Das Revival der Bettwanzen
Werden schnell übersehen: Bettwanzen.

Das Revival der Bettwanzen

Eigentlich galten Bettwanzen als so gut wie ausgestorben. Doch die kleinen Biester haben sich als widerstandsfähig erwiesen. Seitdem bei uns Pestizide wie DDT – glücklicherweise – nicht mehr zum Einsatz kommen, sind sie wieder auf dem Vormarsch. Und das nicht nur in schäbigen Absteigen, sondern auch in vornehmen Hotels und privaten Haushalten. Gründe dafür sind die zunehmende Mobilität – sprich häufige Urlaubs- und Geschäftsreisen ebenso wie Migration aus fernen Regionen –, internationaler Warenverkehr oder der Kauf von gebrauchten Möbeln. Versuchen wir den Blutsaugern mal systematisch auf den Leib zu rücken.

Die gemeine Bettwanze ist hungrig zwischen 3,8 und 5,5 Millimeter lang, vollgesogen bis zu 9 Millimeter. Erster Hinweis auf den ungebetenen Gast sind Stichreihen, die auch jucken und quaddeln können.

Wie erkennen?

Bettwanzen sind ähnlich wie die eher harmlosen Kakerlaken scheue Gesellen. Man sieht sie also selten. Falls man doch mal ein Exemplar sichtet: Die Cimex lectularius hat einen rotbraunen, sehr flachen und ca. einen halben Zentimeter langen Körper, der nach der Mahlzeit deutlich größer wird. Die besteht aus Blut, und da die Viecher keinen Rüssel haben, stechen sie nicht, sondern sie beißen und saugen. Angezogen von Körperwärme, Geruch und Atem sind sie meist eine Stunde vor der Morgendämmerung unterwegs und können dann innerhalb von weniger als 15 Minuten das Vierfache ihres Körpergewichts zu sich nehmen.

Wie erkennen – wenn man sie nicht sieht?

Das Problem ist: Bettwanzen erkennt man meist erst, wenn es zu spät ist – wenn sie eine Spur auf dem menschlichen Körper hinterlassen haben. Da die dummen Dinger die Venen nicht auf Anhieb finden, machen sie mehrere Bissversuche. So entstehen in einer Reihe liegende rote Stellen, sogenannte Wanzenstraße, die jucken. Ähnliches kennt man von Flohbissen, die aber in der Regel noch mehr jucken und sich zu Papeln verdicken. Wenn aber keine Haustiere im Hotel oder Heim unterwegs sind, die Flöhe übertragen können, muss man davon ausgehen, dass es sich bei den Verursachern um Bettwanzen handelt.

Weitere Erkennungsmerkmale

Bettwanzen hinterlassen aber noch andere Spuren – nicht nur auf unserem Körper. Bei kleinen schwarzen Flecken unter der Matratze kann es sich um Kot handeln, und auf dem Leintuch sind hin und wieder sogar Blutspuren zu sehen. Oder abgestorbene Chitin-Hüllen. Ebenfalls typisch für Bettwanzen ist, dass sie einen unangenehmen süßlichen Geruch verbreiten.

Und wo stecken die Blutsauger nun?

Wie der Name schon sagt: gerne im Bett, also in einer geschützten Ritze oder Spalte zwischen Matratze und Gestell. Sie können sich aber auch hinter Tapeten und Fußleisten verkriechen, sich in Schränken, Elektrogeräten, Steckdosen, Büchern, CD-Hüllen verstecken – oder in Koffern, in denen man sie dann nach Hause schleppt.

Was kann man tun?

Jetzt mal eine gute Nachricht: Die Übertragung von Krankheiten konnte den Bettwanzen bisher nicht nachgewiesen werden. Trotzdem sind die juckenden Bisse unangenehm, und das bis zu zwei Wochen lang. Als Erstbehandlung auf Reisen empfiehlt sich ein altes Globetrottermittel: Seifenschaum auf die Stellen verteilen und eintrocknen lassen. Das lindert und desinfiziert. Weitere Hausmittel sind etwa Zitronensaft und Aloe-Vera-Gel. Professionelle Helfer aus der Apotheke sind Salben mit Antihistaminika, Cortison oder Hydrocortison. Auf jeden Fall gilt: Die juckenden Stellen nicht aufkratzen, weil sonst kleine Wunden entstehen, die sich entzünden können.

Und was tut man gegen die Wanzen?

Jetzt kommt die schlechte Nachricht: Eine Bekämpfung ist sehr schwierig, da die Biester ziemlich resistent geworden sind, ein halbes Jahr ohne Nahrung auskommen und sich innerhalb von zehn Wochen explosionsartig vermehren. Wenn man die Bettwanzen schon im Haus hat und nicht Teile der Einrichtung – vor allem das Bett – entsorgen will, muss der Kammerjäger her. Denn als wirksames Hausmittel hilft eigentlich nur Einfrieren. Aber da so eine Matratze nun mal nicht in jedes Gefrierfach passt …

Und auf Reisen beziehungsweise danach?

Natürlich erst mal das Zimmer, wenn nicht gar das Hotel wechseln – dazu mehr im letzten Punkt. Aber ein bisschen schützen kann man sich auch – im Vorfeld und im Nachhinein. Gebrauchte Wäsche, deren Geruch Wanzen anziehen kann, im Urlaub am besten in einen verschlossenen Plastiksack stecken. Bei mutmaßlichem Befall den Kofferinhalt aufs Laken leeren und gründlich untersuchen. Was auch immer geht, in Seifenwasser einweichen und bei mindestens 40° waschen. Oder luftdicht einpacken und – wenn irgendwie vorhanden – ins Gefrierfach stecken. Und damit man die Parasiten wirklich nicht zu Hause einschleppt, Koffer oder Trolleys luftdicht einpacken und ein paar Wochen stehen lassen. Dann auf ein altes Bettlaken legen und enthüllen – die hartnäckigen und hungrigen Bettwanzen werden sich dann schnell zeigen müssen.

Und wer kommt dafür auf?

Bettwanzen zählen nicht zum zumutbaren Reise- oder Lebensrisiko, wie sich manche Hotels aus der Affäre zu ziehen versuchen. Individualreisende sollten sich bei Verdacht sofort mit dem Haus in Verbindung setzen, Pauschalreisende mit dem Reiseveranstalter. Vor Ort muss unverzüglich Ersatz her, danach ist eine Reisepreisminderung nach der Frankfurter Tabelle von etwa 20 Prozent fällig. Schwieriger wird es, wenn man die Bettwanzen bei sich zu Hause eingeschleppt hat und beweisen muss, wo man sie her hat. Gelingt dies, so müssen Hotel oder Veranstalter für die Kammerjägerkosten aufkommen. Und die können mit der Chemiekeule bis zu 500 Euro und mit der Wärme- (Bude auf bis zu 55 Grad aufgeheizt) oder Kältebehandlung (CO2-Schnee bis zu -80 Grad) schon mal bis zu 1.500 Euro betragen.