Schulverbot für Smartphones!
Dürfen in Frankreich zukünftig kaum noch mit in Klassenräume: Smartphones.

Schulverbot für Smartphones!

Es hat es sich ausgetwittert auf Frankreichs Schulhöfen. In Zukunft werden alle Social-Media-Kanäle und Messenger-Dienste während der Schulzeit zum Schweigen gebracht. Auch mit Videos schauen, Fotos verschicken oder Handygames daddeln ist es bald vorbei. Frankreichs Regierung verbannt Smartphones und Handys ab September 2018 aus den Schulen bis zur Mittelstufe – damit trifft das Verbot immerhin alle Schüler bis zum Alter von 15 Jahren. Lediglich französische Gymnasien (Lycées) haben selbst die Wahl, ob sie ein Handyverbot einführen.

Kaum Ausnahmen

Das dürfte eine harte Zeit für viele Jugendliche werden: Rund neun von zehn Jugendlichen in Frankreich zwischen 12 und 17 Jahren besitzen nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP ein Smartphone. Das neue Gesetz sieht ein komplettes Verbot internetfähiger Geräte wie Smartphones, Tablets und sogar Smartwatches in sämtlichen Räumlichkeiten der Schulen vor. Außerdem soll bei schulischen Aktivitäten auch außerhalb des Schulgebäudes die Nutzung derartiger Geräte verboten blieben. Es gibt allerdings Ausnahmen: Werden die Geräte für den Unterricht gebraucht, soll eine Nutzung kurzzeitig erlaubt sein. Auch Kinder mit einer Behinderung sind von dem Verbot ausgenommen.

Auf dem Schulweg sollen Kinder ihr Handy oder Smartphone zwar noch mitführen dürfen, denn wie sollte man das auch verbieten. Vor Ort aber wandern die Geräte dann ins Schließfach – und das bis Unterrichtsschluss. Der Grund: In den Pausen sollen die Kinder wieder mehr miteinander reden, also von Mensch zu Mensch und sich dabei in die Augen schauen können, anstatt gesenkten Hauptes die ganze Pausenzeit in die digitalen Begleiter zu starren. Allerdings haben gar nicht alle Schulen Platz für die benötigten Schließfächer, argumentieren Kritiker. Außerdem können nicht alle Schulen die Kosten tragen – ganz zu schweigen vom bürokratischen Aufwand, den eine solche Aktion täglich mit sich bringen würde.

Wie auch immer: Präsident Emmanuel Macron löst mit dieser Maßnahme ein Wahlkampfversprechen ein. Unterstützung erfährt er dabei von Bildungsminister Jean-Michel Blanquer. Obwohl es ein derartiges Gesetz in Frankreich bereits seit 2010 gab. Das hielt Blanquer aber für wenig effektiv. Das neue Gesetz befördere Frankreich hingegen ins 21. Jahrhundert, erklärte sich der Politiker.

Wie sieht’s bei uns aus?

In Deutschland gibt es ein derartig umfangreiches Verbot bisher nur in Bayern – in den anderen Bundesländern können einzelne Schulen selbst entscheiden. 2006 reagierte der damalige Kultusminister des Freistaats auf Mobbingfälle an Schulhöfen, wo Schüler verprügelt und dabei auch noch gefilmt wurden. Bei Razzien auf Pausenhöfen fand die Polizei auf einigen Smartphones außerdem harte Pornos und brutale Gewaltvideos. Alles andere als das, womit sich Schüler während der Schulzeit (ober überhaupt) beschäftigen sollten. Trotzdem regt sich mittlerweile Widerstand gegen das Gesetz – und so könnte es bald kippen.

„Man sollte Mobbing bestrafen, nicht das Medium verbannen“, sagt Florian Schwegler vom Landesschülerrat Bayern. Ralph Müller-Eiselt, der bei der Bertelsmann-Stiftung das Resort Digitalisierung und Bildung bekleidet, argumentiert ähnlich, denn laut ihm sollten Schulen nicht ihren analogen Kosmos pflegen, während sich alles um sie herum digitalisiert. Andere Gegner sehen durch das Verbot eine Verschleierung der Lebensrealität von Jugendlichen.

Geht es um Digitalisierung, sind deutsche Schulen ohnehin nicht gerade Musterbeispiele. Vielleicht könnte also lauter darüber nachgedacht werden, wie man das Smartphone sinnvoll und häufiger in den Unterricht integrieren kann. Und eines ist leider auch klar: So lange die Gesellschaft im allgemeinen und Familien und Freundeskreise im speziellen keinen sinnvollen Umgang finden, wie digitale Möglichkeiten den analogen Alltag bereichern, anstatt ihn zu überlagern, wenn also das Virtuelle immer näher ist als das Reale, werden uns auch Verbote und Vorschriften zur Nutzung von Smartphones nicht wirklich weiterbringen.