Das hilft sofort bei Reisedurchfall
Passend kommt eine Diarrhö nie – besonders schlimm allerdings, wenn sie einen im Urlaub ereilt.

Das hilft sofort bei Reisedurchfall

Gerade erst ein paar Stunden am Urlaubsort – und schon beginnt es im Magen zu grummeln. Durchfall stellt sich meist schon ganz zu Beginn einer Urlaubsreise ein und versaut einem nicht selten den kompletten Urlaub – im wahrsten Sinne des Wortes. Durch welche Krankheitskeime die Beschwerden hervorgerufen werden, kann von Land zu Land variieren. Meist sind es Bakterien, Salmonellen oder Shigellen, in schlimmeren Fällen auch Noroviren. Oft behagen uns aber auch die fremden Gewürze, der Schärfegrad der Gerichte oder die ungewohnte Zubereitung (beispielsweise bei kalt gereichten Speisen) nicht.

Gibt es nur vorübergehend ein paar Komplikationen, kann man schnell wieder Entwarnung geben. Meist gewöhnt sich unsere Darmflora einfach etwas langsamer an neue Gegebenheiten. Oder sie kommt aufgrund der Reisestrapazen durcheinander. Darum an Reisetagen nicht absichtlich weniger trinken oder essen. Man könnte es bereuen, wenn jetzt auch noch der Biorhythmus durcheinander kommt. Erwischt uns eine richtige Reisediarrhö, sieht die Sache etwas kritischer aus. Die Folgen: Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und ein breiiger bis flüssiger Stuhlgang, bei normalem Reisedurchfall für drei bis maximal fünf Tage. Und mit der ständigen Unsicherheit und dem unguten Gefühl im Bauch vergeht einem schnell die Lust auf Urlaubsaktivitäten. Man muss sich dem Durchfall aber nicht geschlagen geben.

Wo man den „Delhi Belly“ besonders häufig bekommt

Hochrisikogebiete für eine Infektion sind vor allem in Afrika, Lateinamerika, Asien und Südostasien – besonders in unmittelbarer Nähe zum Äquator. Dort klagt rund die Hälfte der Urlauber über Durchfall während der Reise, in Ägypten trifft es sogar bis zu 90 Prozent.

Verursacher ist häufig verunreinigtes Trinkwasser. Darum sollte man als Touri in diesen Ländern auch von Leitungs- auf Flaschenwasser umsteigen. Allerdings können auch Eiswürfel, Salatsoßen, Speiseeis, ungeschältes Obst oder rohes Gemüse die Auslöser einer Diarrhö sein. Hier gilt der Merksatz: „Boil it, cook it, peel it or forget it!“ – Lebensmittel also entweder abkochen oder schälen. Aber beim Schälen aufpassen, dass die Keime nicht von den Händen ins Innere gelangen. Ist beides nicht möglich, lieber die Finger davon lassen.

Das gilt es zu beachten

Bei einem normalen Reisedurchfall sind drei bis fünf Toilettengänge am Tag normal. Hat es einen mal erwischt, ist man mit einer guten Reiseapotheke im Kulturbeutel gut beraten. Hierzu zählen die gängigen Mittel aus der Apotheke. Vom Redaktionsteam getestet und für hilfreich befunden ist ein pflanzliches Mittel aus Myrrhe, Kaffeekohle und Kamille, das beruhigend wirkt und Gifte bindet. Auch homöopatische Zubereitungen können helfen (zum Beispiel dieses hier als Tabletten oder in flüssiger Verdünnung). Um den Stuhl wieder zu festigen und die Krankheitserreger auszuscheiden, können Erwachsene auch drei bis viermal täglich zwei bis vier Kohletabletten in Wasser aufgelöst, zerstoßen oder einfach in fester Form einnehmen. Keine Sorge, wenn sich dabei der Stuhl schwarz färbt. Das ist ganz normal. Trotzdem nicht vergessen, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Durchfall kann sonst zu Dehydrierung führen. Gezuckerte Tees (am besten schwarzen) oder Elektrolytlösungen aus der Apotheke eignen sich hier hervorragend.

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Wer auch auf Tagesausflügen sichergehen möchte, kann sich eine praktische Pillendose zulegen. Und apropos Pille: Wer die zur Verhütung einsetzt, sollte ganz besonders aufpassen. Viele Präparate wirken bei einer Diarrhö nicht mehr zuverlässig – und dann passiert es schnell, dass man sich mehr als nur Souvenirs aus dem Urlaub mit nach Hause bringt.

