Hilfe! Was kommt nach dem Abi?!
Erst mal alles ruhig angehen lassen? Oder gleich voll einsteigen ins Business? Mit den Leonhard Heyden Taschen aus den Serien Berlin und Boston hält man sich beide Optionen offen.

Hilfe! Was kommt nach dem Abi?!

15. Juli? Da ist doch was? Richtig, da endet bei vielen Hochschulen die Online-Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Studiengänge. Noch keine Ahnung? Egal! Was auch immer Studien-, Berufs- oder Personalberater sagen mögen: dass so ein Nichts-Jahr „später im Lebenslauf nicht besonders gut aussieht“. Oder übergangsweise einfach jobben? Dann doch bitte etwas, „das sich später auch gut im Lebenslauf macht“. Originalzitate einer Beraterin aus Düsseldorf, die von einer jungen Journalistin einfach so nachgeplappert wurden … Leute, wer so spricht, hat seinen Beruf als Berufsberaterin verfehlt. Und wenn wir auch nur einen Personalberater dabei erwischen, wie er sich von „Lücken“ im Lebenslauf im Alter zwischen 17 und 20 von der Prüfung der Persönlichkeit abhalten lässt, schmeißen wir ihn höchstpersönlich raus aus seinem Job.

Der Abiball als Muppet Show

Denn es ist doch so: Die wirklich guten G8er sind noch nicht einmal volljährig und haben ein Recht darauf, das Jahr, das sie in der Schule sparen mussten, im wirklichen Leben zu verplempern. Also in echte Erfahrung zu investieren. Trotz des Drucks der Eltern, der Berater, der Gesellschaft. Schlimm genug, dass sich 17-Jährige für ihren pompösen Abiball in Frack und Fummel schmeißen wie in der „Muppet Show“, weil sie glauben, sich gar nicht früh genug anpassen zu können und ein bisschen große weite Welt spielen zu müssen. Wie bitte? Mit 17 hat man noch Träume, die sich nicht darum drehen sollten, möglichst schnell möglichst viel Geld zu verdienen. Ein Studienrat: Viel Geld verdient man eher nach dem Studium der Zahnmedizin, Betriebswirtschaftslehre oder Jura als nach Sozialwissenschaften, Geschichte oder Architektur.

Laut einer etwas älteren Studie des Hochschul-Informations-Systems hatten bereits 2010 mehr als 42 Prozent der Abiturienten das Gefühl, die Menge der Berufsmöglichkeiten nicht überschauen zu können. Das dürfte kaum besser geworden sein, denn wie viele Studiengänge soll es inzwischen geben? 19.000? Oder noch ein paar mehr? Und der Leistungs- und Erwartungsdruck in unserer Beschleunigungsgesellschaft steigt und steigt und steigt. Bloß nicht die Digitalisierung verschlafen! Bald wird man wohl schon von Erstklässlern online einen kompletten Lebensplan in schriftlicher Ausführung fordern. Und fördern.

Irrwege gehören zum Leben

Dabei sagen andere Berater als die oben erwähnte, dass Irrwege und Missverständnisse nun mal zum Leben gehören. Aber anstatt Fehler zu machen, wozu auch ein Studium gehören kann, dessen Abbruch kein Fehler sein muss, machen die jungen Leute aus lauter Angst davor, Fehler zu machen, lieber gar nichts und werden von Strebern als Verlierer abgestempelt. Oder landen auf der Couch, wie eine Psychotherapeutin berichtet, die ihren Namen nicht genannt haben will, weil sie schon mehr als genug junge Patienten mit Versagensängsten und eine Warteliste von mehreren Monaten hat.

Deswegen: Ruhig mal ein halbes oder ganzes Jahr abhängen, rumlosen, ausprobieren. Eure 50 Jahre Berufsleben werden schon noch zusammenkommen. Schlaft aus, geht feiern und entdeckt die Welt. Und wenn es denn irgendwie verwertbar sein soll: Es gibt genügend Überbrückungsmöglichkeiten von Au-Pair über freiwilliges Jahr bis hin zu Praktika im In- und Ausland, wobei wir jetzt nicht in jenes Beratergeschwätz einstimmen wollen, in einem Jahr schon vier Auslandssemester in fünf Ländern gesammelt haben zu müssen. Darum verlinken wir hier auch nicht auf einschlägige Anbieter für „nach dem Abitur“ oder auf die Bundesagentur für Arbeit mit ihren Jobs und Praktika im Ausland, die zum Zeitpunkt der Recherche vor allem eines anbietet: das Disneyland Resort in Paris. Na toll! Als Micky Mouse kann man auch ohne Vermittlung dumm durch die Gegend laufen.

Und was sagt das Borakel?

Lohnenswerter wäre vielleicht ein Studium generale, das auch das Leben selbst sein kann. Oder ein Blick in das „Borakel“,  das 2005 an der Ruhr-Uni Bochum entwickelt wurde. Der Autor dieser Zeilen, der übrigens nach einem abgebrochenen und einem überbrückenden Studium sowie verschiedenen Jobs (Versandarbeiter, Plattenverkäufer, fotografischer Assistent) auch erst mit 25 auf die Spur gekommen ist, auf der er geblieben ist – nämlich Autor dieser Zeilen zu werden –, hat das mal getestet. Interessanterweise lag das Borakel nach 11 Minuten im Beratungstool zu 100 % ziemlich richtig: irgendwas mit Medien, wobei Modedesigner (92 %) oder Kulturwissenschaftler (85 %) auch nicht schlecht gewesen wäre. Bloß über die 23 % Sensorik, liebes Borakel, da müssen wir noch einmal drüber sprechen! Und ansonsten, Leute: Nicht für die Schule und nicht im Studium – im Leben lernt ihr …