Machen die Bundesjugendspiele unsere Kinder krank?

Machen die Bundesjugendspiele unsere Kinder krank?

65 Jahre alt – und trotzdem noch so sportlich wie am ersten Tag: die Bundesjugendspiele. Eine Veranstaltung, die wohl jedem aus seiner Schulzeit in Erinnerung geblieben ist. Am 16. Juli 1951 rief der damalige Bundesminister des Inneren zum ersten Mal die Schüler zur Teilnahme auf. Seither kämpfen jährlich rund fünf Millionen Schüler bundesweit um die Sieger- und Ehrenurkunden. Und dabei möchte das Sportfest alles andere als angestaubt wirken: Eine moderne Vielfalt soll den spielerischen Faktor in den Fokus rücken, örtliche Sportvereine werden eingebunden und die Homepage bietet ein Programm zur Online-Auswertung inklusive App, was Schulen und Vereinen die Durchführung erheblich erleichtern soll.

Außerdem präsentieren sich die Spiele als erste gesamtstaatliche Veranstaltung in Deutschland, die den Grundsatz der Inklusion im vollen Umfang der UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt hat. Und bei all dem Trubel sollen traditionell noch immer Freude am Sport und das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt stehen.

Eine jährlich wiederkehrende Demütigung

Das Jubiläum ist aber nicht für alle ein Anlass zum Feiern: Bereits 2015 startete eine Mutter eine Petition gegen die Spiele, die sich direkt an die Ministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig richtet. Die Beweggründe sind klar: Die Veranstaltung würde die Schüler demotivieren und unter sozialen Druck setzen. Außerdem sei sie für viele weniger sportliche Schüler eine alljährlich wiederkehrende Demütigung. Denn wer nur mit einer Teilnehmerurkunde vom Platz geht, hat nicht nur seinen Ruf unter den Mitschülern weg, sondern zweifelt auch an der eigenen Leistung.

Dabei sollen die Spiele doch eigentlich Fairplay, Engagement und Teamgeist fördern. Die Initiatorin der Petition sieht das anders und plädiert dafür, die Bundesjugendspiele entweder abzuschaffen oder auf freiwilliger Basis stattfinden zu lassen. Die jetzige Form sei nicht mehr zeitgemäß.

Hopp oder top?

Was soll nun aus den Spielen werden? Und sind die Auswirkungen auf die Kinder wirklich so intensiv wie von den Gegnern angenommen? Wettbewerb gibt es immerhin nicht nur bei den Bundesjugendspielen: In der Schule, im Beruf und selbst im Vereinssport messen sich Menschen mit ihren Leistungen – und im letzten Fall sogar freiwillig. Das demotiviert im besten Fall nicht, sondern motiviert, besser zu werden.

Außerdem sind der Mathe- oder Englischunterricht auch keine freiwilligen Veranstaltungen, bei denen man sich selbst aussuchen kann, ob man sich den Prüfungen stellt oder eben nicht. Viel wichtiger ist, dass die Kinder mental unterstützt werden, auch solche Hürden im Leben zu nehmen – und das nicht nur im Sport. Denn betrachtet man das Sportfest mal aus einer anderen Richtung, sind die Bundesjugendspiele vielleicht gerade für sportliche Kinder, die in anderen Fächern keine großen Erfolge verbuchen können, eine Gelegenheit sich in der Schule zu beweisen.

Es soll ja auch Kinder geben, die den Trubel an diesem wohlgemerkt nur einmaligen Tag im Jahr genießen. Zumindest genießen sie es mehr an der frischen Luft zu sein als sechs Stunden Unterricht an diesem Tag zu haben – und dass in der Gewissheit, dass bald die Sommerferien folgen. Sind also die Bundesjugendspiele wirklich ein so großer Einschnitt ins Leben eines Kindes? Wahrscheinlich eher nicht, wenn man sich mit den Ängsten und Nöten der Kinder im Vorfeld auseinandersetzt – und ihnen klar macht, dass es bestimmt Wichtigeres im Leben gibt. Denn wenn wir mal genau nachdenken, fällt uns auch kein Erwachsener ein, der die Ehrenurkunde von damals heute noch dekorativ in der Wohnung hängen hat.