Andere Länder, komplizierte Sitten?
In der ganzen Welt stilsischer zu Gast? Bei Business-Terminen eine besondere Herausforderung.

Andere Länder, komplizierte Sitten?

Wie man sich mit einem falschen Fingerzeig in fernen Landen eine Menge Unmut und Ärger einhandeln kann, haben wir bereits in unserem ersten Teil geklärt. Doch es bieten sich im Rahmen interkulturellen Austausches noch wesentlich mehr Quellen für den gepflegten Fauxpas, über die hier – im Sinne der Völkerverständigung – aufgeklärt werden soll.

Lasst Blumen sprechen

In den Niederlanden freut man sich – trotz der vielen Tulpen überall – ebenso wie bei uns über Blumen als Gastgeschenk. Doch sollte man dort das Papier nicht vor der Übergabe entfernen. Das zeigt, dass man sich nicht an der großen Auswahl am Wegesrand bedient, sondern den Strauß gekauft hat.

Die Russen schätzen ebenso floristische Geschenke. Allerdings die Blümchen bitte in ungerader Anzahl und nicht in Gelb, da dies für Abschied/Trennung steht und nur im Trauerfall überreicht werden sollte. In Brasilien ist aus demselben Grund die Farbe Lila im Bukett zu vermeiden und in Spanien auf Chrysanthemen zu verzichten. Komplett von Blumen ablassen sollte man in China. Sie gelten dort als Unglücksbotschaft und somit als Beleidigung.

Wo man isst und businesst

Auch bei Geschäftsessen in der Fremde gibt es so einiges zu beachten. Gerne werden Martin Luther die Worte: „Warum rülpset und furzet Ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket?“ in den Mund gelegt. Während jedoch in unseren Breitengraden die Körpergeräusche beim Essen inzwischen vom Tisch verbannt wurden, gehört lautes Schlürfen bei den Chinesen noch absolut zum Essen dazu, als Zeichen, dass es schmeckt.

Vorsicht indes beim Reis: Die Stäbchen nicht senkrecht hineinstecken, das symbolisiert den Tod – ebenso in Japan. Dort gilt zudem im traditionellen Restaurant: Schuhe aus! Darum sollte man auf die richtige Wahl der Socken (ohne Löcher …) und Schuhe (atmungsaktiv …) achten: Fußgeruch beim Essen ist ein schwerer Fauxpas.

Wesentlich legerer geht es in den USA zu. Dort gelten zwar auch spezielle Tischmanieren – Fisch und Fleisch werden erst in mundgerechte Happen geschnitten und dann mit der Gabel in der rechten Hand nach und nach gegessen, während die Linke im Schoß unterm Tisch verweilt –, es ist allerdings völlig akzeptabel, die eigenen Tischsitten beizubehalten. Jedoch wird auch erwartet, dass man als Deutscher seine Pünktlichkeit einhält, während die Amerikaner selbst keine pflegen.

Auch der Franzose betrachtet Pünktlichkeit als einen – in seinem Fall – um fünfzehn Minuten dehnbaren Zeitrahmen. Wenn er allerdings einlädt – was abzulehnen wiederum als unhöflich gilt –, wartet man gerne; sieht er es doch als selbstverständlich, dass der Einladende auch die komplette Rechnung übernimmt.

Schon anhand dieser einfachen Fälle zeigt sich, dass interkulturelle Trainings durchaus hilfreich sein können, um zu einem guten Geschäftsabschluss zu kommen.

Wer übrigens vor Glück über ein gutes Geschäft im Regen tanzen will, ist in Namibia gut aufgehoben. Wenn Niederschlag angesagt ist, verabreden sich dort Familien, steigen ins Auto und fahren dem Schauer entgegen. Fallen dann die ersten Tropfen, springen alle aus den Häusern und Wägen und tanzen im Regen und durch die Pfützen – Auswärtige sind zum Mitfeiern ausdrücklich eingeladen. Die gute Businesstasche sollte man dann natürlich nicht dabei haben, aber die wasserfeste Moneybox darf mit.