Was willst Du mal werden?
Die Berufswünsche unseres Nachwuchses sind eher traditionell als modern und zukunftsorientiert.

Was willst Du mal werden?

Unsere Jugend ist digital voll vernetzt, modern und zukunftsorientiert – sollte man meinen. Der digitale Wandel macht sich aber kaum in den Berufswünschen Jugendlicher bemerkbar. Die meisten 15-Jährigen wollen nach ihrem Abschluss traditionelle Berufe wie Lehrer, Polizist oder Arzt aufnehmen. Das ergab eine neue Studie der OECD, die dafür Daten der Pisa-Studien von 2000 und 2018 ausgewertet und verglichen hat. Sie zeigt, dass sich die Jobvorstellungen der Jugendlichen in den letzten 20 Jahren kaum verändert haben. Über die Hälfte der Schüler will in einem von zehn besonders bekannten Berufen arbeiten.

In den deutschsprachigen Ländern fällt diese Konzentration auf einige wenige Berufe etwas geringer aus als im weltweiten Vergleich. Trotzdem wollen immerhin vier von zehn Jugendlichen in einem traditionellen Beruf arbeiten. Die meisten Mädchen wollen Lehrerin (10,4 %), Ärztin (10 %) oder Erzieherin (6,4 %) werden. Bei den Jungs sind eher technische Berufe wie Informatiker (6,7 %), Maschinenbauer (5,2 %) oder Kfz-Mechatroniker (5,1 %) beliebt.

Beruhigend bodenständig?

Klar, irgendwie ist es schon beruhigend, dass nicht alle E-Sportler, Youtuber oder Influencer werden wollen. Schließlich wird in vielen der traditionellen Berufe händeringend Nachwuchs gesucht. Doch diese Berufe sind teilweise trotzdem auf längere Sicht nicht zukunftsträchtig und werden unter Umständen sogar völlig aussterben.

Wir müssen uns also überlegen, wie wir Jugendliche für moderne Berufe mit Zukunft begeistern können. Sind die Schulen vielleicht zu altmodisch in ihrer Berufsvorbereitung? Schließlich kämpfen unsere Bildungseinrichtungen auch in anderen Bereichen um Modernisierung. Die ausbaufähige Digitalisierung an Schulen ist ein leidiges, aber weiter aktuelles Thema. Viele Schulen sind lange nicht auf dem neuesten Stand der Technik angekommen und zwei Drittel der Schüler halten ihre Lehrer sogar für digitale Anfänger.

Was tun die Schulen?

Doch eigentlich sind, was Berufsberatung angeht, die Ansätze der Schulen durchaus gut: Zum Beispiel werden Jobmessen besucht und über Praktika haben die Schüler die Möglichkeit, Einblicke in verschiedenste Berufe zu bekommen. Allerdings gaben nur 40 % der Befragten an, solche Angebote bereits genutzt zu haben. So können die Signale des Arbeitsmarktes viele junge Menschen nicht erreichen. Dass manche Berufe mehr Zukunft haben als andere und wie der Arbeitsmarkt sich wandelt, muss allen Schülern vermittelt werden. Nur so können die Jugendlichen erfahren, welche vielfältigen Möglichkeiten sie in unserer modernen Arbeitswelt haben – mal abgesehen von Influencer und Streamer.

Fehlende Chancengleichheit

Einen weiteren wichtigen Einfluss auf die beruflichen Vorstellungen von jungen Menschen hat die soziale Herkunft. Schüler aus sozial benachteiligten Verhältnissen zeigten deutlich weniger berufliche Ambitionen und Vertrauen in ihr eigenes Potenzial als Jugendliche aus privilegierten Verhältnissen. Damit wären wir bei dem altbekannten Problem der fehlenden Chancengleichheit für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Die Schulen und unser Bildungssystem hat dabei großen Nachholbedarf: Schüler sollten immer ermutigt werden, nach Erfolg zu streben, sich nicht selbst unterschätzen und gefördert werden – unabhängig vom Elternhaus.