Planlos durch die Sommerferien
In den Schulferien dürfen die Schulsachen gerne ein paar Wochen im Ranzen bleiben – hier in einem Modell von Scout.

Planlos durch die Sommerferien

Geht es nach den Kindern, sehen die perfekten Sommerferien so aus: ein Strand zum Baden und Spielen, Snacks und Getränke jederzeit und der ganze Spaß hört niemals auf. Verzichtbar bis unerwünscht sind endloslange Autofahrten, das Besichtigen von Sehenswürdigkeiten sowie die Beschäftigung mit Schulsachen. Aus Kindersicht ist die Ferienplanung einfach, weil klar umrissen. Schwierig wird es, wenn Eltern ihre Idee einbringen und Wünsche berücksichtigt haben wollen. Kinder, die ihre Eltern gut kennen, wissen, wann sie besser Kompromisse aushandeln sollten statt auf stur zu schalten. An welchem Gewässer ein Strand liegt, ist weniger wichtig als der Spaßfaktor und folgerichtig billigen wohlwollende Kinder ihren Eltern die Wahl des Reiseziels zu, Hauptsache Sandstrand.

Aber kindliche Vernunft kennt auch Grenzen: Ferien sind Ferien und nicht eine etwas andere Phase der Schulzeit, wie viele Eltern noch immer glauben. Der Schulranzen gehört nach dem letzten Schultag in die Ecke, sagen auch Experten und ergänzen: „Zumindest für mehrere Wochen.“

Was Lernforscher schon lange wissen, will aber immer noch nicht in alle Erwachsenenköpfe rein: Wer selbst dauernd unter Leistungsdruck steht, überträgt die eigenen Ängste auf die Kinder und dreht weiter an der Stressschraube. Die repräsentativen Umfragen des Online-Lernspezialisten scoyo zeigen, dass jeder zweite Schüler in den Ferien lernt. Aber: Je gebildeter die Eltern sind, desto weniger müssen die Kinder büffeln. Und je mehr man nach- oder vorlernen muss, desto größer wird der Stress. Wenn also ausgerechnet lernschwache Schüler keine Lernpause bekommen und Wissenslücken nicht in der Schule, sondern in den Ferien geschlossen werden, ist das doppelter Unsinn, sagen Lernforscher.

„Ich will doch nur, dass du es einmal besser hast,“ ist ein Wunsch, dessen Erfüllung in den wenigsten Fällen mit Lernen in den Schulferien zu gewährleisten ist. Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo rät: „Am sinnvollsten ist es, wenn die Kinder von ihren Eltern in den Ferien das bekommen, was ihnen im Alltag am meisten fehlt: Zeit, die sie selbst gestalten können. Das ist die Grundvoraussetzung für den Ausbau der persönlichen Kompetenzen.“

Der Tipp: Schulsachen außer Sicht- und Reichweite. Mindestens ein paar Wochen.

Während für Kinder ungestörtes Spielen einen hohen Entspannungsfaktor hat, brauchen Teenager zeitliche Freiräume, um sich auszuprobieren und zu entfalten. Dazu gehört auch ein nach hinten verschobener Tagesrhythmus – abends länger aufbleiben, morgens länger im Bett rumfläzen. Spielen einerseits, Rumgammeln andererseits, das mindert den Stress und schafft Platz für neue Ideen, Interessen und daraus wieder frische Motivation.

Wir lernen immer, sagt die Forschung, die Frage ist nur, was, wie und wann? Wenn Kinder in den Schulferien also freiwillig lernen, ist das genauso in Ordnung wie wenn sie sich mit anderen Dingen beschäftigen, sei es eine Sandburg zu bauen oder der ersten Liebe nachzuspüren. Experten raten dazu, besser die Schulferien etwas planloser anzugehen als jeden Tag mit anstrengendem Programm, Verbesserungsversuchen oder gut gemeintem Druck zu verplanen – genau das also, was Kinder von Anfang an wollen.