Bessere Chancen für Privatschüler?
So oder so ähnlich kann es aussehen: Viele Privatschulen locken mit digitalisierten Klassenräumen, besserer individueller Förderung und kleineren Klassen.

Bessere Chancen für Privatschüler?

Privatschulen liegen laut Statistischem Bundesamt voll im Trend. Besuchten im Schuljahr 2005/2006 noch rund 7 Prozent der deutschen Schüler an allgemeinbildenden Schulen eine private Einrichtung, waren es 2017/2018 bereits 9,1 Prozent.

Grund dafür ist neben Pisa-Schock, Berichten über Brennpunktschulen in den Medien und fehlendem Vertrauen ins staatliche Bildungssystem vor allem eine Erhöhung der beruflichen Zukunftschancen: Wer seine Kinder möglichst früh auf den Arbeitsmarkt vorbereiten möchte, Wert auf Prestige legt und das nötige Kleingeld parat hat, schickt sein Kind auf eine Schule in freier Trägerschaft. Mit bis zu 1.000 Euro pro Monat und Kind können die zu Buche schlagen – trotzdem tendieren auch immer mehr Haushalte mit mittlerem Einkommen zu Schulen in freier Trägerschaft. Auch, weil diese in ländlichen Gebieten Deutschlands oftmals ein rückläufiges öffentliches Bildungsangebot ersetzen.

Außerdem versprechen viele private Schulen mehr Innovation als an staatlichen Einrichtungen, bilingualen Unterricht, digitalisierte Klassenräume, mehr Individualität und eine persönlichere Atmosphäre. Im Schnitt kommen die Klassen auf einen Schüler weniger.

Rund die Hälfte der Deutschen könnten sich durchaus vorstellen, ihr Kind in eine private Schule zu schicken – warum Privatschüler trotzdem nur 9,1 Prozent der gesamten Schülerzahl ausmachen, verrät die Statistik leider nicht. Die steigende Beliebtheit führt aber dazu, dass manche Privatschulen nicht alle Bewerber aufnehmen können.

Mehr Geld bedeutet aber nicht zwangsweise besseren Unterricht. Denn es darf nicht vergessen werden, dass es genügend staatliche Schulen gibt, die hervorragende Arbeit leisten. Laut Bildungsbericht 2016 gibt es durchschnittlich gesehen keine eklatanten Unterschiede im Erfolg der Absolventen. Mit dem Fokus auf erreichte Abschlüsse unterscheiden sich die Bildungserfolge der Schüler an Schulen in freier und öffentlicher Trägerschaft „nicht systematisch“.

Es zählt also nicht überall der elitäre Gedanke. Hinter dem Trend zur Privatschule steckt oftmals auch die bloße Intention, möglichst viel Geld verdienen zu wollen. Das hinterlässt einen faden Beigeschmack, da nicht alle Schulen in freier Trägerschaft durch Stipendien den Besuch auch einkommensschwächeren Familien ermöglichen. Außerdem verfolgen die Schulen oft ein eigenes pädagogisches Konzept und ein bestimmtes Weltbild, das zu der Einstellung von Schülern und Eltern passen muss.

Religiös, anthroposophisch oder ungebunden: Es stellt sich Eltern die Frage, was am besten zu den eigenen Werten passt? 2.000 der freien Schulen in Deutschland entfallen nach Daten der Evangelischen Kirche und der Deutschen Bischofskonferenz auf die Kirchen – mit insgesamt einer halben Million Kindern. Andere Privatschulen legen ihren Fokus auf technisch-naturwissenschaftliche oder anthroposophische Förderung. Gerade die Waldorfpädagogik ist sehr beliebt. In den über 200 Waldorfschulen in Deutschland soll jedes Kind als Individuum nach Denken, Fühlen und Wollen gefördert werden.

Schlussendlich hilft nur eine objektive Betrachtung des regionalen Bildungsangebots. Denn allein auf einen höheren qualitativen Anspruch von Schulen in freier Trägerschaft kann man sich nicht verlassen. Ein paar Tipps, was man bei der Schulwahl beachten sollte, finden sich hier.