Ein Muss auf Reisen

Ein Muss auf Reisen

Unterwegs müssen kann ziemlich aufwendig werden – vor allem, wenn man weiblich ist und eine kleine Phobie vor unerwünschten Mikroorganismen hat.

Wie also verschafft frau sich elegant und vor allem schadlos Erleichterung? Nach einer nahezu repräsentativen Befragung unter Kolleginnen, Freundinnen und anderen Expertinnen kristallisieren sich bei der öffentlichen Toilette sieben Grundtypen heraus.

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Die Auslegerin

Sie sichert sich vor dem Erobern ihrer Kabine einen Berg Papierhandtücher, mit denen sie sorgfältigst die komplette Toilettenbrille belegt (selbstverständlich großzügig überlappend). Nachteil: eine ziemliche Umweltsauerei – und irgendwie müssen die Tücher dann ja auch entsorgt werden (natürlich nicht in der Toilette selbst, sondern in einem Abfalleimer).

Die Schweberin

Sie vermeidet jeglichen Hautkontakt mit der suspekten Brille und erledigt ihre Notdurft frei schwebend mit hoher Muskelanspannung und einem schlechten Gewissen, seit ihr Gynäkologe ihr erläutert hat, dass in dieser Position eine komplette Blasenentleerung rein anatomisch nicht möglich ist – was wiederum der Entstehung von Bakterien Vorschub leistet, ganz ohne Fremdverschulden.

Das Vögelchen

Nackte Oberschenkel auf fremder Toilettenbrille – das ist nicht ihr Ding. Lieber zieht sie die Schuhe aus und stellt sich vorsichtig balancierend auf die Schüssel. Wie gut, dass sie nicht weiß, dass viele wandhängende Toiletten auf eine derartige Spitzenbelastung mit Hebelwirkung nicht ausgelegt sind und unter ungünstigen Umständen aus der Halterung brechen. (An dieser Stelle machen wir eine kurze Pause, damit Sie sich das dann anschließende Szenario in allen Einzelheiten ausmalen können …)

Die Selektiererin

Sie schließt von der Speisekarte eines Restaurants auf das Level seiner Toilettenräume – und erkauft sich den Zugang dazu mit einem Kaffee an der Bar. Zu erkennen ist sie daran, dass sie den Raum sofort nach dem erleichternden Schild abscannt und entweder kurz nach oder aber schon vor der Bestellung die entsprechende Richtung einschlägt. Schließlich war die Suche seeehr zeitintensiv.

Die Imitatorin

Sie ist im Besitz eines kleinen anatomischen Trichters, zumeist aus elastischem Kunststoff, der sie in die Lage versetzt, es dem männlichen Geschlecht gleichzutun und die Sache standhaft zu erledigen. Eigene Erfahrungen dazu liegen nicht vor, es scheint aber zu funktionieren. Skeptikerinnen empfiehlt der Hersteller, erste Versuche unter der eigenen Dusche zu starten – was allerdings nicht jedermanns Sache sein dürfte.

Die Expertin

Sie weiß: Die meistbenutzte Toilette in einer Reihe ist die zweite – und wählt daher konsequent die erste. Vor dem Schließen der Tür hat sie sich vergewissert, dass der Papiervorrat aufgefüllt und eine Möglichkeit, Tasche und ggf. Jacke aufzuhängen, gegeben ist. Ein Desinfektionsspray hat sie in der Tasche und lässt es vorschriftsmäßig einwirken. (Sofern die Dringlichkeit des Bedürfnisses es zulässt.) Eventuell hat sie sogar noch Zeit, die Brille abzuwischen, bevor sie sie in Beschlag nimmt. Andernfalls schwebt sie über den Dingen. Dafür hat sie ja schließlich im Fitnessstudio trainiert.

Die Unverfrorene

Unterwegs in der wilden Natur, sucht sie sich – entsprechende Vorwarnsysteme wie eine engagierte Begleitung vorausgesetzt – ein einsames, günstig gelegenes Plätzchen, das sie zuvor sorgfältig nach kleinerem und größerem Getier abgecheckt hat. Fast noch wichtiger jedoch ist die Nachpflege – mit dem Papier, das sie zuhause nicht mit dem … anschaut: Öko-Krepp, einlagig. Das verrottet diskret, liegt in jeder drittklassigen öffentlichen Toilette gratis aus und lässt sich vorsorglich in einem Briefumschlag mitführen. Aber Achtung: Wildpinkeln, wie der Vorgang im Amtsdeutsch heißt, ist eine Ordnungswidrigkeit und kann je nach Kommune zwischen 20 Euro (Berlin) und 5.000 Euro (Stuttgart) kosten.

Fazit: Daheim ist es halt am schönsten – und jede Unterwegs-Methode hat ihre Vor- und auch Nachteile. Da ist es vielleicht beruhigend zu wissen, dass das eigentlich Gefährliche an einer fremden Toilette nicht die Klobrille ist. Sondern der Wasserhahn. Und die Türklinke. Schließlich leben wir alle irgendwie von der Hand in den Mund.