Wann wird Nachhilfeunterricht sinnvoll?

Wann wird Nachhilfeunterricht sinnvoll?

Das Streben nach guten Noten ist ein einträgliches Geschäftsmodell: Eltern geben hierfür laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung jährlich rund 900 Millionen Euro aus. Die deutschen Spitzenreiter bei den Ausgaben für die Extraförderung sind laut einer Studie von Statista Baden-Württemberg, Hamburg und das Saarland.

Die großen Gewinner des Booms

Institutionen wie Studienkreis, Mini-Lernkreis und Schülerhilfe sind die großen Gewinner des Nachhilfe-Booms. Denn sie können ihre Dienste bundesweit für alle Klassenstufen und Fächer anbieten – zum Teil auch in Online-Kursen oder als klassischen Einzelunterricht zu Hause. Zwar ist Nachhilfe schon immer ein Thema in Familien gewesen, durch die professionellen Auftritte der Institute und deren Werbung fühlen sich Eltern mittlerweile aber eher gedrängt, etwas für den Bildungsstand ihrer Sprösslinge zu tun – auch wenn dafür schon mal die Sommerferien herhalten müssen. Aber viele Kinder hätten die Hilfe eigentlich gar nicht nötig.

Der Fachlehrer kann helfen

Nachhilfe ist dann sinnvoll, wenn Lernstoff verpasst wurde oder der Schüler mit dem Unterrichtstempo nicht mithalten kann. Hier lohnt es sich, zuerst mit dem Klassen- oder Fachlehrer zu sprechen, um den schlechten Zensuren auf den Grund zu gehen. Und um herauszufinden, wo man mit der Nachhilfe ansetzen sollte.

Die bloße Vielfalt an Angeboten macht es schwer, die richtige Förderung auf Anhieb zu finden. Von den großen Institutionen bis zu Nachhilfestunden bei Studenten gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich in Schulfächern helfen zu lassen. Seriöse Nachhilfe-Institutionen gewähren Probetermine – die sollte man auf jeden Fall wahrnehmen, um zu testen, ob die zusätzliche Förderung dem Schüler liegt. Vorsicht vor Knebelverträgen: Die Vertragsbindung sollte nicht über ein viertel Jahr hinausgehen – und Sonderregelungen vorsehen, wenn man die Nachhilfe (z. B. wegen einer Urlaubsreise) über kurze Zeit aussetzt.

Lust am Lernen zurückgewinnen

Wichtig ist, dass die Kinder die Lust am Lernen zurückgewinnen und sich eine Leistungssteigerung einstellt – und das klappt nur, wenn sie sich beim Nachhilfelehrer wohlfühlen. Der sollte ihnen beibringen, selbstständig zu lernen. Wenn die Noten wieder in den Keller rutschen, sobald die Nachhilfe ausgesetzt wird, hat das Kind nichts gewonnen. Ob Einzelnachhilfe oder in der Gruppe hängt von den Schülern ab. Für manche ist es besser, wenn sie sich unter Kindern mit den gleichen Problemen befinden, anderen liegt der Einzelunterricht mehr – auch weil sie sich trauen, bei individueller Förderung eher Fragen zu stellen.

Besser nicht selbst ans Pult stellen

Den Nachhilfeunterricht einfach selbst in die Hand zu nehmen, empfiehlt sich nicht unbedingt. Das muss nicht an den Fachkenntnissen der Eltern liegen, sondern eher an der Rollenverteilung. Papa macht sich als strenger Lehrer nicht gut, wenn er zwei Stunden später wieder der liebevolle Vater ist. Viel hilfreicher ist der Support der Eltern, wenn es darum geht, Kinder zum Lernen zu ermuntern und ihnen Motivation zu geben. Ermutigungen helfen da auf jeden Fall mehr als demotivierende Sprüche wie „Mathe habe ich auch nie kapiert.“ Bei den Hausaufgaben dürfen Mutter und Vater aber immer gerne unterstützen.

Ob Nachhilfeunterricht nun nötig ist oder nicht, muss für jeden Schüler individuell entschieden werden – möglichst unvoreingenommen und auch kritisch. Und bitte bei dieser Entscheidung auch beachten, dass dem Kind noch genügend Zeit für die Musikstunde, den Reitunterricht oder den Tanzkurs bleibt. Denn Kinder müssen auch noch Zeit haben, den Kopf mal frei zu kriegen.