Lernt Fremdsprachen!
Wer viele Sprachen spricht, hat in der Berufswelt bessere Karten. (Schulranzen: Scout)

Lernt Fremdsprachen!

Das Schuljahr geht zu Ende und für viele Schüler wird es ernst: Wer mit guten Noten abschließt, verbessert seine Chancen auf begehrte Arbeitsstellen und Studienplätze. Noch bessere Karten haben Schüler, die mit vielen Sprachkenntnissen punkten können – gerne auch exotischen, denn Schulenglisch zählt mittlerweile zum Standard. Die Wirtschaft pocht auf Sprachvielfalt: Gerade eine Exportnation wie Deutschland ist im internationalen Handel auf Arbeitskräfte angewiesen, die sich in der Welt verständigen können – und wer mehrere Sprachen spricht, kann sich bei Bewerbungsgesprächen oder Lohnverhandlungen besser verkaufen.

Muttersprache plus zwei

Das Potenzial der Mehrsprachigkeit ihrer Bürger hat auch die EU für sich entdeckt: „M+2“ heißt die Empfehlung. Im Klartext: Neben seiner Muttersprache soll jeder Europäer noch zwei Fremdsprachen lernen. In der Umsetzung hapert es allerdings: In der EU lernte 2012 jedes Kind durchschnittlich 1,6 Fremdsprachen in der Schule – welche Fremdsprache (nach Englisch) in den einzelnen Ländern der EU gesprochen wird, zeigt diese Grafik. Deutschland blieb mit 1,3 Fremdsprachen unter dem Durchschnitt. Dabei wächst das Angebot an Deutschlands Schulen: Neben Klassikern wie Englisch, Französisch oder Spanisch bieten viele Schulen Unterricht in exotischeren Sprachen wie Chinesisch, Japanisch oder Arabisch an.

Je eher, desto besser?

In der Regel beginnt der Sprachunterricht in deutschen Schulen mit Englisch ab der 3. Klasse – im Alter von etwa 8 Jahren. Das variiert von Bundesland zu Bundesland. Die zweite Fremdsprache in Schulen mit höherem Bildungsabschluss beginnt bundesweit ab Klasse 7. Ist das jedoch nicht schon viel zu spät?

Die Meinungen von Experten gehen auseinander. Laut Befürwortern können Kinder, die zweisprachig aufwachsen, nur gewinnen: Ihr Denken und Handeln entwickelt sich schneller weiter und sie besitzen ein größeres Einfühlungsvermögen. Die Kinder lernen leichter, verarbeiten Informationen besser und können ihre Aufmerksamkeit gezielter lenken. Außerdem hilft der Wechsel zwischen zwei Sprachsystemen den Kindern, unwichtige Informationen auszublenden.

Nicht jedes Kind sollte bilingual aufwachsen

Gegner einer bilingualen Erziehung argumentieren allerdings, dass diese Vorteile nur zur Geltung kommen, wenn die Muttersprache beim Kind bereits gefestigt ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Kinder zwei Sprachen nur mittelmäßig sprechen oder willkürlich Wörter austauschen. Manche Kinder sind dann schlichtweg überfordert – Aufwachsen ist schon so nicht immer leicht. Die bilinguale Erziehung liegt auch nicht jedem Kind: Nur wenn es den erforderlichen Wissensdurst und die Sprachbegabung mitbringt, klappt der frühe Spracherwerb – unabhängig von der Intelligenz.

Und wenn, dann richtig: Eine neue Sprache muss ins tägliche Leben eingebunden werden. Intensität und Kontinuität des Kontakts mit der zweiten Sprache sind ausschlaggebend für den Erfolg. Da helfen zwei oder drei Stunden Sprachunterricht in der Woche nicht wirklich weiter. Im Kindergarten oder zu Hause können Kinder eine Fremdsprache unbewusst und ungesteuert aufnehmen – eben wie die Muttersprache. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn Teile der Familie die fremde Sprache sprechen. Aber es geht auch anders: In skandinavischen Ländern laufen internationale Filme im Fernsehen beispielsweise in den Originalsprachen mit Untertiteln – was junge Leute somit oft in den Kontakt mit Muttersprachlern bringt.

Es ist nie zu spät für eine Fremdsprache

Fremdsprachen lassen sich in jedem Alter noch lernen. Studenten beispielsweise könnten laut Forschern eine neue Sprache ebenso schnell wie ein Kind erlernen, da sie in der Lage sind, sich eine Lernstrategie zurechtzulegen – und außerdem schon über grammatikalische Grundregeln Bescheid wüssten. Auch die persönliche Motivation sei bei Erwachsenen oft höher, da Aufwand und Nutzen des Paukens eher eingeschätzt werden könnten.

Wann man also am besten mit einer Fremdsprache beginnt, hängt nicht zuletzt auch von den Lebensumständen ab. Empfehlenswert ist der Erwerb auf jeden Fall – da spielt der Zeitpunkt keine Rolle. Denn wer die Sprache eines Landes lernt, erweitert auch sein Bewusstsein und seine Toleranz für andere Kulturen. Und ein berühmter Deutscher stellte ja einst fest, dass wer fremde Sprachen nicht kennt, nichts von der eigenen weiß. Aber selbst dieser Herr musste sich in der Schule noch auf andere Fächer konzentrieren.