Zahl der Schlaffis wächst
Wird zunehmend angeprangert: Stand der Fitness von Kindern und Jugendlichen.

Zahl der Schlaffis wächst

Jedes dritte Kind kann keine drei Schritte rückwärts über einen schmalen Balken balancieren, fast jedes zweite erreicht beim Rumpfbeugen seine Füße nicht und beim Weitsprung liegen sie im Durchschnitt 14 Prozent hinter der gleichaltrigen Vergleichsgruppe aus dem Jahr 1976. Der Befund ist klar: Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer sind weniger geworden, Koordination und motorische Fähigkeiten werden schlechter. Seit 2003 untersucht das Robert-Koch-Institut bundesweit den Stand der Fitness von Kindern und Jugendlichen und bestätigt, was Erzieher und Sportlehrer zunehmend beklagen: Die Zahl der Schlaffis wächst.

Viele Gründe, keine Erklärung

Kinder mit motorischen Problemen kommen aus allen Schichten, leben in der Stadt oder auf dem Dorf, sind in Deutschland aufgewachsen oder nicht. Ob Bewegungsspiele, Sportangebote oder Ernährung – alle haben von der Kita an ähnliche Möglichkeiten, sich körperlich zu entwickeln. Trotzdem gibt es große Unterschiede und die Schere geht immer weiter auf, warnen Sportwissenschaftler. Die Zahl besonders sportlicher Kinder wächst nämlich ebenfalls, das normale Mittelfeld dagegen schrumpft dramatisch. Welche Folgen das allgemein haben wird, ist umstritten. Für manche Experten ist das Ideal von körperlicher Fitness in unserer Technikwelt einfach überholt. Statt körperlicher Fähigkeiten sind andere wichtiger geworden.

Sitzen statt Flitzen

Klettverschlüsse statt Schnürsenkel, Touchscreen statt Malbuch – Kinder wachsen heute anders auf als ihre Eltern. Statt aus Büchern lernen sie die Welt multimedial kennen, elektronische Geräte bedienen sie schnell und ohne einen einzigen Blick in die Gebrauchsanleitung geworfen zu haben. Diese Kopfarbeit findet überwiegend im Sitzen statt – ein Trend, der sich sogar am Körperbau von Jungen und Mädchen ablesen lässt. In nur 15 Jahren hat sich die durchschnittliche Beckenbreite um 1 bis 1,5 cm verringert. Wer weniger steht, geht oder rennt, braucht einfach weniger Knochen- und Muskelmasse. Ob das auf Dauer ungesund ist oder nicht, kann noch niemand sicher sagen.

Riskantes Schweigen

Unbestritten problematisch ist es, wenn sich Kinder wenig bewegen und gleichzeitig niemanden zum Sprechen haben. Beim Spielen oder Sport in der Gruppe wird automatisch auch geredet, vor der Glotze oder eine Spielekonsole nicht. Gemeinsames Spielen und Bewegen ist der einfachste Weg, auch den Kopf fit zu machen – von Geburt an. Dass die Zahl körperlicher Schlaffis wächst, ist im schlimmsten Fall ein Anzeichen dafür, dass viele Kinder auch geistig zu wenig Bewegung bekommen.

Sicherheitshalber: ein paar einfache Fitness-Übungen für Kinder gibt’s hier.