Nachhilfe für Eltern
Sinnvoll bei den Hausaufgaben helfen, will gelernt sein. (Mäppchen: Scout)

Nachhilfe für Eltern

Quizshows im Fernsehen sind unterhaltsam. Weiß man selbst die Antwort, ist das gut fürs Ego. Hat man keine Antwort, amüsiert man sich halt über die Grübelei der Kandidaten. Schließlich kann ja nicht jeder alles wissen. Viel weniger lustig ist dagegen das tägliche Hausaufgaben-Quiz. Wenn etwa ein Viertklässler die Prädikatsnomen im Text nicht finden kann, gehen manche Eltern lieber in Deckung. Und egal ob Textaufgaben in Mathe oder Zeitformen in Englisch – irgendwann kommt der Moment, dass das eigene Wissen nicht mehr ausreicht.

Gründe gibt es viele. Ganz oben rangiert, dass man sich an den Stoff schlicht nicht mehr erinnern kann. Aber häufig kommt es auch vor, dass man das Thema in der Schule überhaupt nicht gehabt hat. Und leider ist es auch möglich, dass Fragen nicht korrekt gestellt sind. Ein Beispiel aus dem Bereich Biologie: „Warum sind fleischfressende Pflanzen nicht auf tierische Nahrungsquellen angewiesen?“ Antwort: Sie sind es nicht, weil gekaufte Pflanzen für daheim vom Händler in besonders nährstoffreicher Erde gesteckt werden. Wildlebende fleischfressende Pflanzen dagegen brauche tierische Beute, sonst gehen sie ein. Um eine solche Aufgabe zu lösen, hilft die Suche im Internet, doch davon raten Experten ab – solange es nicht ausdrücklich gefordert ist. Alle Landesschulgesetze der 16 Bundesländer besagen nämlich, dass Hausaufgaben so gestellt sein müssen, dass ein Schüler sie ohne Hilfe erledigen kann. Denn nur so ist es Lehrern möglich, das tatsächliche Verständnis und Können zu überprüfen. Aufgaben, die mit Hilfe der Eltern oder dem Internet gemacht worden sind, spiegeln einen falschen Leistungsstand – und das rächt sich spätestens beim nächsten Test oder einer Klassenarbeit.

Mehr als die Hälfte aller Erwachsenen hilft dennoch bei den Schularbeiten. Besonders stressig ist es vor Klassenarbeiten oder nach einer besonders schlechten Note. Dieser Druck für Schüler und Eltern belastet das Familienleben und verdirbt den Spaß an der Schule. Und oft kommt dann der Wunsch nach professioneller Nachhilfe ins Spiel. Diese Lösung ist aber nur eine Möglichkeit, sagen Bildungsforscher – und zwar die teuerste. Zuerst gilt es für Eltern, sich darüber klar zu werden, dass etwas Hilfe (besonders in der Grundschule) in Ordnung ist. Die Hausaufgaben zusammen mit dem Kind vollständig zu machen, ist aber etwas anderes. Sinn von Hausaufgaben ist das Einüben und Vertiefen von Unterrichtsstoff, nicht die Überprüfung, was Eltern wissen oder können. Wenn also mal wieder eine unlösbare Hausaufgabe auftaucht, nicht zu viel Energie beim Knobeln oder Abschreiben aus dem Internet verschwenden. Besser ist es, das Kind in diesem Fall die eine Aufgabe nicht machen zu lassen und einzugestehen, dass man selbst nicht weiter weiß – Eltern müssen keine Ersatzlehrer sein. Was Erwachsene jedoch auf jeden Fall in Sachen Hausaufgaben wissen müssen, sind drei Grundregeln für das Lernen zu Hause.

Lernen lernen

Ebenso wenig wie man als Erwachsener auf Einmischung und Belehrung wartet, empfinden Kinder „Besserwisserei“ als motivierend. Durften sie im Kindergarten noch spielend Dinge ausprobieren, gibt die Schule Stundenpläne und Kontrolle vor. Viele Eltern machen dann den Fehler, dieses System stur zu übertragen und die Freiräume des Kindes zu beschneiden. Erst die Hausaufgaben, dann Chor und Abendessen und vielleicht noch etwas spielen, ist der falsche Weg. Kinder müssen stattdessen früh lernen, sich ihr Pensum selbst einzuteilen. Lernen sie das nämlich nicht, werden sie zu frustrierten Abwicklern statt zu selbstbestimmten Persönlichkeiten. Lernen und auch kleine Lernerfolge zu loben ist wichtiger als ein Kind mit Drohungen und Vergleichen zu anderen Kindern zu frustrieren.

Platz schaffen

Kinder mögen das Besondere. Demzufolge ist es richtig, den Platz für die Hausaufgaben aufzuwerten. Ein zugestellter Küchentisch oder eine Ecke des Sofas sind schlechte Notlösungen. Besser ist ein Arbeitstisch für Hausaufgaben und als Rückzugsgebiet. Wenn ein Kind diesen Platz als seinen ganz eigenen „erkennt“, steigen automatisch Stolz und Motivation für das eigene Tun.

Den Kopf frei halten

Lärmende Geschwister oder lockende Spielsachen sind in der Hausaufgabenzeit tabu, logisch. Aber wann ist die richtige Zeit? Strikte Vorgaben sind oft keine Lösung, da sich die Abläufe von Tag zu Tag sehr unterscheiden können. Das Hausaufgabenheft gibt hier Auskunft und hilft Kindern und Eltern gemeinsam zu planen, wann was zu machen ist. Statt nur aufzufordern, die Aufgaben zu machen, sollte vorher also geklärt werden, was überhaupt ansteht. Diese Methode trennt Wichtiges von weniger Wichtigem und macht so den Kopf frei von Unwichtigem. Und wenn sich dabei herausstellt, dass zu viel zu erledigen ist, sollte das mit den Lehrern spätestens beim nächsten Elternabend klar angesprochen werden. Denn häufig sprechen sich Lehrer schon in der Grundschule nicht genügend untereinander ab.

Nicht die einzelne Aufgabe ist also das Problem, sondern die Herangehensweise insgesamt. Wer seinem Kind beim Lernen helfen muss oder möchte, muss nicht alles Schulwissen fehlerfrei abrufbereit haben. Aber er muss Augenmaß beweisen und Abwägen, wieviel wann nötig oder sinnvoll ist, denn Hausaufgaben sind keine Strafarbeiten, sondern gedacht als Hilfe zum selbstständigen Lernen.