Brauchen unsere Lehrer bald Selbstverteidigungs-Kurse?

Brauchen unsere Lehrer bald Selbstverteidigungs-Kurse?

Hatten einst die Schüler Angst vor ihren Lehrern, hat sich dieses Verhältnis inzwischen gewandelt. Zumindest ist dies das Ergebnis einer bundesweiten Studie, die der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) in Auftrag gegeben hat. Der Verband sieht darin bestätigt, was er schon seit Längerem meint, zu beobachten: Schüler teilen immer öfter nicht nur verbal, sondern auch körperlich gegen Lehrer aus.

Sechs von 100 befragten Lehrern wurden laut der Umfrage in den letzten fünf Jahren einmal von einem Schüler körperlich angegriffen. Opfer von Bedrohung, Beleidigung, Beschimpfung und Mobbing – also psychischer Gewalt – wurden sogar 23 % der Befragten. Vergleichszahlen zu diesem Thema gibt es bislang keine.

Der Schnürsenkel als Schülers Garotte

Die Fälle körperlicher Gewalt konzentrieren sich auf Grund- (12 %) sowie Förder- und Sonderschulen (38 %), währenddessen alle anderen Schultypen weniger auffallen (unter 3 % ).

Aufsehen erregt hatte ein Fall in Niedersachen, bei dem ein 14-jähriger Gymnasiast auf Klassenfahrt seinen Lehrer mit einem Schnürsenkel gewürgt haben soll, nachdem ihm der sein Handy abgenommen hatte. Nicht angezeigte Fälle werden freilich nicht immer solch ein dramatisches Ausmaß annehmen.

Laut VBE werden die meisten Fälle nicht öffentlich. Bei gemeldeten Fällen schritten die Schulaufsichten mit Verweis auf den Schulfrieden zudem häufig nicht ein.

Cybermobbing und Beleidigungen

Im Gegensatz zur körperlichen Gewalt ist die Verteilung bei psychischer Gewalt,
auf die unterschiedlichen Schultypen etwas breiter gestreut. Die Hauptschulen mit 45 % sowie die Förder– und Sonderschulen mit sogar 49 % stechen zwar heraus. Aber auch an Grundschulen (28 %), Realschulen (22 %), Gesamtschulen (24 %) und Gymnasien (13 %) werden Lehrer Opfer von Beleidigung, Bedrohung, Mobbing und Cybermobbing.

Von letzterem Phänomen sind, laut Zahlen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), allgemein 12 % aller Internetnutzer zwischen 14 und 39 Jahren betroffen. Lehrer sind insbesondere Ziel auf Bewertungsplattformen im Internet, auf denen sie von Schülern anonym bewerten werden können.

Ursachen und Konsequenzen

Die Ursachen für Gewalt gegen Lehrer sieht der Bundesvorsitzende des VBE Udo Beckmann in der Verrohung der Gesellschaft und speziell in der Verrohung der Sprache. Aggressivere Sprache führt schneller zu verbalen Übergriffen und in der Folge auch schneller zu aggressivem Verhalten und Handgreiflichkeiten – Neurologen beobachten durchaus solche Zusammenhänge.

Inwiefern bei den Zahlen – wie an manchen Stellen zu lesen – von „zunehmender Gewalt“ gesprochen werden kann, ist mangels Vergleichszahlen schwer zu sagen. Gegen die Verrohung der Sprache und der Gesellschaft wird allerdings nur gute Bildung helfen – wenn die nicht gerade im Krankenhaus liegt.