Strand statt Penne – Eltern verschieben Ferien

Strand statt Penne – Eltern verschieben Ferien

Es ist in jedem Jahr das gleiche Bild: Die letzten Tage vor den Ferien sind noch nicht vorbei – und wieder werden ein paar Schreibtische in Deutschlands Klassenzimmern leer bleiben. Anna sonnt sich schon auf den Malediven und kurz vor den Winterferien tauscht Felix gerne ein paar Tage früher das Snowboard mit dem Mathebuch.

Es ist zur Gewohnheit geworden, dass manche Eltern die Ferien eigenmächtig um ein paar Tage nach vorne oder hinten verlängern. Reisen in der Hauptsaison ist nun mal teurer als in der Nebensaison – und das wollen viele nicht einfach so hinnehmen. Um Geld zu sparen, werden die Schüler eigenmächtig ein paar Tage früher aus dem Unterricht genommen. Dass man bei diesem Spiel die Reisekasse nachträglich ganz schön strapazieren kann, ist vielen Eltern nicht bewusst.

Behörden in Bayern starten Kontrollen

Nicht schlecht gestaunt haben dürften am Freitag vor dem Pfingswochenende Schulschwänzer und ihre Eltern in Memmingen, Nürnberg und München. Die Beamten kontrollierten Familien mit Schulkindern, ob diese unrechtmäßig die Ferien verlängerten. Bei Verdachtsfällen ließen sich die Mitarbeiter des Zolls Bestätigungen der Schulen zeigen, in denen das Fernbleiben des Unterrichts genehmigt wurde. Am Allgäu Airport erwischten die Beamten zehn Familien, deren Kinder unentschuldigt dem Unterricht ferngeblieben waren.

Bayernweit sollen es rund 20 Familien gewesen sein. Sollten Lehrer es verlangen, hätten die Beamten die Kinder in den Unterricht bringen müssen. Ob von dieser Maßnahme Gebrauch gemacht wurde, wollte ein Sprecher der Polizei weder bestätigen noch dementieren. Keine Schulschwänzer hingegen gingen der Polizei an Bayerns größtem Flughafen in München ins Netz. Die Behörden appellierten an Eltern, ihre Kinder wegen günstigerer Flugtickets nicht eigenmächtig aus der Schule zu nehmen.

In Deutschland herrscht Schulpflicht

Was für viele Eltern eine Lappalie darstellt, wird von vielen Lehrern mittlerweile sehr kritisch beäugt. Denn Erziehungsberechtigte sind dazu verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Kinder die Schule besuchen. Die Sprösslinge von der Schulpflicht zu befreien oder zu beurlauben ist nur durch die auf Länderebene geregelten Gesetze und Verordnungen möglich. Wer eigenmächtig handelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit – und die kann ziemlich teuer werden: Immerhin sprechen wir hier von mindestens 80 Euro pro verpasstem Schultag. Klingt noch nicht nach viel? Kann es aber werden: Je nach Ländergesetzgebung können schnell 1.500 Euro zusammen kommen. Das muss man durch eine bessere Buchung erst mal sparen.

Aber nicht nur die Eltern laufen im Ernstfall Gefahr, tief in die Tasche greifen zu müssen. Auch Jugendliche ab 14 Jahren können für die Schwänzerei belangt werden. Und der Schock muss nicht mal bis nach dem Urlaub auf sich warten lassen – auch außerhalb von Bayern: Bereits seit ein paar Jahren sind in einigen Bundesländern Polizeistreifen an Flughäfen unterwegs, die Eltern in flagranti mit ihren Schulschwänzern abfangen. Gerade in Düsseldorf wurde kurz vor Ferienstart kontrolliert. Kein billiger Spaß: Wer erwischt wurde, konnte mit einer Strafe von 1.000 Euro rechnen.

Wann ist eine Befreiung vom Unterricht möglich?

Hochzeiten, Todesfälle oder Vorstellungsgespräche zählen zu den wenigen Ausnahmen, die eine Befreiung vom Unterricht möglich machen. Je nach Bundesland und Dauer der Abwesenheit müssen Eltern hier beim Klassenlehrer oder beim Schuldirektor einen schriftlichen Antrag einreichen. Diese Anträge werden meist auch bewilligt – sofern es sich um eine Ausnahme handelt. Wer ständig bei den Lehrkräften auf der Matte steht, hat da wohl eher schlechte Chancen. Kinder wegen Urlaubsreisen zu befreien, wird von Schulleitern ebenfalls nicht gerne gesehen. Um die Eltern erst gar nicht in Versuchung zu führen, ist die Bewilligung in manchen Schulgesetzten sogar verboten. Und wer jetzt auf die Idee kommt, sein Kind einfach krank zu melden – an einigen Schulen gilt in der Zeit direkt vor und nach den Ferien eine Attestpflicht. Für alle, denen eine Geldstrafe herzlich egal ist, haben manche Gesetze auch vorgesorgt: Unbelehrbaren Wiederholungstätern kann eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten drohen.

Schiebt man all die Strafen mal beiseite, fragt sich auch, ob dieses Verhalten in Zeiten, in denen sich Eltern über Lehrermangel und dadurch bedingte Unterrichtsausfälle aufregen, moralisch in Ordnung ist? Denn wenn’s um den Urlaub geht, scheinen da ein paar Erziehungsberechtigte gerne beide Augen zuzudrücken. Dabei ist es die Strafe sicher nicht wert, wenn die Schulsachen im Rucksack zu früh mit dem Urlaubsgepäck getauscht werden.