In der Not …

… frisst der Teufel Fliegen – und der Reisekranke Espressopulver. Ja, richtig gehört. Kaffeekohle wird vor allem zur Behandlung von Reizdarmerkrankungen eingesetzt. Hat man das nicht zur Hand, kann ein Löffel trockenes Espressopulver bei akutem Durchfall helfen – das sollte allerdings sehr fein gemahlen und sehr dunkel sein. Das Pulver bindet durch seine große Oberfläche Toxine, organische Verbindungen und Gärungsprodukte, nimmt sie auf und hilft sie auszuscheiden. Das gilt auch für Durchfall verursachende Keime. Außerdem ziehen sich die äußeren Schleimhautschichten zusammen und bilden so eine Art Schutzfilm. Das vermindert die Flüssigkeitsbildung im Darm. Koffein-empfindliche Personen sollten hier jedoch vorsichtig sein.

Es gibt aber noch einige andere Hausmittelchen, die sich in fast jedem Supermarkt oder jeder Hotelküche finden lassen. Fein geriebene Äpfel und Karotten im Mix helfen, Flüssigkeit im Darm zu binden. Am besten lässt man den Brei etwas braun werden, denn das setzt die enthaltenen Pektine optimal frei. Wer keine Reibe zur Hand hat, sollte den Apfel zur Not sehr gründlich zerkauen. Auch Bananen können mit ihrem hohen Pektin-Gehalt helfen – am besten püriert oder mit einer Gabel zerdrückt essen. Der Flüssigkeitsverlust kann durch Heilerde eingedämmt werden. Zweimal täglich ein bis zwei Teelöffel in einem Glas Wasser auflösen (ca. 0,3 Liter) und in kleinen Schlucken rund eine Stunde vor der nächsten Mahlzeit einnehmen.

Die verlorenen Elektrolyte lassen sich mit salzigem, lauwarmen Reis oder einer lauwarmen Boullion wieder auffüllen. Deutet sich eine erste Besserung an, ist auch Zwieback erlaubt. Der ist arm an Fett und sehr bekömmlich. In Verbindung mit Kamillentee beruhigt das den Magen und hilft dem Körper, wieder auf Normalniveau zu kommen.

Von Cola und Salzstangen sollte man allerdings die Finger lassen. Die heilende Wirkung bei Durchfall ist nämlich schlicht und ergreifend ein Ammenmärchen. Da wir bei Erbrechen und Durchfall ohnehin schon viel Flüssigkeit, Salz und wichtige Nährstoffe wie Kalium verlieren, wirkt die Einnahme der Limonade kontraproduktiv. Das Koffein wirkt abführend und der extrem hohe Zuckergehalt lässt die Nieren zusätzlich mehr Wasser ausscheiden. Und neben dem Zucker der Limonade nimmt man durch Salzstangen zusätzlich noch unkontrolliert viel Salz zu sich. Also keine Hilfe für den ohnehin schon beanspruchten Körper. Auch scharfe, fettige oder milchhaltige Speisen sollten vorerst komplett gemieden werden.

Wenn gar nichts mehr hilft

Sollten sich Toilettengänge häufen, Fieber und Schmerzen auftreten oder sich Blut und Schleim im Stuhl befinden, hilft nur noch ein Arztbesuch – und den am besten nicht zu lange vor sich herschieben. Für Babys, Kleinkinder, Ältere, Schwangere, chronisch Kranke und Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen, gilt das allerdings nicht. Hier sofort einen Arzt aufsuchen. Wer nach der Reise noch Probleme hat, sollte je nach Urlaubsland den Rat eines Mediziners einholen, der sich mit Tropenkrankheiten auskennt. Den kann man übrigens auch schon vor der Reise aufsuchen, wenn man weiß, dass man in Gebiete mit schlechten Hygienestandards reist. Er weiß, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen und ob es sich empfiehlt, eine Impfung vorzunehmen.

Sonne, Land, Kultur und Menschen lassen sich ja bekanntlich ohne Magenverstimmung viel besser genießen. Wenn es einen doch mal treffen sollte, gibt’s hier noch ein paar Tipps zur Präparierung öffentlicher Toiletten. Und wer exotischen Ländern und Speisen lieber komplett aus dem Weg geht, kann ja mal hier reinschauen.