Wenn die Haare einen schlechten Tag haben

Wenn die Haare einen schlechten Tag haben

Schauer, Niesel, Nebelschwaden – da bedankt sich die Frisur.

Die Haare, eigentlich ja tote Hautanhangsgebilde, führen in feuchter Umgebung ein extrem aktives Eigenleben. Je nach gegebener Struktur vergrößern sie ihr ursprüngliches Volumen um mindestens die Hälfte bzw. karikieren die mühsam aufgeföhnte Formgebung gerne mal auf extrem platte Art. Kaum kontrollierbarer Frizz macht sich breit, die eigentlich favorisierte Optik dünn. Die Konsequenzen für nicht ganz uneitle Mitmenschen: kaschieren und kompensieren.

Erste Hilfe beim Angriff der Feuchtmoleküle: Schutz suchen. Das kann eine Mütze sein, weit genug, um der kompletten Mähne Unterschlupf zu bieten (Idealform: Baske oder Beanie). Notfalls den soeben noch dekorativ vors Dekolleté gebundenen Schal als Turban zweckentfremden. Gehen Nebel oder Niesel in Regen über, kann selbst das einst von Max Herre besungene Vordach nicht verhindern, dass sich entsprechend disponierte Haarschöpfe kräuseln oder zusammenfallen. Um die Frisur über den restlichen Tag zu retten, empfiehlt sich – alternativ zu den einschlägigen, eventuell nicht umgehend greifbaren Anti-Frizz-Produkten – ein Griff zur Ölflasche; ist kein spezielles Trocken- oder Haaröl in der Nähe, reichen dafür auch ein paar Tropfen Speiseöl aus Haselnuss, Leinsaat, Soja oder anderen wohlriechenden bis duftneutralen Substanzen. Bei strömendem Regen bewährt sich die Flucht nach vorne: Irgendwann ist es dann sowieso egal – und solange die Haare nass bleiben, sieht das dann so ähnlich aus wie auf der „Sports Illustrated“, nur eben mit Parka statt Bikini.

Verbindliche Maßnahmen

Um längere feucht oder nass gewordene Haare schonend und gleichzeitig formend zu trocknen, können sie vorsichtig zusammengebunden werden (am besten mit einer großen Spange, der späteren Symmetrie wegen idealerweise durch Mittelscheitel wie zu Zöpfen getrennt, seitenweise jeweils nach innen gewickelt und dann vorsichtig fixiert). Auch der Bloggerinnendutt produziert mit etwas Übung zwar unregelmäßige, aber durchaus dekorative Wellen. Apropos: In nassen Haaren niemals Haargummis verwenden, schon gar nicht welche mit Metallteilen – die dann extrem empfindlichen Haare könnten brechen … und die nächsten Bad Hair Months sind unwiderruflich gebucht.

Mit der Schere gegen Frizz

Langfristig vorbeugende Maßnahme im Kampf gegen zu viel Feuchtigkeit im Haupthaar ist ein entsprechender Schnitt, verordnet vom Friseur des Vertrauens. Wie im trockenen Zustand auch, profitieren dünne Haare bei hoher Luftfeuchtigkeit von eher stufigen Schnitten, während kräftige, leicht gewellte Haare in der Regel durch längere Deckhaare und exakt geschnittene Spitzen besser kontrolliert werden können. Achtung: Schnitte mit dem Messer sind besonders Frizz-gefährdet, da der Cut den Haarschaft aufraut und der Feuchtigkeit so noch mehr Angriffsfläche bietet.

Aber es gibt ja noch andere Ursachen für Bad Hair Days. Und wir reden jetzt nicht von den Fällen, in denen sich eine strohige, einfach nicht sitzen wollende Frisur oder eine plötzlich auftretende Löwenmähne durch einen positiven Schwangerschaftstest erklärt.

Ziemlich geladen?

Im Herbst treibt die Heizungsluft wieder ihr Unwesen. Sie trocknet nicht nur Haut und Schleimhäute aus, auch die Haare leiden und laden sich statisch auf. Kleidung (leider auch Mützen), aber auch Schuhe und Fußbodenbeläge aus Kunstfasern verstärken den Steckdosen-Effekt. Schnell beruhigt wird die Situation durch einen Gang ans Waschbecken: Hände anfeuchten und in die Nähe der Deckhaare halten, ohne sie zu berühren. Alternativ: mit einem Feuchttuch über die Deckhaare streichen. Oder ein paar Tropfen Öl in den Handflächen verreiben und damit Längen und Spitzen bearbeiten.

So bekommen Sie Ihr Fett weg

Mit schon leicht angefetteten Haaren ins Büro, abends spontan zum After-Work-Wasauchimmer – aber kein Trockenshampoo dabei? Helleren Köpfchen hilft hier eine Ansatzbehandlung mit von der Kollegin geschnorrtem Babypuder, alternativ (wenig!) Speisestärke aus der Kantinenküche, Brünette und Dunkelhaarigere wagen einen Versuch mit Heilerdepulver (Drogeriemarkt oder Apotheke) – achten dabei aber penibel auf ihre Garderobe (das Zeug gibt Flecken). Textilfreundlicher wird’s mit Isoprophyalkohol (ebenfalls Apotheke). Gibt’s auch als getränkte, einzeln verpackte Vliespads, mit denen sich der Fettansatz an Schläfen und ggf. Scheitel leicht entfernen lässt. Achtung: Alkohol wirkt austrocknend und ggf. farblösend  – daher bitte Vorsicht bei leichten Tönungen oder zuvor angewandten Kaschierstiften.

Styling: Improvisation ist alles

Als Spontan-Stylingmittel für Längen und Spitzen hat vielleicht irgendjemand eine Handcreme in der Tasche. Ansonsten eignen sich je nach Haarstruktur und anvisiertem Ergebnis auch Kokosfett oder Pflanzenöle aus dem Küchenregal. Aloe-Vera-Gel oder notfalls Wackelpudding können als Haargel-Ersatz herhalten. Welligen Beach-Look verschafft eine Mischung aus einer Prise Meersalz, ein paar Tropfen Glyzerin (Apotheke) und einem Schnapsgläschen Wasser, die gut vermischt und dann aufgesprüht oder eingeknetet wird.

Ablenkungsmanöver vorbereiten

Wenn der Frisurenfrust durch Spontanmaßnahmen nicht zu kompensieren ist, hilft nur noch: Blicke gezielt umlenken. Knalliger Lippenstift, dramatisches Augen-Make-up oder ein mit Bedacht eingesetztes Statement-Accessoire kompensieren die widerspenstige Haartracht und heben hoffentlich die eigene Laune. Mit etwas Glück verdichtet sich dann auch die Erkenntnis: Manchmal ist so ein Bad Hair Day auch nur an den Haaren herbeigezogen.