Schulverweis oder Rohrstock – wie weit dürfen Lehrer gehen?

Schulverweis oder Rohrstock – wie weit dürfen Lehrer gehen?

Schläge gibt es an deutschen Schulen nicht mehr – zumindest nicht von Lehrern. Die körperliche Züchtigung wurde 1973 in der BRD per Gesetz verboten. In Bayern mussten Schüler allerdings noch sieben Jahre länger Prügel fürchten, bis der Freistaat nachzog. Heute müssen Strafen pädagogisch sinnvoll gewählt werden. Reicht das aus, um aufmüpfige Schüler in die Schranken zu weisen? Und wie weit reicht die Pflicht der Lehrer, den Klassenfrieden zu wahren?

Maßnahmen mit pädagogischer Wirkung

Die Maßnahmen, die Lehrer ergreifen dürfen, sind in den einzelnen Schulgesetzen der Länder geregelt. Unterteilt sind diese in Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen. Erstere sollten eine pädagogische Wirkung haben: das Handy einziehen, verschuldete Schäden reparieren lassen oder Schülern Nachsitzen verordnen. Dabei müssen Lehrer darauf achten, dass die Strafen verhältnismäßig sind und Schüler wegen gleicher Delikte nicht unterschiedlich bestraft werden.

Nicht erlaubt sind Kollektiv-, Geldstrafen sowie entwürdigenden Maßnahmen wie Ignoranz, Häme, Bloßstellungen, Spott, Abwertungen, Vorführen, Zynismus, Geringschätzung, Sarkasmus und Demütigungen. Auch, weil solche Maßnahmen bei manchen Schülern Wut, Aggression und sogar Hass bis hin zur Rache auslösen können.  Andere hingegen stehen solchen Situationen hilflos gegenüber, ziehen sich zurückziehen und entwickeln Schulangst.

Auch alle körperliche Maßnahmen (auch das Am-Ohr-ziehen) sind tabu … und pädagogisch untauglich – ebenso wie die früher beliebte Aufgabe, einen Satz hundert Mal abschreiben zu lassen.

Letztes Mittel Schulverweis

Lehrer brauchen ein dickes Fell. Denn meistens gelten die verbalen Angriffe und Frechheiten von Schülern nicht dem Lehrer als Person, sondern eher der Institution Schule, die er jeden Tag repräsentiert. Professionelle Distanz ist also wichtig. Aber auch hier sind Grenzen gesetzt. Letzte Möglichkeit, um auf schweres Fehlverhalten zu reagieren, sind vom Rektor verhängte Ordnungsmaßnahmen. Dazu zählen: zeitweiliger Ausschluss vom Fach oder Unterricht, die Versetzung in eine Parallelklasse oder als letztes Mittel der Schulverweis. Kein Pardon gibt es bei Delikten wie Gewalt, Drogen, Nötigung und Diebstahl. Bei einem Schulverweis darf auch das Jugendamt informiert werden – auch gegen den Willen der Eltern. Handelt es sich um Straftaten, wird die Polizei eingeschaltet. In besonders schwerwiegenden Fällen ist auch der Ausschluss von allen Schulen derselben Schulart und von allen Schulen des Landes möglich.

Verhältnismäßigkeit und Dialog

Für Lehrer und Direktoren ist die Entscheidung über Disziplinarmaßnahmen jedes Mal eine schwierige. Die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt werden – und auch die Folgen für den Schüler müssen bedacht sein. Drastische Strafen wirken sich schließlich auch auf dessen Zukunft aus. Um Schüler in geregelte Bahnen zu leiten, empfehlen Experten, Strafen erst konkret anzudrohen und dann ein Gespräch zu führen. Ist der Schüler dann noch immer uneinsichtig, muss er die Konsequenzen tragen.