Verliebt, verlobt, verschuldet

Verliebt, verlobt, verschuldet

In Deutschland wird wieder öfter Ja zueinander gesagt. Aktuelle Zahlen von Destatis zeigen, dass in 2015 ein Zuwachs von 14.000 Ehen im Gegensatz zum Vorjahr zu verzeichnen war, was ein sattes Plus von rund 3,6 Prozent mehr auf insgesamt mehr als 400.000 Trauungen bedeutet. Na, wenn das mal nicht ein Grund zum Feiern ist!

Und feiern können die Deutschen. Denn nicht nur die Zahl der Heiratenden ist im Höhenflug. Auch die Kosten für Hochzeitsfeiern sind seit Jahren im Aufwärtstrend. So wird aus dem schönsten Tag des Lebens immer häufiger auch der teuerste – und im Hintergrund reiben sich Weddingplaner, Juweliere und Gastronomiebetriebe die Hände. Klar: Das atemberaubende Kleid, die speziell angefertigten Ringe, das originelle Hochzeitsauto und die begehrte Location wollen alle bezahlt sein. Dazu kommen noch ausgefallene Wedding-Trends wie Candybars, Photobooths (das sind Foto-Boxen mit lustigen Verkleidungsmöglichkeiten, die heute oft noch neben einem professionellen Fotografen gebucht werden) oder eine Band, die die Tanzfläche zum Beben bringen soll. Und nicht selten findet die Hochzeit gar nicht mehr in der Nähe des Wohnorts statt.

Paare wünschen sich statt Geldgeschenken heute lieber, dass die Gäste sie auf die Malediven, nach Ibiza oder an einen anderen stylishen Ort begleiten, um sich dort das Ja-Wort zu geben. Save the date kann man da nur sagen. Die Amerikanisierung macht eben auch vor Hochzeiten nicht halt. Vorbei die Zeiten, in denen der Tausch der Ringe als simples Zeichen ausreichte, dass man sein Leben zusammen verbringen möchte. Die Generation Y, die nach immer neuen Maximen giert, will unterhalten werden. Da mutiert das Konzept der bodenständigen Hochzeit der Eltern zum Event der Superlative – immerhin muss man ja die Hochzeiten der anderen Freunde auch noch toppen. Noch ein Stück Torte?!

Aber was soll das denn nun kosten?

Ein Rechenbeispiel für eine durchschnittliche Hochzeit lieferte die Schriftführerin des Bundes deutscher Hochzeitsplaner e.V. Melanie Schmitz in einem 2015 geführten Interview mit der Internetplattform Weddix. Ihr zufolge müssten Paare für eine Feier mit etwa 70 Personen mit Kosten von rund 14.000 Euro rechnen – auf dem Land. In Großstädten würde sie schon eher 20.000 Euro veranschlagen. Selbstverständlich ohne Extras wie Live-Musik, einen Shuttle-Service für die Gäste oder Kinderbetreuung. Von der Hochzeitsreise wollen wir hier erst gar nicht anfangen. Von den Kosten allein bekommt man immerhin schon einen netten neuen Kleinwagen. Vielleicht kann man sich aber damit trösten, dass es immer noch teurer geht: Die Briten zum Beispiel geben durchschnittlich mehr als 27.000 Euro für ihre Hochzeit aus – Cheers!

Da kann man sich schon mal fragen: Wie konnte es nur so weit kommen? Viele Heiratswillige scheinen geblendet vom Prunk perfekt inszenierter YouTube-Videos und Fernsehsendungen über Hochzeitsfeiern, bei denen eine Handvoll Bräute jeweils am Fest der anderen teilnimmt, nur um anschließend mit oft vernichtenden Kritiken den Festakt zu zerreißen. Da wächst natürlich die Angst, dass die eigene Feier nicht den hohen Erwartungen genügen könnte. Also plant man lieber mit Pomp und Bombast, damit die Gäste gar nicht anders können, als aus dem Häuschen zu sein. Die Reizüberflutung als Mittel der Wahl.

Außerdem scheinen junge Paare in Zeiten, in denen jede dritte Ehe geschieden wird, nach einem Schlüssel zur ewigen Bindung zu suchen – und wahrscheinlich meinen viele, je großzügiger sie für die Hochzeit ihre Geldbörse öffnen, desto eher bemerkt das Umfeld, wie ernst es ihnen mit ihrer Partnerschaft ist. Würden sie denn sonst so viel Kohle raushauen? Eine Unsicherheit, die mit Tüll, Konfetti und Zuckerguss übertüncht wird. Ein Ergebnis gibt’s dann sicher innerhalb der nächsten 15 Jahre – denn so lange hielt im Jahr 2016 eine durchschnittliche Ehe in Deutschland.