Geschminkt in die Schule?

Geschminkt in die Schule?

Irgendwann taucht sie bei allen Eltern einer Tochter auf, diese Frage: „Geschminkt in die Schule?“ Und wenn man auf der Suche nach Antworten ist, ob nun in Gesprächen oder in diesem Internet, gibt es vor allem eines: Diskussion. Viele Pros, viele Contras. Von Verfechtern ungeschminkter Natürlichkeit über gemäßigte Ansichten darüber, wie viel Make-up im Gesicht einer Heranwachsenden denn angemessen sei, bis hin zu Befürwortern eines Lady-Gaga-Looks ist alles dabei.

Aus den Beiträgen einschlägiger Online-Foren lässt sich herauslesen, dass es bisher noch keinen Konsens auf diese Frage gibt. Vor allem Mütter diskutieren über ihre (vor)pubertierenden Töchter, bei denen sie ein zunehmendes Interesse an Schminke feststellen: Was ist normal? Wie ist das bei anderen Mädchen? Ab welchem Alter darf oder sollte sich das eigene Kind wie stark schminken? Die elterliche Verunsicherung und Verwirrung scheint kein Ende zu nehmen.

Mamas, wie war und ist das eigentlich bei euch?

Mütter, die irritiert die ersten Kajalspuren im Gesicht ihrer Töchter bemerken, stellen sich auch gleich die Frage: Wann habe eigentlich ich mit dem Schminken angefangen? Und: Wie und in welchem Maße gehe ich als erwachsene Frau damit um? Braucht die Mama morgens im Bad eine Stunde, um sich mit Make-up aufzuhübschen, kann sie ihrer Tochter schlecht verbieten, es ihr gleichzutun, auch wenn es ihr lieber wäre, dass die Jüngste frei von Concealer und Lippenstift zur Schule geht. Spielt Schminke im Leben der Mutter überhaupt keine Rolle, muss sie dennoch damit rechnen, dass die Große dieses Thema eines Tages zusammen mit ihren Klassenkameradinnen für sich entdecken und ausprobieren wird.

Wie mediale Vorbilder und Botschaften noch mehr verwirren

Die wahrscheinlich gravierendsten Widersprüche dürften öffentliche Vorbilder und Medien auslösen. Beauty-Bloggerinnen erklären in zahlreichen YouTube-Tutorials detailliert, wie ein natürlicher Look zu schminken ist. Klatschmagazine feiern die vollständige Abkehr US-amerikanischer Sängerinnen und Schauspielerinnen vom Make-up, wundern sich aber im nächsten Heft über unvorteilhafte Nahaufnahmen, auf denen jene Frauen neuerdings so müde aussehen würden (und ob das mit der Trennung von Herrn XY zusammenhängen könnte). Niemand würde auf die Idee kommen, Models in der Werbung ungeschminkt für Produkte werben zu lassen. Aber im nächsten Werbespot soll uns die Botschaft überzeugen, dass jede Frau auf natürliche Weise schön sein kann.

Sich in diesem Dickicht aus Widersprüchlichkeiten zurechtzufinden, fällt oftmals selbst erwachsenen Frauen schwer. Wie muss das alles erst auf eine 13-Jährige wirken, deren Berührungspunkte mit Make-up möglicherweise von ihrer ersten Barbie herrühren? Hinzukommt das Überangebot an verschiedenen Schminkutensilien, bei denen frau oft selbst nicht genau weiß, wofür die alle gut sein sollen und die ihnen vor dem Drogerieregal etliche Entscheidungen abverlangen (zum Glück gibt es ja Schmink-Tutorials!).

Es ist doch nur Make-up

Wie man mit dem Thema Schminken in Schulen umgeht, ist noch mal eine ganz andere Frage. Zwar gab es im Sommer schon heiße Diskussionen über angemessene Schulkleidung, Stichwort Hot Pants, wie hier zu lesen ist. Mit Vorschriften und Dresscodes aber tut man sich aber in öffentlichen Schulen schwer – im Gegensatz zu privaten, wo es vor allem in anderen Ländern strenge Regeln und Schuluniformen gibt. Ohnehin kommen mit generellen Verboten auch die Eltern nicht wirklich weit. Letztendlich hat uns die Vergangenheit schon oft genug gelehrt, dass Verbotenes dadurch nur noch interessanter für Jugendliche wird und sie es dann erst recht und vor allem heimlich machen. Und solange eine globale Kosmetikindustrie Milliardenumsätze mit Make-up macht, werden Foundation, Mascara, Lidschatten und Rouge nicht aus den Drogerieregalen oder dem Alltag vieler Frauen verschwinden.

Eltern und Lehrern müssen aber vor wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und pubertären Gegebenheiten nicht kapitulieren. Viel wichtiger als die Frage, ob ein Mädchengesicht geschminkt sein muss oder nicht, ist doch, den Fokus nicht allzu sehr auf Äußerlichkeiten zu legen. Make-up ist genauso wie die Wahl der Kleidung etwas, dass jeder jeden Tag selbst für sich entscheiden kann – nicht mehr und nicht weniger. Junge Mädchen sollten nicht vermittelt bekommen, dass ihr Aussehen ein Streitpunkt bei Erwachsenen ist. Sie sollten stattdessen zu selbstbewussten, unabhängigen und gebildeten Frauen heranwachsen können – mit oder ohne Schminke.

 

 

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