Mehr Geld für Schulschwänzer

Mehr Geld für Schulschwänzer

Was ist schon dabei, montags mal blau zu machen? Was so mancher Schüler eher unkritisch sieht, lässt bei Mathias Brodkorb, der bis Oktober 2016 Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern war, die Alarmglocken schrillen. „Wissenschaftliche Studien belegen leider sehr deutlich einen Zusammenhang zwischen Schulbesuchsverhalten, Anfälligkeit für Kriminalität und der Wahrscheinlichkeit, den Schulabschluss nicht zu schaffen,“ erklärte Brodkorb letztes Jahr das konsequentere Vorgehen gegen Schulschwänzer in seinem Bundesland.

Auch in Hamburg geht man mit Schulschwänzern seit ein paar Jahren härter ins Gericht: Wer im „zentralen Schülerregister“ mit mehr als fünf Fehltagen auffällt und unter 18 Jahren alt ist, kann von der Polizei nach Hause oder in die Schule gebracht werden. Die Kosten trägt in beiden Fällen die Allgemeinheit.

Ein Blick über die Grenzen zeigt, wie andere Länder gegen Schulschwänzen vorgehen. Das französische Erziehungsministerium informiert Eltern von Schulschwänzern mittlerweile über eine App, wenn ihre Sprösslinge dem Unterricht fernbleiben. Noch befindet sich die App „Vie scolaire“ allerdings nur an ein paar Schulen zum Test im Einsatz.

Unterstützung statt Strafen

Es geht aber auch anders, wie ein Blick in den Süden Deutschlands zeigt: Der baden-württembergische Landkreis Böblingen reagierte unlängst auf steigende Schulschwänzer-Zahlen mit einer Verdopplung der finanziellen Förderung für das Hilfsprojekt „Trias“ auf insgesamt 120.000 Euro. Das Projekt soll notorischen Schulverweigerern helfen, wieder einfacher den Weg in den Schulalltag zu finden. Aus einem ganz einfachen Grund: Schulschwänzer handeln nicht immer aus Faulheit oder Unwillen heraus. In einigen Fällen kann die Abneigung gegenüber der Schule ein versteckter Hilferuf sein. Da wären härtere Strafen eher kontraproduktiv.

Betroffene Kinder leiden nicht selten unter Mobbing oder psychischen Erkrankungen wie Schulphobie. Darum macht häufiges Schwänzen vor keiner Schulform Halt. Leistungsdruck, Stress im Elternhaus oder die Pubertät stehen vielen Schülern im Weg, wenn es darum geht, den Unterricht regelmäßig zu besuchen. Auch ein falscher Freundeskreis oder zerrüttete Familienverhältnisse beeinflussen einige Schulschwänzer.

Diese Schüler brauchen Unterstützung – Unterstützung, die man ihnen in Böblingen gewähren möchte. Sich ihr Vertrauen zu erarbeiten, hat zu Anfang höchste Priorität, will man den Ursachen für häufiges Fehlen auf den Grund gehen – und diese bekämpfen. Das bedeutet oftmals eine enge Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrern und der Schulleitung. Kein einfaches, sondern ein sehr zeitintensives Unterfangen. Das Thema Schule nehme in den letzten Jahren jedenfalls zu, resümierte der stellvertretende Jugendamtsleiter im Landratsamt, Bernd Ulmer.

Von Eltern gefördertes Schulschwänzen

Kinder können in wenigen Ausnahmefällen mit Zustimmung der Schule von ihren Eltern für die Teilnahme am Unterricht entschuldigt werden. Dazu zählen beispielsweise Todesfälle oder Hochzeiten in der Familie. Kinder wegen anstehenden Urlaubsreisen aus der Schule zu nehmen, ist beispielsweise kein akzeptierter Grund.

Wenn Eltern sich dennoch entschließen, dem Nachwuchs ein paar ungerechtfertigte freie Tage zu bescheren, kann das ganz schön teuer werden – oft gehen Schulen wegen solchen Fällen nicht vor Gericht, wenn aber doch, kann es für die Eltern sehr unangenehm werden: 1.500 Euro Bußgeld können für ein fälschlicherweise beurlaubtes Kind fällig werden. Hamburg, Hessen und das Saarland gehen noch weiter und sehen in ihren Schulgesetzen sogar Freiheitsstrafen von bis zu sechs Monaten vor. Da überlegt man sich zweimal, ob die paar Euro Ersparnis für den billigeren Flug es wirklich wert sind – und hoffentlich auch, ob Schulschwänzerei Kindern am Ende nicht doch mehr schadet, als dass sie ihnen nutzt. Man will ja schließlich auch ein Vorbild sein – und geht deshalb montags brav zur Arbeit.