Homeschooling: Tipps zum Durchhalten.
Nicht überall läuft es so glatt mit dem Unterricht daheim. (Mäppchen: Scout)

Homeschooling: Tipps zum Durchhalten.

Es ist wie mit schlechtem Wetter. Man kann es nicht mögen, sich darüber ärgern, aber ändern ist ausgesprochen schwierig. Mehr als 8 Millionen Schüler in Deutschland und ihre Familien erleben gerade wohl die ungewöhnlichste Schulzeit seit Generationen. Lehrpläne, Unterrichtsstunden, Prüfungen und für manche sogar der Sportunterricht sind fast vollständig in die heimischen vier Wände eingezogen, eingeschleust durch kleine Kabel, ausgebreitet per WLAN. Homeschooling hat sich eingenistet – und jetzt müssen alle damit klarkommen. War der Unterricht daheim am Anfang eher eine sportliche Herausforderung für alle Beteiligten, ist mittlerweile klar, ohne eindeutiges System droht ein verlorenes Schuljahr.

Schule bleibt Schule

Neben der technischen Herausforderung ist das größte Problem offenbar die Motivation zur Routine. Der tägliche Schulweg ist kurz geworden, vom Frühstückstisch zum Schreibtisch im Kinderzimmer oder noch kürzer, gleich am Esstisch sitzen bleiben. Man muss kein Motivationstrainer sein, um hier eine Gefahr zu erkennen: Gemütlichkeit macht sehr schnell träge. Die Lehrer sind weit weg, also müssen Eltern ran und klare Grenzen ziehen – auch im eigenen Interesse und notfalls jeden Tag neu. Schule und Unterricht daheim braucht feste Zeiten, Plätze und Routine. Auch zu Hause ist ein Schulranzen ein sehr guter Ort, um Schulsachen aufzubewahren, statt sie in Küche, Wohn- und Kinderzimmer zu verteilen und dann in schöner Regelmäßigkeit nicht wiederzufinden. Sicher ist es nicht für alle Eltern einfach, immer die Übersicht zu behalten, aber klare Regeln machen es letztlich einfacher: Das sind die Schulzeiten, das ist dein Arbeitsplatz und das sind deine Aufgaben.

PC, Tablett und Smartphone

Spielekonsolen, Handys und Kinder gehen perfekt Hand in Hand. Die Kleinen kennen alle Tricks, können stundenlang still sitzen und sich mit den digitalen Medien intensiv beschäftigen. Sobald Schule ins Spiel kommt, funktioniert online und digital schnell nichts mehr. Verwunderlich ist das nicht, wenn man sich die Online-Angebote und Hilfsmittel der Schulen mal näher ansieht. Der gefühlt größte Teil ist von Tabellen-Fans für Tabellen-Fans gemacht und ähnelt der mittelalterlichen Bibliothek in „Der Name der Rose“. Wer kein Experte für Suchen und Finden ist, verliert. An dieser Stelle hilft nur Ausdauer (auch der Eltern beim Einarbeiten) und das eine oder andere Feedback an Lehrer, die möglicherweise selbst die Übersicht verloren haben, was sie wann wo hinterlegt haben. Und apropos hinterlegt: Passwörter unbedingt notieren! Zentral! Wer einmal gezwungen war, in einer Schul-Cloud brandeilig den Admin zu kontaktieren, macht diesen Fehler kein zweites Mal.

Pausen nicht verdaddeln

Das Schönste an der Schule sind die Pausen, heißt es. Aber jetzt ist der Pausenhof geschlossen. Die Pausen online zu verbringen ist reizvoll, aber besonders für den Nacken und die Augen keine gute Empfehlung. Seit Jahren ist bekannt, dass die Sehleistung durch übermäßige Bildschirmnutzung besonders bei Kindern schlechter wird. Und auch die Beschwerden an Rücken und Nacken nehmen Jahr für Jahr zu. Einziger Ausweg: Pause bedeutet Pause abseits vom Bildschirm.

Liebe Lehrer …

Erzieher und Lehrkräfte tun, was sie können, um ihren Job zu machen. Und viele würden gerne noch mehr machen, aber da sind oft der Datenschutz und die technische Ausstattung der Schulen ein echtes Hemmnis. Nicht jeder Computer darf benutzt werden, die Server sind überlastet und eigentlich ist ja auch niemand für Online-Unterricht ausgebildet worden. Aber dennoch gibt es Pannen, die man gerade diesem Berufsstand nicht zugetraut hat. Mal wird per Mail mitgeteilt, wo man sich die Aufgaben in der Schule abholen soll (weil der Absender nicht in der Lage ist, einen Anhang zu verschicken), ein anderes Mal werden Aufgaben für den nächsten Tag abends um halb neun versendet. Und als Hausaufgabe eine Vase aus Salzteig (der dazu überhaupt nicht geeignet ist!) formen zu müssen, ist eher Beschäftigungstherapie als gelungener Kunstunterricht.