauerdurchsage – bis irgendwann kaum noch einer zuhörte. Gegen 15 Uhr stand dann ganz ohne Durchsage nur ein stilles „Cancelled“ auf der Tafel.

Es sind noch wenige Betten frei

Nach mehreren Stunden des Zusammenfindens, Auseinandergehens, Wiederzusammenkommens, 7,50-Euro-Verzehrgutscheinbekommens, des Wiederauseinandergehens, Verzehrens und Sich-Wiedereinfindens, des 25-Meter-Busfahrens am Rande des Rollfelds zur benachbarten Halle und Dort-auf-das-Gepäck-Wartens, saß man dann gegen 18.30 Uhr auch schon wieder schön in Bussen, die alle Passagiere dieses Flugs (an die anderen wollen wir gar nicht erst denken) auf Glückshotels quer über die Insel verteilte.

Der zweite Versuch bringt auch nicht weiter

Am nächsten Morgen ging das Spiel von vorne los: Gepäck aufgeben, durch den Sicherheitscheck quälen, wieder im Boarding-Bereich sitzen, wo der Flug schon auf die Tafel gemeißelt war – und wieder Stunde um Stunde den „Delay“-Durchsagen lauschen. Nur dass der Flughafen nun noch voller war – logisch, es stauten sich ja immer mehr Hängengebliebene (insgesamt war es schon der dritte Problemtag), von denen höchstens die Hälfte einen Sitzplatz im Niemandsland bekam. Die anderen kauerten auf Treppen und Absätzen oder einfach nur auf dem Boden. Diesmal kam sogar eine „Cancelled“-Durchsage, allerdings erst um 16 Uhr. Dafür ging der Transport zum Gepäck und ins Hotel (nach 1.000 Meter Höhe am Vorabend nun wieder direkt ans Meer) etwas schneller, wenngleich auch diese Unterkunft nicht richtig informiert war, wie viele Personen wie viele Zimmer benötigten. Denn nicht immer geht die Rechnung 40 Leute = 20 Doppelzimmer auf. Beim dritten Anlauf hat es dann aber geklappt, auch wenn uns der Shuttlebus vergessen hatte und wir deswegen anderthalb Stunden zu spät im noch überfüllteren Flughafen zum dritten Mal die Check-in-und-Sicherheitsprozedur durchmachen mussten.

Und wer zahlt das alles?

Egal, die alles entscheidende Frage ist ja: Wer kommt dafür auf? Übernachtungen, Verpflegungen, Dienstausfälle etc. Schon beim ersten missglückten Versuch wurde uns ein blass kopierter Wisch ausgehändigt „Informationen für Fluggäste zur EU-Verordnung 261/2004“. Da steht kleingedruckt drauf, „die Verordnung gilt … blabla … oder aus einem Drittstaat … blabla … wenn Sie über eine bestätigte Buchung … blabla …“ Wer das weitere Blabla überspringt und schon unten bei „bis zu 1.500 km beträgt die Ausgleichsleistung 250€ – über 1.500 km beträgt sie 400 € … bei allen nicht unter a) oder b) fallenden Flügen beträgt sie 600 €“ liest, der freut sich zu früh. Denn weiter oben steht: „Sie haben keinen Anspruch auf die unten genannten Leistungen außer auf Betreuungsleistungen gemäß der EU-Verordnung, wenn das Vorkommnis auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen ist, die sich bei Ergreifen aller zumutbaren Maßnahmen nicht hätten vermeiden lassen. Beispielswiese bei schlechten Wetterbedingungen, politischer Instabilität, Nichterteilung von Start- und Landerechten.“ Gesundheitszustand und nicht ausreichende Pass- oder Visadokumente können übrigens auch Ausschlussgründe sein.

Blick von der zweithöchsten Klippe der Welt: Cabo Girao.

Andere hatten noch weniger Glück

Also: Vielen Dank für die Unterkunft und Verpflegung, liebe TUI. So haben wir noch mehr von der schönen Insel gehabt. Im Gegensatz zu den Passagieren der Maschine, mit der wir ursprünglich hätten starten sollen. Deren Flieger kreiste wohl anderthalb Stunden über dem Atlantik, versuchte zweimal zu landen – ehe der Kapitän die vorgelagerte Insel Porto Santo ansteuerte, wo die Unterkunftslage zu diesem Zeitpunkt wohl noch schlechter war. Am nächsten Morgen prüfte er die Wetterlage und entschied, gleich wieder nach Hause zu fliegen – mit all den Möchtegernurlaubern an Bord. Die hätten sich dann nur entscheiden müssen, ob sie nach zwei Tagen nochmals ihr Glück versuchen oder den Urlaub einfach Urlaub sein lassen. Keine Ahnung, was irgendeine Verordnung dazu sagt. Vermutlich Geld zurück und Pech gehabt.