Angst vor der Schule
Panik vor der Schule beeinträchtigt den Alltag vieler Kinder.

Angst vor der Schule

Montagmorgens hat Martina Angst. Denn da hat sie in der ersten Stunde Physik. Eigentlich war sie nie schlecht darin – seit diesem Schuljahr ist das anders. Sie hat einen neuen Lehrer und das Gefühl, dass der sie nicht leiden kann. Sonntagabend fängt es bereits mit Bauchschmerzen an. Sie schläft unruhig, wacht immer wieder von Albträumen geplagt auf. Montags geht sie begleitet von Schweißausbrüchen zum Unterricht – und hofft, dass sie bei der mündlichen Abfrage nicht aufgerufen wird.

Welche Schüler sind betroffen?

Wie Martina geht es vielen Schülern in Deutschland: Rund elf Prozent haben Angst vor der Schule. Jungs trifft es häufiger als Mädchen und Gymnasiasten öfter als Schüler anderer Schulformen. Es sind besonders leistungswillige, fleißige Kinder mit viel Feingefühl und guten Manieren, die Panik vor der Schule haben – in vielen Fällen Einzelkinder.

Woran erkennt man Schulangst?

Gründe für Schulangst gibt es viele: Leistungsdruck, Mobbing durch Mitschüler oder angespannte Verhältnisse zu bestimmten Lehrern. Allein Ereignisse wie Matheaufgaben an der Tafel vorzurechnen oder im Sportunterricht vorturnen zu müssen, können eine Schulphobie auslösen. Die Kids sprechen meist nicht darüber. Was sie nicht im Stande sind zu sagen, äußert dann ihr Körper:

  • Zittern
  • Schweißausbrüche
  • Bauchschmerzen
  • Kreislaufattacken

und in besonders harten Fällen sogar

  • Herzrhythmusstörungen oder
  • Ohnmachtsanfälle

Die Sorgen beginnen oft in der siebten oder achten Klasse – dann, wenn der Leistungsdruck und das Konkurrenzklima in der Klasse steigen. Hier bemerken viele Schüler, dass sie eigentlich in der falschen Schule stecken. Selbst wenn sie mithalten können und sich durchbeißen, ist die Lust am Lernen meist dahin.

Von jedem Jahrgang schließen rund 30 Prozent mit Abitur die Schule ab. Aber deutlich mehr Kinder landen auf Wunsch der Eltern im Gymnasium, ohne die Voraussetzungen dafür zu haben … und müssen dann mit dem Gefühl des Versagens klarkommen, wenn sie auf Schulen mit niedrigerem Bildungsabschluss zurückgestuft werden. Sind jetzt auch noch die Eltern enttäuscht, bedeutet das viel Druck für die junge Seele – und schmälert die Lust an der Schule. Aber ist das schon Schulangst?

Unlust oder Angst vor der Schule?

Im Gegensatz zur Schulunlust lastet die Schulangst auf der Seele: Sie ist oft ein Resultat der Angst vorm Versagen. Das Angstzentrum unseres Gehirns speichert negative Momente. Werden mit Englischarbeiten oder Sportübungen unschöne Ereignisse in Verbindung gebracht, schrillen die Alarmglocken in unserem Gedächtnis. Kinder können dann mit Weinkrämpfen, Beschwerden oder Verweigerung reagieren. Nun gilt es, den Leistungsabfall und den Zeitpunkt zu beobachten. Bleiben die Leistungen dauerhaft schlecht, ist Vorsicht geboten – genauso, wenn ein Kind immer zu bestimmten Zeiten über Unwohlsein klagt.

Jetzt eine Entschuldigung zu schreiben, wirkt kontraproduktiv. So hart es sich anhören mag: Kinder müssen lernen, sich ihren Problemen zu stellen. Gegen Angsterfahrungen helfen positive Erlebnisse am besten – und wenn man nicht zu viel von den jungen Menschen verlangt. Übereifrige Kinder hingegen muss man auch mal bremsen. Ehrgeiz ist gut, aber nur in einem gesunden Maß. Bleiben Kopf- oder Bauchschmerzen trotzdem präsent, ist der Rat eines Psychologen oder Experten für seelische Probleme gefragt. Bei Mobbing durch Mitschüler oder Lehrer unbedingt mit dem Klassenlehrer oder Schuldirektor sprechen.

Martinas Eltern haben mit ihr über das Problem gesprochen – und das Thema beim nächsten Elternabend mit ihrem Lehrer diskutiert. Der war sich Martinas Angst gar nicht bewusst und hat sein Verhalten ihr gegenüber geändert. Seither klappt es wieder mit der Physik. Und Martina geht wieder ohne Bauchschmerzen zum Unterricht – so wie es sein sollte.