Wespen-Alarm allerorten!

Wespen-Alarm allerorten!

Die ersten Vorboten waren schon im April zu sehen – und das nicht wenige. Inzwischen ist auch der letzten Kaffeerunde klar: 2018 ist ein Superjahr für Wespen. Das liegt vor allem an dem trockenen und warmen Frühling – der nahtlos in einen noch trockeneren und wärmeren Sommer überging.

Im Gegensatz zu Bienen, von denen etwa die Hälfte den Winter überleben (Sommerbienen wie der Name schon sagt nicht), sind die Wespenköniginnen die ersten und einzigen ihres Staates, die sich aufgemacht haben, um einen neuen zu gründen. Wenn die ersten Arbeiterinnen ausgebrütet worden sind, haben die erst einmal genug zu tun, ihren Nachwuchs aufzuziehen. Im Hochsommer sind die Staaten dann so groß und stark geworden, dass sich die Arbeiterinnen auch anderweitig umgucken – und uns beim Grillen oder an der Kaffeetafel im Freien nerven.

Wenn man dann die Biester am Tisch hat und nicht loswird, fällt es manchmal schwer, das zu sagen, aber: Wespen sind nützlich. Denn meist ernähren sie sich von anderen Insekten (vor allem nicht minder nervige Fliegenarten) oder als Gesundheitspolizei auch von Aas. Die unangenehmsten ihrer Art sind eigentlich nur – das steckt ja fast schon in den beiden Namen – die Gemeine und die Deutsche Wespe. Aber generell sind alle von diesen schwarz-gelb beziehungsweise braun-gelb gestreiften Flugsubjekten nützlich. Nicht ganz so sehr wie die bestäubenden Bienen und Hummeln (die fast nie stechen) – aber trotzdem. Die größte Wespenart steht sogar unter ganz besonderem Schutz, weil sie vom Aussterben bedroht und wichtig für den Naturhaushalt ist. Ja genau, die Hornisse, aber keine Angst: Auch wenn einem die großen Brummer ganz schön Respekt einflößen können – viel mehr Gift als Wespen oder Bienen haben sie nicht. Von wegen drei Hornissenstiche töten einen Menschen und sieben ein Pferd.

Weil immer noch so viele Missverständnisse in der Luft umherschwirren, hier ein paar Tipps und Hinweise zu Wespen allgemein.

  • Cool bleiben, wenn sie in der Nähe sind. Hektisches Fuchteln macht sie aggressiv – und dann stechen sie.
  • Auch Anpusten ist keine gute Idee, weil das Kohlendioxid unseres Atems sie ebenfalls aggressiv macht.
  • Keine Fallen aufstellen, weil Wespen in Todesgefahr Duftstoffe ausströmen, die Artgenossinnen alarmieren und anlocken.
  • Besser also Stinkbomben aufstellen, die die Wespen vertreiben. Neben allerlei käuflichen Duftkerzen und Co. kann man auch selbst was basteln.
  • Als für uns eher angenehm riechendes Hausmittel funktioniert eine mit Gewürznelken gespickte Zitrone, dazu ein Bund Basilikum.
  • Der metallische Geruch von Geldstücken mit hohem Kupferanteil ist auch unbeliebt. Angeblich sollen auf dem Tisch verteilte 5-Cent-Stücke ein prima Abwehrmittel sein.
  • Auch kokelndes Kaffeepulver hilft, also: In ein kleines feuerfestes Gefäß etwas Kaffee geben und am besten mit einem langen Streichholz entzünden. Kann ziemlich qualmen, aber riecht nicht so schlimm.
  • Oder man startet ein Ablenkungsmanöver: An den Tisch mit den Lieblingsgästen (die mit dem Parfum und den bunten Klamotten – das zieht die Viecher nämlich auch an) stelle man eine Schale mit überreifen Weintrauben, die von den Wespen noch vor Fleisch, Kuchen oder Limo bevorzugt werden sollten.
  • Apropos Limo: In der Hochsaison besser nicht aus Flaschen trinken, oder wenn, dann nur mit Strohhalm.
  • Barfuß über Obstwiesen laufen ist jetzt auch nicht eine so gute Idee.
  • Beruhigend: Erst ab 500 bis 1.000 Stichen wird’s brenzlig. Es sei denn, man reagiert allergisch – dann kann schon ein einziger Stich gefährlich sein.
  • Wenn keine Spezialsalbe zur Hand ist: Als Hausmittel zur ersten Linderung kann tatsächlich Spucke oder eine Zwiebelscheibe helfen.

Noch was zu den Nestern – zu allererst und am allerwichtigsten denen von Hornissen. Wenn man keine Genehmigung der Naturschutzbehörde hat, ein Nest entfernen zu lassen, muss man sich wohl oder übel arrangieren. Aber keine Sorge: Wenn es kälter wird im Herbst, stirbt der Staat mit seinen höchstens 600 Zugehörigen – bis dahin kann man ja vielleicht bei Verwandten unterkommen oder einfach keine hektischen Bewegungen machen.

Auch gegen Wespennester – mit maximal 10.000 Bewohnern, mehr nicht! – sollte man besser nicht selbst angehen oder sie gar ausräuchern. Das kann je nach Art empfindlich bestraft werden – nicht nur von den Wespen. Man muss den Kammerjäger rufen, der das Nest gegebenenfalls entfernt. Oder noch besser Experten vom Naturschutzbund, die den Staat dann umsiedeln. Der neue Siedlungsort muss mindestens vier Kilometer entfernt sein, damit die Wespen nicht zu ihrem alten Platz zurückkehren. 100 Meter weiter zum ungeliebten Nachbarn geht also leider nicht – aber laut einer alten Faustregel befindet sich ohnehin alle 100 Meter ein Nest.