Wer sagt denn so was?

Wer sagt denn so was?

Schon zu Zeiten Sokrates’ – also so knapp vor 2400 Jahren – beklagte eben selbiger den Verfall der Jugend. Und es wird seither von Jahr zu Jahr immer schlimmer. Ein klares Indiz ist die absolut bedenkliche Kommunikation, die sich bei der Suche nach dem Jugendwort des Jahres offenbart. Da wird die Halbglatze schnell zum Overcut und das väterliche Dominanzverhalten zum Darthvadern tituliert.

jugendwort_hopfensmoothie_innen_720px

O tempora, o mores

Nein, man versteht diese Heranwachsenden einfach nicht mit ihren Slangvokabeln. Das ganze Ausmaß des Schreckens zeigt sich bei einem Blick auf die 30 Begriffe, die der Langenscheidt Verlag auf seiner Auswahlliste 2016 veröffentlicht. Bier heißt dort Hopfensmoothie, der Chirurg ist Fleischdesigner und die schlechte Internetverbindung eine Bambusleitung.

Sie waren jung und brauchten das Wort

Wenn der Swaggernaut (eine extrem coole Person) mit seinem Swagphone (also einem Smartphone zum Angeben) seinem Mois (Kumpel), dem alten Tintling (Tätowierter), nur Banalverkehr (belanglosen Chatverlauf) liefert, während der auf schmoofe (geschmeidigen) Geschichten über Yologamie (offene Beziehung: Yolo und Monogamie) mit dem Tindergarten (Sammlung von Onlinedating-Kontakten) wartet, ist er eben ein Uhrensohn (Jemand, der sich zur falschen Zeit wie ein Idiot benimmt) und gehört mit der Vollpfostenantenne (Selfiestick) vertrimmt.

Nichts verstanden? Alles klar!

Man fragt sich zu Recht: „Redet aktuell wirklich jemand so?“ Und die Antwort lautet: „Bedingt!“ Der Begriff gz (Congratulations – congratz – gratz – gz) wird wirklich benutzt, ist aber so alt wie das gemeinsame Onlinespielen mit Voicechat – etwas vor der Jahrtausendwende. Mit Isso (Zustimmung, Unterstreichen von etwas) wiederum landete der Musiker Mateo 2014 einen Hit in den Charts. Und wem der Begriff Internetausdrucker (Leute, die E-Mails und Webseiten ausdrucken, um sie zu lesen) bis heute nicht begegnet ist, der hat zwischen dem Aufstieg und Fall der Piratenpartei nie etwas von ihr mitbekommen.

Kreativ aber selten

Es ist also mitnichten der Fall, dass alle Wörter auf der Liste der Fantasie von Lexikografen entspringen, die sich vorstellen, wie wohl Jugendliche miteinander sprechen. Obwohl böse Zungen behaupten, zwei sehr betagte Haudegen im Verlies des Verlages würden regelmäßig bei der Suche nach dem Jungspundwort verzweifeln. Man findet allerdings nur schwerlich einen Vertreter der Generation Z, der all diese Worte tatsächlich und sogar tagtäglich benützt. Der Untergang der Sprache bleibt also trotz Jugend aus.

Mitte November weiß man dann mehr, was der Nachfolger von Smombie, Läuft bei dir, Babo und Yolo wird.