Des Urlaubs fette Beute – das wird aus Hotelzimmern geklaut
In Reisegepäck von Hardware passt so einiges rein, um Diebesgut zu transportieren sollte man es dennoch nicht benutzen.

Des Urlaubs fette Beute – das wird aus Hotelzimmern geklaut

Hand aufs Herz: Irgendeine Kleinigkeit hat doch schon fast jeder mal aus dem Hotel mitgehen lassen. So einen Flachbildschirm oder eine Luxusmatratze zum Beispiel. Kein Witz – auch solche Gegenstände werden aus Hotels als, ähm, Souvenirs mitgenommen. Wie? Darüber rätseln auch die Hoteliers, die aber davon ausgehen, dass solche etwas unhandlichen Mitbringsel nachts über den Aufzug direkt in die Tiefgarage verfrachtet werden.

Am meisten geklaut werden aber Langweiler wie Handtücher und Bademäntel. Das hätte man sich denken können, aber man kann es jetzt auch wissen, denn das Bewertungsportal Wellness Heaven hat im Sommer 2016 eine Umfrage unter 937 Hoteliers ausgewertet, womit die Sache so gut wie repräsentativ ist. Die Liste der Schande, also den prozentualen Anteil an geklauten Gegenständen in Hotels, hätten wir hier.

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Richtig interessant wird’s ab Platz 7, denn noch einmal Hand aufs Herz: Nicht gebrauchte, ja sozusagen übriggebliebene Hygieneartikel hat doch schon fast jeder mal mitgehen lassen … ist aber strenggenommen Diebstahl, denn auch solche Kleinigkeiten gehören zur Hotelausstattung und sind zur Benutzung während des Aufenthalts vorgesehen. „Hoteldiebstahl ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine strafbare Handlung“, spricht der Sprecher des Hotelverbands Deutschland, Christopher Lück. Allerdings wird sie nur selten angezeigt, da sie schwer eindeutig nachweisbar ist – wegen Handtüchern hin und her zwischen Zimmer und Wellness-Bereich oder offenen Türen nach dem Auschecken zum Beispiel. Eher bekommt man mal einen Brief vom Hotel, dass man den Bademantel sicherlich irrtümlicherweise eingesteckt hat …

Je teurer das Hotel, desto gieriger die Gäste

Doch zurück zu Platz 7 des beliebtesten Diebesguts: Vielen ist es offenbar nicht zu doof, Batterien aus Fernbedienungen (die sind dann auf Platz 13 nach den Tablet PCs) zu entfernen und einzusacken. Gut, das dürfte immerhin etwas unauffälliger sein als Kunstwerke abzutransportieren. In der Umfrage unter den Hoteliers wurde übrigens auch zwischen 4-Sterne- und 5-Sterne-Häusern unterschieden mit dem Ergebnis: je teurer das Hotel, desto gieriger die Gäste. Der erwähnte Diebstahl von Kunstwerken – also Bilder und Statuen etwa – ist in 5-Sterne-Hotels 4,2-mal wahrscheinlicher. Während sich der normale Gast mit Handtüchern, Kleiderbügeln oder Besteck zufrieden gibt, greift der Luxusgast gerne zu Kaffeemaschinen (3,8-mal mehr), Matratzen (8,3-mal) oder TV-Geräten (9 mal).

Aber aus der Umfrage lässt sich noch mehr herauslesen, nämlich:

Nationale Vorlieben der diebischen Gäste

• Der durchschnittliche Deutsche begnügt sich mit Bademänteln, Handtüchern und Kosmetik.
• Der genießerische Österreicher bevorzugt Geschirr und Kaffeemaschinen.
• Veni, vino, vice: Der vinophile Italiener nimmt gerne Weingläser mit. Salute!
• Der wohlhabende Schweizer hat gern die Haare schön – und nimmt den Föhn.
• Der gemeine Franzose gibt sich nicht gern mit Kleinigkeiten ab. Er packt den Fernseher ein.
• Der pragmatische Holländer greift zu Glühbirnen und Klopapier – als Ausstattung für seinen Wohnwagen?

Und dann hätten wir da noch einige kuriose Einzelfälle beziehungsweise:

Die seltsamsten Diebstähle

• Ein Berliner Hotel berichtet von Armaturenschwund: Gestohlen wurden sämtliche Badarmaturen, der Kopf der Regendusche, eine Hydromassagedusche, der Toilettensitz, das Abflussrohr und das Waschbecken …
• Aus einem Hotel im Sauerland wurde das komplette Sound-Equipment aus dem Wellness-Bereich abmontiert.
• Auf handgemachte Musik stehen wohl Diebe in Italien: Dort haben drei Männer in Overalls das große Piano aus der Lobby abtransportiert.
• Gescheitert ist ein Gast in Frankreich bei seinem Versuch, einen ausgestopften Wildschweinkopf mitzunehmen. Freunde kauften die Trophäe dem Hotel ab und schenkten sie dem Souvenirjäger zur Hochzeit.
• Laut der „Economic Times“ ist man in Indien auch wenig bescheiden. Aus dem Ramada Powai Hotel in Mumbai nahm ein Gast ein Besteckset, vier Kissen und ein Ölgemälde mit. Dem Marriott Hotel fehlten nach einer Tagung zwei Wasserkocher, vier Bügeleisen und sechs Haartrockner.

So spaßig das alles klingen mag: Den Hotels entstehen Millionenschäden – und am Ende zahlen alle Gäste dafür. Eine weitere Konsequenz: Manche Hotels lassen die Minibars leer (auch da wird gewütet und beschissen) oder stellen keine Bademäntel mehr zur Verfügung. Der Ehrliche ist also wieder mal der Dumme, wie wir auch in einem Hotel an der Amalfiküste registrieren mussten. Die Frage an der Rezeption, ob man einen dieser hübschen kleinen Aschenbecher mit Hotellogo mitnehmen könnte, wurde mit „für 10 Euro ja“ beantwortet. Für ein Give-away, das weniger als ein Euro kostet. Das nächste Mal fragen wir nicht – und nehmen gleich die ganze Bar mit …