Eine Schriftart die schlauer macht?
Die Schriftart Sans Forgetica ist nichts für Lernanfänger. Ein Mäppchen von Scout schon.

Eine Schriftart die schlauer macht?

Knoten im Taschentuch, Eselsbrücke oder Gedächtnispalast haben wie die meisten anderen Merkmethoden große Nachteile. Um einen funktionierenden Gedächtnispalast wie Sherlock Holmes zu erbauen, bedarf es Monate bis Jahre des Trainings. Tragfähige Eselsbrücken für moderne Wissensgebiete gibt es so gut wie keine. Die Speicherkapazität eines Taschentuchs ist überschaubar gering. Psychologen und Designer der RMIT-Universität in Melbourne, Australien, setzen mit ihrer Lernhilfe beim Lesen an. Weil die typischen Schriftarten wie Times oder Arial sich sehr leicht lesen lassen, können geübte Leser große Textmengen in kurzer Zeit durchlesen. Doch die Details werden dabei auch schnell überlesen oder sind bald schlicht wieder vergessen. Die neue Schriftart Sans Forgetica ist dagegen so gestaltet, dass sie das Lesen verlangsamt. Löcher und Lücken in Buchstaben und Zahlen fordern mehr Konzentration, eine Neigung der Zeichen nach links unterstützt den Effekt.

Tests mit Studenten belegen durchschnittlich 10 Prozent mehr gemerkte Informationen. Dazu wurden wichtige Textpassagen statt in den üblichen in der Schriftart Sans Forgetica gesetzt. Statt also mit einem farbigen Marker auf Papier oder in elektronischen Dokumenten wichtige Stellen mit einer anderen Schriftfarbe hervorzuheben, ändert man die Schriftart des zu lernenden Textes. Von der Website der RMIT-Universität lässt sich die Schriftart kostenlos für PC und MAC herunterladen, außerdem eine Browsererweiterung für alle, die viel im Internet lesen und recherchieren.

Wie gut Sans Forgetica als Lernhilfe funktioniert, kann jeder selbst ausprobieren und wird dabei schnell drei Haken finden. Erstens: Flüssig lesen zu können ist Grundvoraussetzung. Wer sich mit „normalen“ Schriftarten schon schwer tut, etwa ein Grundschüler, wird an Sans Forgetica verzweifeln. Zweitens: Das Lesen langer Texte in dieser Schriftart ist sehr ermüdend – bis zum Kopfschmerz. Und drittens: Je öfter man sie einsetzt, desto leichter wird sie lesbar. Das wiederum führt dazu, dass der Lerneffekt sich im Lauf der Lesezeit abschleift. Und dann muss wieder eine neue Schriftart her. Oder der gute alte Marker, analog wie digital.