Alle wollen nachhaltig reisen
Reisen leicht gemacht – zumindest wiegt so ein Trolley von Hardware echt nicht viel.

Alle wollen nachhaltig reisen

Tourismus und Nachhaltigkeit war lange Zeit ein Gegensatzpaar – und ist es größtenteils immer noch, es sei denn, man versteht unter nachhaltigem Tourismus, dass viele Betonburgen manche Küstenstriche nachhaltig verunstaltet haben. Aber es soll besser werden. Wenn es nach dem Willen der Reisenden geht, sowieso.

Urlaubspiraten, ein Portal der Holiday Pirates Group, hat für eine im Sommer veröffentlichte Studie 1.500 Nutzer seiner Website befragt. Demnach spielen für die Deutschen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im Urlaub eine große Rolle. 96 % finden das dufte, 93 % würden eine nachhaltige Unterkunft buchen und 87 % dafür sogar mehr Geld ausgeben – wenn man nur wüsste, was das eigentlich ist. Denn laut der Umfrage haben bisher nur 26 % in einer nachhaltigen Unterkunft übernachtet und gaben 67 % an, es sei halt so schwer nachprüfbar, ob eine Unterkunft tatsächlich nachhaltig sei.

Jeder Fünfte hat schon mal auf eine Fernreise verzichtet

Angeblich hat schon jeder Fünfte aufgrund von Umweltaspekten mal auf eine Fernreise verzichtet. Ein bisschen misstrauisch darf man aber schon sein, denn manches will einfach weiterhin nicht zusammenpassen. Einerseits sollen Flüge bitteschön immer billiger und Reisen immer nachhaltiger werden – auch schon ein Widerspruch in sich –, andererseits werden immer mehr Kreuzfahrten gemacht. 2016 waren ahoi, ahoi mehr als zwei Millionen Deutsche auf Hochseetour, elf Prozent mehr als im Jahr zuvor.

300 Luxusdampfer heizen durch die Weltmeere

Mögen Anbieter wie Aida und Co. noch so sehr beschwichtigen – ja, ja, 2018 soll das weltweit erste mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiff vom Stapel laufen: Generell sind die 300 Luxusdampfer, die über die sieben Weltmeere tuckern, sind nun mal nicht sooo umweltfreundlich. Für deren Antrieb wird fast ausnahmslos hochbelastetes Schweröl (ein preiswertes Abfallprodukt der Ölraffinerien) verheizt. Das ist auch für die direkte Umgebung schlecht. So hatte ein Team des ZDF-Magazins „Wiso“ auf dem Sonnendeck der Aida Sol bis zu 475.000 ultrafeine Staubpartikel gemessen – ein Vielfaches mehr, was an Feinstaub an Deutschlands dreckigster Straßenkreuzung, dem Stuttgarter Neckartor, verblasen wird. Und wenn dann nicht nur einer von diesen Riesenpötten, sondern gleich mehrere am Tag in die Lagune von Venedig bis fast auf den Markusplatz schippern, kann man schon verstehen, dass die Venezianer mehr als nur die Nase voll haben, zumal die Schiffe noch ganz andere Probleme in die überfüllte Stadt spülen.

Jeder zehnte Europäer bucht nachhaltig

Aber was versteht man nun eigentlich unter nachhaltigem Tourismus? Die Tui, Europas größter Reisekonzern, hat für eine im Frühjahr veröffentlichte Studie ebenfalls eine repräsentative Befragung von mehr als 3.000 Usern durchgeführt. Auch da kam raus, dass vielen Reisenden nachhaltiger Tourismus voll wichtig sei – und jeder zehnte europäische Urlauber nachhaltig buche. In der Studie wurde ein „Nachhaltigkeits-Index“ mit drei Ebenen des „Nachhaltigkeits-Engagements“ bestimmt: niedrig mit zum Beispiel Essensresten vermeiden oder Energie sparen; mittel mit etwa der Anschaffung von energieeffizienten Haushaltsgeräten oder der Bevorzugung von Fair-Trade-Produkten; und hoch mit der Installation von Solarpanels, Geldspenden für Umweltorganisationen und dem Buchen von nachhaltigen Reisen, die sich in drei Nachhaltigkeits-Engagements unterteilen lassen …

Franzosen sind besonders umweltfreundlich

Pardon, irgendwie beißt sich da die Katze in den Schwanz, aber wenigstens sollen wir Deutschen mit den Belgiern und 41 % auf Platz zwei hinter den Franzosen mit ihren 48 % beim „Engagement-Level“ sein. Es gibt viele Möglichkeiten, den Urlaub nachhaltig zu gestalten – auch für die Tui, die bis 2020 jährlich 10 Millionen grüne und faire Urlaubsreisen anbieten, Europas emissionseffizienteste Airlines betreiben und die CO2-Intensität der Geschäftstätigkeit um 10 % senken will. Dazu muss man allerdings sagen, dass zu den Tui-Töchtern auch Tui Cruises und Hapag-Lloyd Kreuzfahrten gehören …

Was also tun? Da wir weder Werbung für Tui machen noch uns das Reisen vermiesen lassen wollen – auf der Utopia-Website sind „die 12 besten Öko-Reiseportale“ zusammengestellt. Und ansonsten: Einfach hin und wieder mal an die eigene Nase fassen anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Auch mit Kleinigkeiten kann man daheim wie unterwegs einiges für die Umwelt tun – wenn es alle tun. Zum Beispiel mit dem Versuch, die Handtücher im Hotel nur alle zwei Tage auf den Boden schmeißen – in der Hoffnung, dass die Zimmermädchen sie nicht trotzdem täglich wechseln.