Digitalisierung im Schneckentempo
Fortschritte in der Digitalisierung von Schulen gibt es bisher nur langsam...

Digitalisierung im Schneckentempo

Schulen sollen digitaler werden und unsere Kinder fit machen für die digitalisierte Welt. Doch wie soll das gehen, wenn es schon an den Grundlagen mangelt? Nur jede dritte Schule verfügt über schnelles Internet und WLAN. Das ergab eine neue bundesweit durchgeführte forsa-Umfrage. Im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) wurden 1.232 Schulleitungen allgemeinbildender Schulen befragt. Im Vergleich zu einer Umfrage von 2014 gibt es zwar Fortschritte in der Digitalisierung der Schulen, doch diese halten trotzdem nicht Schritt mit der tatsächlichen Weiterentwicklung in Gesellschaft und Arbeitswelt. Für die digitale Schule braucht es pädagogische Konzepte, geschultes Personal und gute Ausstattung. Aber besonders an der Infrastruktur hapert es laut der Umfrage noch.

Digitalwüste

An 63 % der Schulen gibt es nicht in allen Klassen- und Fachräumen WLAN und einen Zugang zu schnellem Internet. Manche Schulen haben sogar überhaupt kein drahtloses Internet, wie schon die Bertelsmann Stiftung im „Monitor Digitale Bildung“ bemängelt hat. Das ist besonders vom Standort abhängig: Was schnelles Internet angeht, gehört Deutschland im internationalen Vergleich noch immer zu den Schlusslichtern. Vor allem in ländlichen Gebieten und im Osten Deutschlands hinkt der Breitbandausbau hinterher. Und das betrifft eben auch die Bildungseinrichtungen.

Was digitale Endgeräte angeht, sind Lehrer und Schüler ebenfalls noch längst nicht ausreichend ausgestattet. Nur an 19 % der Schulen haben alle Lehrkräfte einen Dienst-PC. Immerhin haben aber an knapp der Hälfte der befragten Schulen alle Lehrer eine dienstliche E-Mail-Adresse. Doch an jeder dritten Schule verfügen sie weder über einen dienstlichen Computer noch eine E-Mail-Adresse. Dabei sind besonders Grundschullehrer schlecht ausgestattet. Und auch für die Schüler fehlt die Technik: Gerade einmal ein Drittel der Schulleitungen gab an, dass für die Schüler mindestens ein Klassensatz an Tablet-PCs und Smartphones verfügbar ist. An zwei Dritteln der Schulen fehlt eine solche Ausstattung.

Keine Lösung

Wo es an Ausstattung fehlt, kann ein digitaler Unterricht nicht stattfinden – oder die Lehrkräfte müssen auf die Methode „Bring your own device“ zurückgreifen. Das heißt, die Schüler bringen ihre eigenen Geräte in den Unterricht mit. Doch nur an wenigen Schulen (18 %) wird diese Methode angewandt, denn sie bringt viele Probleme mit sich: Nicht alle Kinder haben (schon) ein Smartphone oder Tablet und es besteht die Gefahr, dass Kinder wegen veralteter oder „uncooler“ Technik gemobbt werden. So widerspricht die Methode dem Anspruch, Schulbildung unabhängig zu machen vom sozio-ökonomischen Status der Eltern. Davon abgesehen kann die Qualität des Unterrichts leiden, denn die Lehrer müssen Funktionen auf verschiedenen Geräten und unterschiedlichen Systemen gleichzeitig erklären. „Bring your own device“ kann die schlechte Ausstattung der Schulen also nicht ausgleichen.

Was Lehrer selbst tun müssen – und was nicht

Eine weitere Baustelle ist die Instandhaltung der IT-Ausstattung. Es reicht nicht, die Geräte anzuschaffen, sie müssen auch gepflegt und regelmäßig aktualisiert werden. Dafür müssten die Schulen IT-Fachpersonal beschäftigen, doch an 62 % der Schulen übernehmen einzelne Lehrkräfte diese Aufgaben. Aber nicht alle Lehrer verfügen über Kompetenzen im Umgang mit digitalen Endgeräten. Teilweise ist sogar eine regelrechte Verweigerungshaltung unter den Lehrkräften zu beobachten. So ist auch die richtige Vorbereitung und Fortbildung der Lehrer noch immer eine große Herausforderung. Laut Umfrage bilden sich 72 % der Lehrkräfte privat fort, 65 % konnten an Fort- und Weiterbildungen teilnehmen und 58 % haben sich mithilfe anderer Lehrer notwendige Kenntnisse angeeignet. Dabei sollte Fortbildung kein Privatvergnügen sein. Daher fordert der VBE vom Staat angebotene, bezahlte und qualitativ hochwertige Fortbildungen für alle Lehrkräfte, die diese während ihrer Dienstzeit besuchen können.

5 Milliarden sind nicht genug

Der VBE sieht die Politik in der Pflicht, die entsprechenden Bedingungen für eine schnellere erfolgreiche Digitalisierung der Schulen bereitzustellen. Neben den Geldern des Bundes brauche es außerdem kräftige Investitionen der Länder und Kommunen. Das bestätigt auch die Bertelsmann Stiftung. Diese hat einen Bedarf von jährlich rund 2,8 Milliarden Euro errechnet, um in den nächsten fünf Jahren alle Grundschulen und weiterführenden Schulen mit der nötigen Infrastruktur für digitalen Unterricht auszurüsten. Der Digitalpakt des Bundes sieht vor, in den nächsten fünf Jahren 5 Milliarden Euro zu investieren. Ob das ausreicht, um schnell eine flächendeckende Digitalisierung der Schulen zu erreichen, bleibt abzuwarten.