Wie schädlich ist zu wenig Schlaf?
34 Millionen Deutsche kommen unausgeschlafen zur Arbeit und gefährden ihre Gesundheit und den Job (Tasche: Leonhard Heyden).

Wie schädlich ist zu wenig Schlaf?

Erst eine Tasse Kaffee und dann an die Arbeit. Ohne dieses Ritual kommen viele überhaupt nicht in die Gänge, auch nicht am Arbeitsplatz. Doch der beliebte Koffein-Schub reicht bei weitem nicht aus, um den allgegenwärtigen Schlafmangel auszugleichen. Stimmt die Studie der DAK, dann haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein ernstes Problem: Der Stress im Job lässt uns nachts nicht schlafen, der Schlafmangel erhöht den Stress im Job, die Leistung sinkt. Die Zahl der Betroffenen mit Problemen beim Ein- oder Durchschlafen ist seit 2010 bis zur Fertigstellung der Studie um zwei Drittel auf 34 Millionen gestiegen. Die wenigsten allerdings gehen zum Arzt, sondern schlucken rezeptfreie Schlafmittel oder schleppen sich halt irgendwie durch. Nur etwa 5 Prozent wenden sich an einen Mediziner und die vermuten schon lange einen Zusammenhang von Schlafmangel und zunehmender Zahl psychischer Erkrankungen. Wird eine Schlafstörung vom Arzt erkannt, folgt in der Regel eine Krankschreibung über durchschnittlich elf Tage, jeder zweite Patient erhält Medikamente, jedem dritten wird sogar eine Psychotherapie empfohlen.

Termine, Leistungsdruck, Überstunden, Schichtarbeit und Erreichbarkeit sind die größten Risikofaktoren am Arbeitsplatz. Zu Hause sind es dann zu viel Fernsehen, Computer- und Smartphone-Nutzung, die einen nicht zur Ruhe kommen lassen. Prof. Ingo Fietzke, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Berliner Charité, sieht den Schlaf in eine Nebenrolle gedrängt und warnt: „Der Körper braucht aber Zeit, um nach einem stressigen Tag abzuschalten und sich auf den Schlaf einzustellen. Diese Zeit müssen wir ihm gönnen.“ Und Selbsthilfe mit freien Medikamenten ist keine gute Lösung. Bereits jeder vierte Patient nimmt Schlafmittel länger als drei Jahre – ohne ärztliche Aufsicht.

Diese Forschungsergebnisse sehen in Schlafstörungen auch ein frühes Anzeichen von Alzheimer bzw. Schlafmangel als eine Ursache späterer Demenz. Einige giftige Stoffwechselprodukte werden nämlich nur im Schlaf aus dem Gehirn beseitigt. Wer zu wenig schläft, erhöht also das Risiko an Alzheimer zu erkranken.

Vor dem Gang zum Arzt empfiehlt es sich, eigene Schlafgewohnheiten zu überprüfen. Manchmal wirken kleine Veränderungen schon wahre Wunder.

Schlafklima: 18 Grad gelten als ideale Schlaftemperatur und im Zimmer sollte es dunkel und leise sein. Gegen störende Geräusche gibt es Ohrenstöpsel. Fernseher, Computer oder Handy sind am Bett tabu.

Richtig gebettet: Gut ist eine Matratze dann, wenn Schultern und Becken in Seitenlage leicht einsinken und die Wirbelsäule eine Linie bildet – vor dem Kauf also eine Runde Probeliegen! Und je nach Jahreszeit hilft eine dünne Decke im Sommer und eine dicke im Winter die Körpertemperatur zu regulieren. Waschbare Überzüge, Decken und Kissen sind nicht nur für Allergiker empfohlen.

Der Bauch ruht auch: Ist der Magen zu voll, schläft es sich so schlecht wie mit einem leeren. Die Abendmahlzeit sollte daher etwa vier Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen werden und leicht verdaulich sein. Deftiges oder blähendes Essen ist erlaubt, wenn man es verträgt, alle anderen verzichten besser auf fettes Fleisch, Kohl oder Vollkornbrot.

Kein Kaffee, kein Wein: Je nach persönlichem Tagesrythmus stören koffeinhaltige Getränke nach 15 Uhr das spätere Einschlafen. Und ein Glas Wein mag zwar in den Schlaf helfen, doch Alkohol bringt Schlaf- und Traumphasen durcheinander, die Nachtruhe verkommt.

Rechtzeitig runterschalten: Zur Vorbereitung auf eine gute Nacht, muss man den Tag innerlich beenden. Wer sich Rituale antrainiert, schaltet schneller ab, sei es durch einen Spaziergang, den gezielten Wechsel in Wohlfühlkleidung oder eine kurze Dusche. Was einem gut tut, kann jeder selbst ausprobieren.

Arzt oder Apotheker: Schlaftabletten sind ein wirksamer Helfer, doch sie können auch Nebenwirkungen haben, abhängig machen und sie beseitigen nicht die Ursachen von Schlafstörungen. Aus diesen Gründen sollten sie nur in Absprache mit einem Arzt eingenommen werden. Nach schwierigen Tagen sind Baldrian-Präparate eine Alternative.

Schlafkontrolle: Ob mit Schlaftagebuch, App oder Fitnesstracker: Protokolle zum persönlichen Tages- und Nachtablauf helfen ebenfalls, Ruhe in den Alltag zu bringen und dem Arzt genauer Auskunft geben zu können, wann man wie lange gut oder schlecht im Bett gelegen hat.

Bleiben diese Tipps erfolglos, sprechen Sie unbedingt mit ihrem Hausarzt statt Ihre Gesundheit zu verpennen.